Eine volle Eisarena wünschen sich die Pinguins auch in der kommenden DEL-Saison. Geisterspiele oder Heimspiele mit geringerer Zuschauerkapazität wären für den DEL-Club ein großes wirtschaftliches Problem. Da könnte das Konjunkturpaket der Bundesregierung für Entlastung sorgen.

Eine volle Eisarena wünschen sich die Pinguins auch in der kommenden DEL-Saison. Geisterspiele oder Heimspiele mit geringerer Zuschauerkapazität wären für den DEL-Club ein großes wirtschaftliches Problem. Da könnte das Konjunkturpaket der Bundesregierung für Entlastung sorgen.

Foto: Lothar Scheschonka

Eine volle Eisarena wünschen sich die Pinguins auch in der kommenden DEL-Saison. Geisterspiele oder Heimspiele mit geringerer Zuschauerkapazität wären für den DEL-Club ein großes wirtschaftliches Problem. Da könnte das Konjunkturpaket der Bundesregierung für Entlastung sorgen.

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Berliner Wumms soll Pinguins und Eisbären aus der Krise helfen

Mit dem Wumms von 130 Milliarden Euro, wie Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) das Konjunkturpaket ankündigte, will die Bundesregierung die deutsche Wirtschaft aus der Corona-Krise führen. Ein Stück vom Kuchen ist dabei auch für den Profisport außerhalb der Fußball-Bundesliga vorgesehen. Bei den Fischtown Pinguins und den Eisbären Bremerhaven hat die Berliner Initiative große Erwartungen geweckt, auch wenn Art und Umfang der finanziellen Hilfe noch weitgehend unklar sind. Doch auch der Breitensport in Bremerhaven und im Landkreis Cuxhaven meldet Bedarf an.

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Für die Clubs aus der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) handelt es sich um ein positives Signal, betont Hauke Hasselbring: „Natürlich begrüßen wir das, dass der Profisport miteinbezogen werden soll.“ Der Geschäftsführer der Pinguins vermisst aber konkrete Hinweise, wie die Unterstützung aussehen könnte: „Die Informationslage ist noch sehr dünn.“

Erhebliche Umsatzrückgänge

Aus wirtschaftlicher Sicht stehen die Pinguins - ähnlich wie die Clubs im Handball, Volleyball und Basketball - vor zwei großen Herausforderungen. Zum einen hat die Corona-Pandemie in vielen Branchen zu erheblichen Umsatzrückgängen geführt. Das Sponsoring könnte daher bei vielen Unternehmen auf dem Prüfstand stehen. In diesem Punkt kann Hasselbring aber leichte Entwarnung geben - die regionale Wirtschaft steht zu den erfolgreichen Kufencracks. „Dass wir das Geld eins zu eins wieder generieren können, wäre utopisch. Aber ich bin zufrieden, wie weit wir jetzt schon sind“, gibt Hasselbring einen Einblick in die Etatplanungen.

Großveranstaltungen weiterhin verboten

Pinguins-Geschäftsführer Hauke Hasselbring (rechts) hofft auf einen regulären Saisonstart im September. Sollte es wegen Corona anders kommen, wären Hilfen aus dem Konjunkturpaket der Bundesregierung wünschenswert.

Pinguins-Geschäftsführer Hauke Hasselbring (rechts) hofft auf einen regulären Saisonstart im September. Sollte es wegen Corona anders kommen, wären Hilfen aus dem Konjunkturpaket der Bundesregierung wünschenswert.

Foto: Scheer

Drängender ist die Frage, ob in der DEL in der kommenden Saison wieder vor Publikum gespielt werden kann - nach aktueller Rechtslage sind Großveranstaltungen mit mehr als 1000 Zuschauern noch bis zum 31. August verboten. Hasselbring macht deutlich, dass Heimspiele mit einer begrenzten Kapazität in der Eisarena für die Pinguins wirtschaftlich ein Desaster wären: „Jedem muss klar sein, dass schon eine halbvolle Halle für uns wie ein Geisterspiel ist. Die Kosten sind ja die gleichen. Da sind wir im Millionenbereich, was die Einnahmen angeht.“

Um solche Verluste auszugleichen, wären Finanzspritzen aus dem Konjunkturpaket aus Sicht des Pinguins-Machers zwingend erforderlich. Wobei Hasselbring ein anderes Szenario bevorzugen würde: „Ich wünsche mir, dass wir eine Saison mit 52 Spielen hinbekommen, gehe aber nicht davon aus, dass wir wie geplant im September starten werden.“ Organisatorisch wäre es kein Problem, wenn der Puck erst im November wieder übers Eis saust. Mit Einnahmeverlusten müssten die Clubs laut Hasselbring aber auch in diesem Fall rechnen: „Wenn man 26 Heimspiele in drei Monaten hat, werden nicht mehr so viele Leute in die Halle kommen, weil sie sich das in der zeitlichen Abfolge gar nicht leisten können.“ Auch hier wäre Unterstützung aus dem Konjunkturpaket wünschenswert.

