Hauke, Hannelore und Christoph Hubert (von links) sind sehr zufrieden mit ihren Angus-Rindern.

Hauke, Hannelore und Christoph Hubert (von links) sind sehr zufrieden mit ihren Angus-Rindern.

Foto: Bohn

Hauke, Hannelore und Christoph Hubert (von links) sind sehr zufrieden mit ihren Angus-Rindern.

Heute

Angus-Rinder statt Milch in Hainmühlen

Die Landwirtschaft soll ökologischer werden. Dafür plädieren die Nationale Akademie der Wissenschaften und andere Einrichtungen. Die Familie Hubert aus Hainmühlen hat diesen Schritt erfolgreich getan. Statt Milchvieh gibt es hier Angus-Rinder, dazu kommt ein ökologischer Landbau. Ab dem 21. August dieses Jahres darf der Angus-Hof Hubert das europäische EU-Bio-Logo tragen.

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„Der Weg dahin war lang, aber er hat sich gelohnt“, sagt Hauke Hubert. Zusammen mit seinem Bruder Christoph und seiner Mutter Hannelore bewirtschaftet er den Hof mit seinen 37 Hektar Flächen, davon 15 Hektar gepachtet.

Vor 2018 war der Hof der Familie Hubert die Heimat von Milchkühen. „Die habe ich selber gemolken, 364 Tage im Jahr“, erzählt Hannelore Huber, der der Hof gehört. Ihr fiel es anfangs schwer, sich von den Tieren zu trennen. „Ich habe ja auch einige von ihnen mit zur Welt gebracht“, sagt sie.

Trotzdem sei die Umstellung notwendig gewesen, sagt Hauke Hubert. Schließlich werde der Hof nur im Nebenerwerb betrieben. „Und bei den Milchpreisen war es einfach nicht mehr wirtschaftlich. Uns ging es darum, den Hof zu retten.“ So sei die Idee entstanden, auf Öko-Landwirtschaft umzustellen – zumal Christoph Hubert selber auf einem Ökolandbetrieb gelernt hatte.

Umstellung mit Milchkühen schwierig

„Natürlich hätten wir die Umstellung auch mit Milchkühen machen können, aber das wäre aufgrund der Beschaffenheit unserer Böden sehr schwer geworden“, sagt Christoph Hubert. Sein Bruder Hauke kam dann auf die Idee, auf Angus-Rinder umzustellen: „Das hatte mehrere Vorteile: Sie haben im Direkt-Marketing einen guten Ruf, sind pflegeleicht und vor allem ganz liebe Tiere.“ Und zudem sei das Kalben bei Angus-Rindern einfach, ergänzt Mutter Hannelore. Das sei wichtig, weil oftmals keine Hilfe vor Ort da sei.

Die Umstellung lief reibungslos. 2018 kauften die Huberts eine Herde mit 19 Tieren von den Erlösen, die der Verkauf der Milchkühe einbrachte. „Eine altgediente Milchkuh haben wir aber behalten. Die hat ihr Rentenalter auf unserem Hof verbracht und ist vergangenen Sommer an Altersschwäche gestorben“, erzählt Hauke Hubert. In 15 Jahren habe die Kuh 100.000 Liter Milch gegeben, ergänzt Hannelore Hubert. Das Tier habe es verdient, seinen Lebensabend genießen zu können.

Mittlerweile besteht die Herde der Angus-Rinder aus 63 Tieren, davon sind 25 Kühe. „Die Vermarktung klappte sehr viel besser als erwartet. Es war ein Glücksfall“, freut sich Christoph Hubert. Es habe sofort ein Angebot gegeben. Doch die Huberts vermarkten ihr Fleisch lieber selber. „Es war nur eine kleine Umstellung. Wird bei Rindern normalerweise in Vierteln verkauft, sind es bei Angus-Rindern Achtel“, erläutert Hauke Hubert.

Neue Maschinen

Während das Fleischgeschäft positiv lief, war es beim Landbau etwas schwieriger. Hier musste auch in neue Maschinen investiert werden. „Zum Glück kennen wir uns mit Landwirtschaftstechnik aus und können auch viel selber machen“, meint Christoph Hubert. Ein Verlustgeschäft sei aber auch der Ackerbau nicht, hier komme man derzeit immerhin noch auf eine schwarze Null.

Auf den Weideflächen grasen die Tiere sechs bis sieben Monate im Jahr. Geschnitten wird nur noch dreimal statt fünfmal. Auf den Ackerflächen wird zurzeit Kleegras, Mais und Roggen angebaut. „Wir düngen nur mit natürlichen Düngemitteln wie Mist, Flüssigmist und Kompost“, sagt Hannelore Hubert. Und der Pflanzenschutz erfolge rein mechanisch mit Striegel und Hacke.

Das neueste Projekt der Huberts sind Blühpatenschaften. „Hier arbeiten wir zusammen mit dem Verein Nano in Stinstedt im Land Hadeln“, berichtet Hauke Hubert. Es sollen noch dieses Jahr zwei Hektar Fläche in eine Blühwiese umgewandelt werden. „Das liegt uns am Herzen. Denn das sieht nicht nur gut aus, es hilft den Insekten und damit auch den Vögeln.“ Und auch andere Tierarten, wie Niederwild, profitierten davon. „Und vielleicht gelingt es uns auch, bedrohte Tierarten wie dem Kiebitz zu helfen“, hofft Hauke Hubert.

Insgesamt habe die Umstellung gut geklappt. Die Arbeit sei zwar anders geworden, aber nicht weniger, sagt Hubert. Doch für Mutter Hannelore bedeutet es, dass sie keine schwere Arbeit mehr machen muss: Sie beaufsichtigt den Hof.

Rat: Genau durchrechnen

Ist die Öko-Landwirtschaft also etwas für jeden Landwirt? „Nicht unbedingt“, meint Hauke Hubert. Das müsse jeder für seinen Betrieb entscheiden und auch genau durchrechnen, rät er.

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