Nilgänse und andere Tiere gehören eigentlich nicht in unsere Gefilde, leben dennoch im Cuxland.

Nilgänse und andere Tiere gehören eigentlich nicht in unsere Gefilde, leben dennoch im Cuxland.

Foto: picture alliance / Andreas Arnold/dpa

Nilgänse und andere Tiere gehören eigentlich nicht in unsere Gefilde, leben dennoch im Cuxland.

Heute

Aggressive tierische Einwanderer im Cuxland

Waschbär, Marderhund, Nutria und Nilgans haben eines gemeinsam: Es sind Tierarten, die eigentlich nicht hierher gehören, sogenannte Neozoen. Doch ihre Zahl steigt stetig, wie aus dem Niedersächsischen Landesjagdbericht 2019/20 hervorgeht. Auch im Cuxland sind sie auf dem Vormarsch, sagt Lüder Steinberg, Vorsitzender der Jägerschaft Wesermünde-Bremerhaven.

Kreis-Icon-Nordstern

„Das Problem sind die Schäden, die diese Tiere anrichten, und dass sie die heimischen Tierarten verdrängen“, erläutert Steinberg. Nicht umsonst würden diese Tierarten auch als Invasoren bezeichnet.

Dabei gibt es mit Waschbären, die eigentlich aus Nordamerika stammen, und Marderhunden, die in Sibirien und China heimisch sind, weniger Probleme. „Davon gibt es hier bei uns nur wenige Exemplare“, erzählt der Jäger. Aber sie seien da – und auch sehr wehrhaft. „Gerade Marderhunde geben nicht kampflos auf“, weiß er. Kein Wunder bei seiner Größe: Der Marderhund stammt aus der Familie der Hunde. Sowohl Waschbär als auch Marderhund sind vom Menschen eingeführt worden, sind teilweise aus Gehegen entkommen.

Sehr stark verbreitet im Cuxland ist die Nilgans – ursprünglich ein Brutvogel aus Afrika. Sie besiedelt fast jeden Gewässertyp – und richtet große Schäden an. „Die Tiere sind sehr aggressiv und vertreiben Störche aus ihren Nestern, um dann selber darin zu brüten“, erzählt Steinberg. Und danach duldeten sie in einem weiten Umkreis kein weiteres Vogelnest. Dabei attackieren sie auch Entenfamilien.

Gänse verdrängen geschützte Bodenbrüter

Gänse seien im Cuxland allgemein ein großes Problem, meint Steinberg und blickt dabei auf Nonnen-, Saat- und Blässgänse – alles Arten, die früher nur auf der Durchreise waren. „Aber durch die milderen Winter bleiben sie auch gerne hier“, weiß Steinberg. Das führe zu großen Problemen, weil ganze Grünlandflächen durch Fraß und Kot zerstört würden. Für Landwirte könnten dabei Schäden von 300 Euro pro Hektar entstehen. Und sie verdrängten auch Bodenbrüter – wie beispielsweise den stark bedrohten und streng geschützten Kiebitz oder auch das Rebhuhn.

„Ein Grund, warum die Gänsebestände so gewachsen sind, liegt in ihren Brutgebieten in Sibirien“, erzählt der Jäger. Früher seien dort Militärstützpunkte gewesen, die Soldaten hätten die Eier eingesammelt. Das sei weggefallen.

Der Jäger bedauert, dass es für Bläss- und Saatgänse keine Jagdzeiten gebe – obwohl die Bestände so groß seien. „Es wäre doch besser, dass man diese Tiere schießt und selber isst anstatt Mastgänse zu importieren“, meint er.

Nutria ist das Sorgenkind

Das größte Sorgenkind bei den invasiven Arten ist aber keine Gans, sondern ein Pelztier: die Biberratte, auch Nutria genannt. Dabei handelt es sich um eine aus Südamerika stammende Nagetierart, deren hoher Bestand auf aus Pelztierfarmen entflohene Tiere zurückzuführen ist. „Die Tiere sind doppelt so groß wie eine Bisamratte und vermehren sich rasant, denn sie bekommen das ganze Jahr über Junge“, sagt Steinberg. Im Kreis Osterholz sei die Zahl der Tiere innerhalb von drei Jahren von 50 auf über 1000 angewachsen.

Die Gefahr, die von diesen Tieren ausgeht: Sie zerstören Deiche. „In den Niederlanden gibt es sogar verbeamtete Nutriafänger“, weiß Steinberg. Kein Wunder, sind weite Teile der Niederlande doch vom Schutz der Deiche abhängig. Doch auch in Deutschland werden die Tiere bekämpft. Niedersachsen hat mehr als 1000 Kilometer Deiche – See- und Binnendeiche. „Es gibt eine Schwanzprämie“, sagt Steinberg.

Die invasiven Tierarten können übrigens auch Autofahrern gewaltig schaden. Wer mit einem Wildtier wie Reh, Hirsch, Fuchs oder Wildschwein zusammenstößt, bekommt den Schaden in der Regel von seiner Teilkaskoversicherung erstattet. Das gilt aber häufig nur für Tiere, die unter das Bundesjagdschutzgesetz fallen, warnt die R+V Versicherung. Anders sehe es bei Federwild aus. Und nicht generell versichert seien Unfälle mit exotischen Tieren wie Waschbären.

Kreis Icon Seepferdchen
Über den Autor
nach Oben