Details fehlen noch

Ähnlich bewertet Nils Ruttmann die Situation, der zudem noch mit der Ungewissheit leben muss, ob die Eisbären in der kommenden Saison in der Basketball-Bundesliga oder weiter in der ProA spielen werden. „Ich finde es gut, dass der Sport unterhalb von König Fußball nicht vergessen wird. Wir sind Unternehmen mit Arbeitsplätzen und auch systemrelevant“, sagt der Eisbären-Geschäftsführer. Neben der wirtschaftlichen Bedeutung müsse auch der Beitrag des Sports für Werte wie Fairplay, Integration und Diversität honoriert werden. Wie seinem Kollegen Hasselbring fehlen Ruttmann aber noch die Details, um das Konjunkturpaket bewerten zu können: „Man verfolgt das, aber Konkretes haben wir noch nicht auf dem Tisch.“

Wie die Hilfen aus dem Konjunkturpaket für den Profisport aussehen werden, soll bis zum Beginn der parlamentarischen Sommerpause Anfang Juli feststehen. Das kündigte Dagmar Freitag (SPD), Vorsitzende des Sportausschusses im Bundestag, im Fachmagazin „Eishockey-News“ an. Federführend soll das Wirtschaftsministerium sein, weil es sich bei den Clubs überwiegend um Wirtschaftsbetriebe handelt. Für Freitag kommen nur individuelle Lösungen in Frage: „Unterschiedliche Sportarten haben unterschiedliche Probleme und Anforderungen, daher wird es aus meiner Sicht kein Gießkannenprinzip geben können.“

Umstellung auf den eingeschränkten Corona-Betrieb

So geht es auch Frank Schildt, der als Vorsitzender des StadtSportBundes Bremerhaven (SSB) die Interessen des Breitensports im Auge hat. Auch wenn viele Vereine bereits Hilfen aus dem mit einer Million Euro gefüllten Notfallfonds des Landes Bremen beantragt hätten, sei der Bedarf wahrscheinlich höher. Zudem hätten die Vereine zusätzliche Kosten zu stemmen, die durch die Umstellung auf den eingeschränkten Corona-Betrieb entstanden seien. Für Schildt steht daher fest: „Der Breitensport sollte genauso bedacht werden wie der Profisport, weil der noch mal andere Möglichkeiten hat, sich zu finanzieren. Bei uns sind die Mitgliedsbeiträge, kommunale Zuschüsse und das Sponsoring die Standbeine. Und ein Problem der Vereine ist, dass die Mitgliederbindung umso schwieriger wird, je länger die Krise dauert.“

Keinen großen Mitgliederschwund

In diesem Punkt ist Maik Schwanemann optimistischer. „Nach heutigem Stand gehen wir davon aus, dass wir keinen großen Mitgliederschwund in den Vereinen haben werden“, erklärt der Geschäftsführer des Kreissportbundes Cuxhaven (KSB). Das hänge auch mit den gesellschaftlichen Strukturen im ländlichen Raum zusammen - auf dem Dorf sei es oft noch selbstverständlich, im Verein zu sein.

Da das Konjunkturpaket eher für Vereine mit wirtschaftlichem Betrieb gedacht sei, geht Schwanemann davon aus, dass die Vereine im Cuxland eher nicht zu den Profiteuren gehören werden. Investitionen in den Sportstättenbau kann sich der KSB-Geschäftsführer dagegen sehr gut als Teil der Berliner Hilfen vorstellen, zumal das der lokalen Wirtschaft zugutekommen würde: „Das normale Vergaberecht ist zurzeit außer Kraft gesetzt, es muss nicht europaweit ausgeschrieben werden.“ Um Vereinen, die durch Corona in Schwierigkeiten geraten sind, zu helfen, gebe es bereits Programme auf Landesebene, die laut Schwanemann nicht immer bekannt sind: „Wir können nur den Vereinen helfen, die sich auch melden. Dann sind wir gerne als Dienstleister tätig, auch wenn wir selbst keine finanzielle Unterstützung anbieten können.“

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