Surkabi Mohammad Zahr, Abdullah Othmann und Johanna Brößling (von links) helfen, die Kunden der Tafel mit Obst und Gemüse zu versorgen.

Surkabi Mohammad Zahr, Abdullah Othmann und Johanna Brößling (von links) helfen, die Kunden der Tafel mit Obst und Gemüse zu versorgen.

Foto: Lammers

Surkabi Mohammad Zahr, Abdullah Othmann und Johanna Brößling (von links) helfen, die Kunden der Tafel mit Obst und Gemüse zu versorgen.

Heute

Ansturm auf die Lebensmittelausgabe aus

Klirrend kalt ist es an diesem Morgen. In der Ausgabestelle der Bremerhavener Tafel brennt dennoch die Luft. Eine Menschenschlange hat sich in dem schmalen Gang gebildet. Gabi Treschok winkt die Kunden weiter. Keiner soll draußen in der Kälte warten müssen. Aber ohne Abstand geht auch hier nichts. Das wird täglich schwieriger, denn die Corona-Pandemie hat einen Ansturm auf die Tafel ausgelöst.

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Dennoch: „Wir haben das gut im Griff“, sagt Gabi Treschok. Sie hilft ehrenamtlich mit. Ist die rechte Hand von Tafel-Chef Manfred Jabs, wie sie selber sagt. Jeder Kunde trägt eine medizinische Maske. „Es gab ein paar Kunden, die keine hatten. Denen haben wir eine gegeben“, sagt Treschok.

Ein rot-weißes Absperrband trennt die Kommenden von denen, die das Gebäude in der Surfeldstraße wieder verlassen – mit dem, was es braucht, um satt zu werden. In Lieferkisten lagert frisches Gemüse. Surkabi Mohammad Zahr lässt knallrote Paprika in die Tasche einer jungen Frau gleiten. Legt noch Brokkoli dazu.

Warme Sachen verteilt

Gabi Treschok durchkreuzt derweil die kleinen Räume der Lebensmittelausgabe, winkt die Kunden weiter. Zwei Männer kommen mit großen blauen Säcken herein: „Wohin damit?“, fragt einer, sieht Gabi Treschok ratsuchend an. „Es gibt viele Menschen, denen es zurzeit an warmer Kleidung mangelt“, erzählt sie, während sie den Männern zeigt, wo sie die Spenden hinbringen sollen. „Die Wintersachen, die uns gespendet werden, befinden sich in verschlossenen Plastiksäcken, wir lagern sie eine Woche. Aus hygienischen Gründen.“ Die Kleiderkammer der Arbeiterwohlfahrt (Awo), die sich ebenfalls in dem Gebäude befindet, hat aufgrund der Pandemie geschlossen. „Viele Kunden sind froh, dass sie bei uns warme Sachen bekommen können.“

Gudrun Jäger (links) und Gabi Treschok freuen sich über eine frisch eingetroffene Tierfutterspende.

Gudrun Jäger (links) und Gabi Treschok freuen sich über eine frisch eingetroffene Tierfutterspende.

Foto: Lammers

Vor dem kleinen Tisch, an dem Berechtigungskarten vorgezeigt und die Lebensmittel bezahlt werden, steht ein junges Pärchen. „Sind Sie neu hier?“, fragt Gabi Treschok. Der junge Mann nickt. Seine Freundin hatte ihm von der Tafel erzählt. Er selber hat durch die Corona-Krise seine Arbeit verloren. Hinter ihm warten viele Kunden, die schon öfter hier eingekauft haben. „Das wird schon wieder“, macht die Organisatorin der Lebensmittelausgabe dem jungen Mann Mut. „Wenn die Pandemie vorbei ist, werden Sie wieder Arbeit finden.“ Sie lächelt ihm aufmunternd zu. „Seit dem Beginn der Corona-Krise haben wir deutlich mehr Kunden“, erzählt sie. „Im Januar 2020 waren es pro Woche rund 3732 Kunden. Im Dezember waren es pro Woche bereits 4833.“

Starker Zulauf in der Krise

Darunter sind mehr Bezieher von Arbeitslosengeld I. Viele hätten ihre Jobs im Service-Bereich verloren. „Hinzuverdienstmöglichkeiten für Menschen fallen weg, sodass die ohnehin auf Sozialleistungen angewiesenen Menschen noch geringere Möglichkeiten haben, ihren Lebensunterhalt zu verbessern“, beschreibt Sozialstadtrat Uwe Parpart (SPD) die Situation, die den starken Zulauf zur Tafel erklärt. „Aufgrund dieser Situation haben wir im letzten Jahr denjenigen Kindern regelmäßige Essenspakete während des Lockdowns zukommen lassen, die ansonsten über die Schulen oder Kindertagesstätten versorgt worden wären.“ Auch zu Weihnachten gab es eine Gutscheinaktion der Stadt im Wert von je 22 Euro für alle rund 7000 Kinder im Alter von bis zu 15 Jahren, die von Sozialleistungen abhängig sind.

Die Tafel reagierte ebenfalls auf die verschärfte Situation und hat die Öffnungszeiten erweitert: „Wir haben unsere Ausgabezeiten verlängert, das heißt, wir haben von montags bis freitags von 9.30 bis 14.30 Uhr geöffnet“, erzählt Gabi Treschok. An diesem kalten Wintermorgen sogar noch früher: „Die Menschen standen schon um 7 Uhr vor unserer Tür. Die konnten wir doch nicht in der Kälte warten lassen.“

Auch Tierfutter ist gefragt

Während die Kunden sich mit Lebensmitteln und Hygieneartikeln versorgen, kümmert sich im Büro Gudrun Jäger unter anderem um den Nachschub. Sie nimmt Anrufe entgegen, von Menschen, die Spenden abgeben möchten. Auch Tierfutter. „Man darf nicht vergessen, dass auch die Versorgung von Haustieren eng wird, wenn das Budget schmaler wird. Deswegen freuen wir uns auch über Futterspenden.“ Mit dem erhöhten Bedarf sei auch die Spendenbereitschaft gewachsen. „Sämtliche Lebensmittelmärkte in der Umgegend haben ihre Spenden noch erhöht, dafür sind wir sehr dankbar“, sagt Treschok.

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