Landfrau Agnes Dahl sitzt an einem Tisch in ihrer Küche und stopft Watte in den Schornstein eines bunt geschmückten Lebkuchenhauses.

Als letzten Schliff bekommt der Lebkuchenschornstein eine kleine Rauchwolke aus Watte von Landfrau Agnes Dahl. Die Watte sollte jedoch nicht mitgegessen werden.

Foto: Philipp Overschmidt

Als letzten Schliff bekommt der Lebkuchenschornstein eine kleine Rauchwolke aus Watte von Landfrau Agnes Dahl. Die Watte sollte jedoch nicht mitgegessen werden.

Erleben

Der Traum vom süßen Eigenheim

„Knusper, knusper, knäuschen, wer knuspert an meinem Häuschen?“ Diese Frage aus Grimms Märchen stellt sich derzeit in den Küchen der Region sicherlich der ein oder andere. Adventszeit ist Lebkuchenzeit und damit auch ein Häuschen zum Knuspern neben dem Weihnachtsbaum aufgestellt werden kann, zeigt Landfrau Agnes Dahl aus Misselwarden, wie schnell und einfach ein leckeres Lebkuchenhaus entsteht.

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Die Grundlage für jedes Lebkuchenhaus ist der Teig. „Wer so eins backen will, muss zwei Tage einplanen“, sagt Agnes Dahl, stellvertretende Vorsitzende der Landfrauen Wesermünde. Auch für sie ist ein Lebkuchenhaus nicht alltäglich. „Ich habe zuletzt vor fünf Jahren eins gebacken“, schätzt die 51-Jährige. Trotzdem sitzt jeder Handgriff und der Teig (siehe nebenstehendes Rezept) ist nach kurzer Zeit im Kühlschrank. Dort muss er, in Frischhaltefolie gehüllt, die Nacht verbringen. Am nächsten Tag sieht der Teigklotz aus wie ein übergroßes Bonbon – glänzend und braun.

500 Gramm Honig, 500 Gramm brauner Zucker, 300 Gramm Butter, 1 Kilogramm Mehl, 3 Teelöffel Lebkuchengewürz, abgeriebene Schale einer Zitrone, 50 Gramm Kakao, 2 Eier, 2 Teelöffel Pottasche, 3 bis 4 Esslöffel Wasser gehören in den Lebkuchenteig.

500 Gramm Honig, 500 Gramm brauner Zucker, 300 Gramm Butter, 1 Kilogramm Mehl, 3 Teelöffel Lebkuchengewürz, abgeriebene Schale einer Zitrone, 50 Gramm Kakao, 2 Eier, 2 Teelöffel Pottasche, 3 bis 4 Esslöffel Wasser gehören in den Lebkuchenteig.

Foto: Philipp Overschmidt

Um später ein gerades Lebkuchenhaus zu haben, sind Schablonen wichtig. Um diese zu basteln, reicht auch völlig normales Papier. „Meine ausgeschnittenen Schablonen halten schon seit Jahren“, betont Dahl. Diese werden in ihrem Backbuch auf der Seite mit dem Lebkuchenrezept gelagert. Die Maße der Dachform ist einfach – ein Blatt der Größe DIN A5 (148 mal 210 Millimeter). Die Giebelseiten sind ebenfalls so groß wie ein DIN-A5-Blatt, jedoch wird ab der Hälfte des Papiers ein gleichschenkliges Dreieck ausgeschnitten. Die Seiten des Lebkuchenhauses sind 210 Millimeter lang, aber nur 105 Millimeter hoch. Die Fenster sollten 40 mal 40 Millimeter groß sein. Eine Tür kann wie gewünscht aufgezeichnet werden. Für den Schornstein werden dann noch eine Schablone in 40 mal 40 Millimeter und eine Schablone 30 mal 40 Millimeter benötigt. „Dafür eignen sich die Papierreste aus den Fenstern“, rät Agnes Dahl.

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Viel Teig bleibt über

Nun schnappt sie sich das glänzende Bonbon aus Teig, befreit es von der Folie und schneidet es mit einem großen Messer in kleine Stücke. Dahl hat sich mittlerweile in ihre Schürze geschmissen. Denn wie jedes Kind weiß, gibt es in der Weihnachtsbäckerei so manche Kleckerei. Großzügig verteilt die Landfrau Mehl auf der Arbeitsplatte, um anschließend die Teigstücke mit einem Nudelholz platt zu walzen. Ist eine Masse gleichmäßig geplättet, legt Dahl die Schablone an. So entstehen mit schnellen Schnitten nach und nach zwei Dachelemente, zwei Seitenflächen, Vorder- und Rückseite sowie vier Teile für den Schornstein – und alles aus köstlichem Lebkuchenteig. Während die Wände zwischen vier und fünf Millimeter dick werden, walzt die Landfrau die Dachschrägen mit drei Millimeter etwas dünner.

Türen und Fenster werden erst nach dem Backen herausgeschnitten.

Türen und Fenster werden erst nach dem Backen herausgeschnitten.

Foto: Philipp Overschmidt

Wer einmal ein Lebkuchenhaus selbst macht, wird gleich merken, dass eine Menge Teig überbleibt. „Daraus können wir entweder Kekse oder Ziegel für das Dach machen“, sagt die Landfrau. Heute entscheidet sie sich für die Kekse und verwandelt den noch unförmigen Teig schnell in Tannenbäume, Rentiere und Engel. „Wer wirklich viel Teig überhat, kann auch ein Herz wie vom Jahrmarkt backen“, fällt der Landfrau noch ein. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Damit der Lebkuchen perfekt wird, kommen die Einzelteile mit den Keksen auf einem Blech samt Backpapier für 15 Minuten in den auf 180 Grad Umluft vorgeheizten Backofen. „Ganz wichtig ist dabei, dass die einzelnen Lebkuchenstücke genug Platz zueinander haben“, betont Dahl. „Denn sonst backen sie aneinander.“ Der Duft von leckerem Lebkuchen füllt schnell die Küche.

