Tore wie das von Mirco Tatje (rechts) für SFL Bremerhaven wird es absehbarer Zeit auf den Fußballplätzen der Seestadt nicht zu bejubeln geben.

Tore wie das von Mirco Tatje (rechts) für SFL Bremerhaven wird es absehbarer Zeit auf den Fußballplätzen der Seestadt nicht zu bejubeln geben.

Foto: Olaf Adebahr

Tore wie das von Mirco Tatje (rechts) für SFL Bremerhaven wird es absehbarer Zeit auf den Fußballplätzen der Seestadt nicht zu bejubeln geben.

Heute

Bremerhavener Vereine stehen hinter dem Saisonabbruch

Das Stimmungsbild bei den Bremerhavener Vereinen ist noch eindeutiger als bei den Clubs in Bremen. Bei der Videokonferenz des Bremer Fußball-Verbandes (BFV) sprach sich am Mittwochabend kein einziger Vertreter aus der Seestadt dafür aus, die wegen Corona unterbrochene Saison 2019/2020 fortzusetzen. Die Motive für den Schlussstrich, den der BFV auf einem Außerordentlichen Verbandstag am 4. Juni beschließen soll, sind vielfältig, wie eine Umfrage unter den Bremerhavener Vereinen zeigt.

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Nicole Klockmann macht keinen Hehl daraus, dass sie sich über das klare Votum der Vereine – 89,5 Prozent stimmten am Mittwochabend für den Saisonabbruch – gefreut hat. Die Trainerin des Kreisliga-Tabellenführers TSV Wulsdorf hat den Aufstieg in die Bezirksliga Bremen sicher, wenn der Vorschlag des BFV zur Wertung der Saison am 4. Juni eine Mehrheit findet. Der Verband setzt auf die sogenannte Quotientenreglung, bei der die Anzahl der Punkte durch die Anzahl der Spiele dividiert werden. Die Wulsdorfer kommen zwar auf denselben Quotienten wie der Tabellenzweite TSV Imsum, wären aber wegen des besseren Torverhältnisses Kreisliga-Meister.

Viele praktische Probleme

„Die Vorfreude ist da, obwohl die Entscheidung noch nicht endgültig ist. Ich finde die Regelung fair“, sagt Klockmann mit Blick darauf, dass Wulsdorf das um 15 Treffer bessere Torverhältnis und den direkten Vergleich gegen Imsum gewonnen hat. Die TSV-Trainerin hätte die Saison gerne zu Ende gespielt, aus ihrer Sicht hätten jedoch zu viele praktische Probleme dagegen gesprochen. „Wir sehen keine andere Möglichkeit. Wann hätten wir denn spielen sollen?“, fragt Klockmann. Eine Rückkehr ins normale Mannschaftstraining mit Zweikämpfen sei zurzeit nicht absehbar: „Das heißt, wir hätten frühestens in vier bis sechs Wochen den Neustart machen können. Das ist nicht realistisch.“

Aufsteiger TuSpo Surheide

Mit dem Zeitfaktor argumentiert auch Egon Cordes, Abteilungsleiter Fußball bei TuSpo Surheide. Als Tabellenzweiter der Bezirksliga Bremen können sich die Surheider Herren über den Aufstieg in die Landesliga freuen, wo sie nach dem Aufstieg des OSC Bremerhaven in die Bremen-Liga der einzige Seestadt-Club sein werden. Schämen müsse man sich für diesen sportlichen Vorteil nicht, meint Cordes: „Wir haben sieben Punkte Vorsprung vor dem Tabellendritten und als einzige Mannschaft den Tabellenführer Burg geschlagen.“

Surheider U19 vor Klassenerhalt

Wie es mit der Surheider U19 aussieht, die in der Regionalliga Nord am Ball ist, steht noch nicht fest. Da im Jugendbereich die Hinrundentabelle und nicht die Tabelle zum Zeitpunkt des Abbruchs als Maßstab gelten soll, stehen die Zeichen am Düllmannsweg aber auf Klassenerhalt. Das Team von Trainer Angelo Pauls war als Tabellenneunter in die Winterpause gegangen und wäre selbst dann gerettet, wenn der Niendorfer TSV aus der A-Jugend-Bundesliga in die Regionalliga absteigen müsste. „Wir wären gerettet, und der VfB Lübeck müsste absteigen“, erklärt Cordes die Ausgangslage.

Ein persönliches Schicksal der Pandemie

Mit gemischten Gefühlen sieht Marcus Klame den Saisonabbruch. Der Trainer des Bremen-Ligisten SFL Bremerhaven hatte bereits Anfang des Jahres erklärt, nach der Saison eine schöpferische Pause einlegen zu wollen – da konnte er noch nicht ahnen, dass der 5:2-Heimsieg gegen den BSC Hastedt am 8. März sein letztes Spiel als Coach der „Heidjer“ sein würde. „Wir hätten eigentlich an diesem Sonnabend bei der SG Aumund-Vegesack unser letztes Spiel gehabt, danach hätte ich eine zünftige Abschiedsfeier gegeben. Es kommt halt oft anders, als man denkt. Dass das für mich persönlich so endet, ist das Schicksal der Pandemie. Mir war früh bewusst, dass ich mit dieser Mannschaft nicht mehr an der Seitenlinie stehen werde“, erzählt Klame.

Bald ist Trainingsstart

Umso glücklicher ist Klame („Ich finde, der klare Cut ist richtig“), dass er seine Mannschaft in der nächsten Woche wieder zum Training begrüßen kann: „Ich will meine Jungs einfach mal wieder um mich haben. Mit Abstand – unser Corona-Pandemieplan wird natürlich eingehalten“, betont Klame, der auch das Grillfest zu seinem Ausstand nur als verschoben betrachtet.

Wechselfristen und Altersstufenwechsel

Da der Abstieg in den Spielklassen des BFV ausgesetzt werden soll, darf sich der ESC Geestemünde als einer der Gewinner des Saisonabbruchs fühlen – die „Zweite“ aus dem Bürgerpark ist abgeschlagenes Schlusslicht in der Bezirksliga Bremen. Lutz Allhusen betont aber, dass er auch für den Saisonabbruch gestimmt hätte, wenn es die ESC-Reserve bei einer Wertung mit Absteigern erwischt hätte. Der ESC-Abteilungsleiter ist überzeugt davon, dass die Fortsetzung der Spielzeit mit größeren Problemen verbunden wäre als die jetzt gefundene Lösung: „Das wäre mit den Wechselfristen und den Altersstufenwechseln sehr schwierig geworden.“ Gespannt ist Allhusen darauf, wie der BFV seinen Cup-Wettbewerb retten will – im Lottopokal stehen noch das Halbfinale und das Endspiel aus. Da die Teilnahme an der ersten DFB-Pokalhauptrunde für Amateurcubs finanziell sehr lukrativ ist, könnten auf den BFV noch erhebliche Konflikte zukommen. „Ich möchte diese Entscheidung nicht treffen“, gibt Allhusen zu.

Verständnis für „seine“ Vereine hat Bremerhavens Kreisvorsitzender Axel Zielinski. „Ich denke, dass das die richtige Entscheidung ist. Uns läuft ja mittlerweile die Zeit weg. Das kriegt man irgendwann nicht mehr aufgefangen, das ist das Problem“, sagt Zielinski. Der Wunsch der Vereine, Planungssicherheit zu haben, sei verständlich. Wobei es die in Bezug auf die Saison 2020/2021 auch nicht gebe: „Wann es wieder losgehen kann, weiß ja auch keiner.“

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