Dorothea Fensak (Zweite von links) hat das Hilfsprojekt mit auf den Weg gebracht. Yasemin Khalil (Mitte) verteilt die von Flying Pizza gespendeten Pizzen, Ciprian Tudorache (Zweiter von rechts) die von Päpper-Imbiss gesponserten Menüs.

Dorothea Fensak (Zweite von links) hat das Hilfsprojekt mit auf den Weg gebracht. Yasemin Khalil (Mitte) verteilt die von Flying Pizza gespendeten Pizzen, Ciprian Tudorache (Zweiter von rechts) die von Päpper-Imbiss gesponserten Menüs.

Foto: Lammers

Dorothea Fensak (Zweite von links) hat das Hilfsprojekt mit auf den Weg gebracht. Yasemin Khalil (Mitte) verteilt die von Flying Pizza gespendeten Pizzen, Ciprian Tudorache (Zweiter von rechts) die von Päpper-Imbiss gesponserten Menüs.

Heute

Bremerhaven: Warmes Essen für Obdachlose und Leute aus der Drogenszene

Ein Stück Pizza Margherita in einer von der Kälte geröteten Hand. Genüsslich beißt Thorsten Gerke* ab. Er ist einer von rund 160 Menschen, die sich bei einer Aktion der Tafel Bremerhaven warmes Essen abgeholt haben. Und: Obwohl es so kalt an diesem Morgen ist, zieht er es vor, mit seinen Bekannten draußen im Stadtpark Lehe zu speisen. Dem Ort, an dem sie sich treffen, zusammen sitzen, Dinge von der Seele reden: Leute aus der Drogenszene, Menschen ohne Obdach, Alkohol-Süchtige.

Kreis-Icon-Nordstern

„Die meisten sind am liebsten draußen“, sagt Gabi Treschok. Schon steht sie bei einem älteren Herren. Winkt ihn an einen der Tische im Altbürgerhaus. Begrüßt ihn mit Namen. „Dahinten gibt es warme Jacken“, ruft sie ihm noch zu, bevor sie einer End-Dreißigerin die gewünschte Salami-Pizza in die Hand drückt. Es herrscht Geschäftigkeit in dem großen Raum. Menschen stöbern in Stapeln mit Bekleidungsstücken. Einige greifen in einen Korb mit Schoko-Riegeln. „Gerade die Leute aus dem Methadon-Programm haben oft einen Heißhunger auf Süßigkeiten. Alkoholiker möchten meistens lieber einen Kaffee“, erzählt Gabi Treschok. Sie kennt die Szene. Weiß, dass es hier oft am Nötigsten fehlt. An warmen Bekleidungsstücken. An warmem Essen.

Vor diesem Hintergrund haben Gabi Treschok und Dorothea Fensak, beides ehrenamtliche Helferinnen bei der Tafel Bremerhaven, dieses Projekt auf den Weg gebracht: Mahlzeiten für Bedürftige direkt an dem Ort anzubieten, an dem sie sich ohnehin häufig aufhalten.

Gastronomen spenden Essen

Gekocht werden die Mahlzeiten von Gastronomen, die im Gegenzug eine Spenden-Quittung und das Gefühl bekommen, etwas Gutes für die Gesellschaft getan zu haben. „Ich finde das, was die hier machen, super“, sagt Gerke zwischen zwei Bissen. Drei Männer nicken zustimmend. Sie stehen in der Kälte. Warmer Atem zeichnet kleine Wölkchen um ihre kauenden Münder. „Ich habe das Gefühl, es gibt immer mehr Menschen, die helfen wollen“, meint Gerke. „Manche bringen uns warme Sachen, wenn wir hier so sitzen.“ Aber natürlich gebe es auch immer wieder Süchtige, die randalierten. „Das passiert, wenn man drauf ist,“ sagt er. „Die machen dann so manches kaputt.“ Nicht nur Sachen, sondern auch das Mitgefühl, das immer mehr Leute für die Menschen aus der Szene aufbrächten. Aber er selber kenne sie eben auch. Mit all ihren schlimmen Auswirkungen für den Geist, den Körper, das ganz normale Leben und sämtliche sozialen Beziehungen: die Sucht. „Wenn man nichts in seinem Leben mehr unter Kontrolle hat, nicht mehr viel von dem Menschen übrig ist, der man einmal war.“

Drogenabhängige, Alkoholiker. „So viele kriegen irgendwann einfach die Kurve nicht mehr“, sagt der 52-Jährige, der selber schon früh damit angefangen hat, Heroin zu spritzen. „Ich war neugierig. Dann bin ich nicht mehr davon weggekommen“, sagt er und beschreibt seine Abwärtsspirale. „Arbeiten konnte ich nur noch auf Droge. Die Lehre habe ich nicht zu Ende gekriegt.“

Fast jeden Tag im Leher Stadtpark

Irgendwann ging gar nichts mehr. Dann wurde er in ein Methadon-Programm aufgenommen. Seitdem sei er fast jeden Tag im Park. „Hier um die Ecke, ist der Arzt, bei dem ich mein Methadon bekomme“. Im Stadtpark gibt es soziale Kontakte. „Ich habe zwar eine Wohnung, aber das viele Alleinsein macht depressiv.“ Und die Solidarität unter denen, die ähnliche Lebenswege haben, sei groß. „Viele teilen zum Beispiel Tabak, wenn jemand keinen mehr hat. Und nehmen auch schon mal jemanden auf, der sonst draußen schlafen würde“, sagt Gerke. Was sie auch teilen: „Das Vermissen von Freunden, die es nicht geschafft haben.“ Die sich zu Tode getrunken oder gespritzt haben. „Das habe ich unendlich oft erlebt.“

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