Süßer „Zement“

Erst wenn die Einzelteile des Lebkuchenhauses gebacken sind, werden die Fenster und die Tür in die Außenwände geschnitten. „Außer man möchte Fensterscheiben aus Gummibärchen haben, dann müssen die Fenster vorher ausgeschnitten und jeweils zwei Gummibärchen in den Löchern platziert werden.“ Die süßen Tierchen werden dann mitgebacken und bilden ein buntes Fensterglas. Die Rückseite bekommt ebenfalls ein kleines Loch. „Wenn man will, kann man dort eine Lichterkette durchschieben, das sieht am Ende klasse aus“, verspricht Dahl. Bevor das Haus zusammengebaut werden kann, müssen die Einzelteile jedoch erst abkühlen. Das kann ein paar Stunden dauern.

Beim Verzieren des Lebkuchenhauses sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt.

Beim Verzieren des Lebkuchenhauses sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt.

Foto: Philipp Overschmidt

Da nicht nur das süße Heim später geschmückt wird, sondern auch ein kleiner Garten entstehen soll, empfiehlt Agnes Dahl, das Lebkuchenhaus auf einem in Alufolie gehüllten Küchenbrett aufzubauen. „Oder man nimmt einfach einen Atlas und wickelt den in Alufolie ein.“ Der Zement für das Haus wird aus Zuckerguss gemacht. Dafür vermischt die Landfrau 400 bis 500 Gramm Puderzucker mit dem Saft einer Zitrone. „Dabei sollte der Saft nach und nach untergemischt werden“, betont Dahl. Wird der süße Kleber zu schnell fest, sollte er für wenige Sekunden in die Mikrowelle gestellt werden. Mit Hilfe des Zuckergusses werden zunächst Front, Seitenteile und Rückseite miteinander verbunden. Dahl verteilt mit einem Spritzbeutel den Zuckerguss an den Enden der Einzelteile. Dabei muss sie ganz schön fest drücken. Anschließend werden die Einzelteile aneinandergedrückt.

Naschen erlaubt - aber nicht zu viel

„Damit nichts auseinanderfällt, befestige ich alles mit bunten Stecknadeln“, sagt die 51-Jährige. Natürlich werden diese vor dem Verzehr entfernt. Auch das Dach findet so seinen Platz auf den Giebelschrägen. An den Rändern des Daches verziert die Landfrau mit viel Zuckerguss die Fassade, so dass das Haus schon ein wenig verschneit aussieht. Für den Schornstein werden in die 40 mal 40 Millimeter großen Bauteile kleine Dreiecke geschnitten, so dass sie auf das Dach passen. Sie werden mit den 30 mal 40 Millimeter großen Rechtecken auf dem Dach verklebt. Bevor die ersten Süßigkeiten auf das Haus geklebt werden können, wird die herausgeschnittene Tür leicht geöffnet wieder ins Lebkuchenscharnier geklebt. „Außerdem kleben wir noch Fensterläden an“, ergänzt Dahl. Dafür werden die Reste aus den herausgeschnittenen Fenstern genutzt.

Was dann folgt, ist der Höhepunkt: Zäune aus Schokoriegeln, ein Keksbaum samt Rentier aus Keksteig im Garten, Wandverzierungen aus Schokolinsen, Dachziegel aus Gummibären, hier und da eine Fledermaus und andere Süßigkeiten finden den Weg auf das Haus – ein Paradies für Schleckermäuler. Hier und da wird auch mal genascht. Kinder sollten bei diesem Part deshalb lieber nicht dabei sein, sonst bleibt am Ende nicht genug Baumaterial übrig. Sämtliche Süßigkeiten werden mit Hilfe des Zuckergusses aufgeklebt. Mal halten sie besser, mal schlechter. „Wichtig ist, die einzelnen Teile gut festzudrücken“, sagt Dahl. Wo eine Süßigkeit droht abzustürzen, wird einfach eine Stecknadel hingesteckt. Ist das Haus voll, bekommt es den letzten Schliff. Etwas Watte in den Schornstein – bitte nicht mitessen – und Puderzucker über das Ganze. Schon sieht es beschaulich nach weißer Weihnacht aus.

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Und wie knuspert man das Lebkuchenhaus am besten? „Als ich klein war, stand das Lebkuchenhaus bis zum zweiten Weihnachtstag in der Stube“, erinnert sich Dahl. Natürlich wurde die ein oder andere Süßigkeit in der Zeit stibitzt. „An Weihnachten hat meine Mutter das Haus dann in kleine Stücke gerissen und mit einem geviertelten Apfel in eine Keksdose gepackt“, schwelgt die Landfrau in Erinnerungen. Nach ein, zwei Tagen sei der Lebkuchen dann wieder weich und gut essbar gewesen. „Oder man nimmt den noch harten Lebkuchen und tunkt ihn in heißen Kaffee oder Kakao.“ Klingt auch lecker. Unbedingt ausprobieren!

Aus den ausgeschnittenen Teilen der Fenster werden Fensterläden. Dann geht es ans Verzieren.

Aus den ausgeschnittenen Teilen der Fenster werden Fensterläden. Dann geht es ans Verzieren.

Foto: Philipp Overschmidt

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