Cornelia Rönnefahrt (links) und ihr Team von der Sonnenblume kümmern sich auch in Corona-Zeiten um die Kinder im Stadtteil Leherheide.

Cornelia Rönnefahrt (links) und ihr Team von der Sonnenblume kümmern sich auch in Corona-Zeiten um die Kinder im Stadtteil Leherheide.

Foto: privat

Cornelia Rönnefahrt (links) und ihr Team von der Sonnenblume kümmern sich auch in Corona-Zeiten um die Kinder im Stadtteil Leherheide.

Heute

Buch über die Coronazeit in der Leherheider Sonnenblume

„Corona ist doof“ – darin sind sich die Leherheider Kinder einig. Zum Glück haben sie einen Anlaufpunkt: die Kinderwohnung Sonnenblume. „Auch wenn wir einige Veranstaltungen absagen mussten, halten wir unsere Angebote aufrecht“, sagt Vereinsvorsitzende Cornelia Rönnefahrt. Und doch sei es eine schwierige Zeit für die Kinder und das Betreuerteam, wohl die schwerste in der elfjährigen Geschichte des Vereins.

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„Wir sind ein Projekt für die Kinder in Leherheide. Und das ist gerade jetzt so wichtig wie nie“, sagt Rönnefahrt. Das Ziel der Sonnenblume: den Kindern etwas Normalität in der Corona-Krise zu geben. Willkommen ist hier jeder im Alter von 6 bis 15 Jahren, auch aus anderen Stadtteilen.

Ihre bisherigen Erlebnisse und die Stimmung der Kinder hat sie jetzt in einem Buch aufgearbeitet: „Corona, die Sonnenblume und wir“ lautet der Titel des Werks, das kurz vor dem Druck steht. Es ist bereits das zweite Buch von der Sonnenblume: „Im ersten, das im vergangenen Jahr mit Unterstützung der Weser-Elbe Sparkasse erschienen ist, haben wir unsere Feriengeschichten geschildert. Doch das ist in diesem Jahr nicht möglich“, sagt Rönnefahrt. Ebenso wenig wie es eine Weihnachtsfeier für die vielen Spender gibt. „Trotzdem wollen wir uns aber bei allen bedanken und zeigen, was wir dieses Jahr gemacht haben“, erläutert Rönnefahrt. Und das geschehe nun mit diesem Buch.

Ferienplanung abgesagt

Es lässt die Geschehnisse seit Januar noch einmal Revue passieren, angereichert mit vielen Originaltönen der Kinder sowie mit selbstgemalten Bildern. Denn noch im Februar entstand die Planung für die Oster- und Sommerferien: Osterparty, Kinderfest, Muttertags-Flohmarkt, Schwimmbad, Lesenacht, sieben Tage Hameln, Showtanz und noch einiges mehr. Alles schien normal. „Kam alles anders. Corona hat die ganze Welt erreicht und auch Bremerhaven“, schreibt Rönnefahrt in dem Buch. Und auch die Sonnenblume musste schließen.

Wie war das für die Kinder? Rönnefahrt zitiert in ihrem Buch: „Für uns Kinder war es richtig schrecklich, die ganze Ferienplanung musste abgesagt werden, wir mussten zu Hause bleiben, durften nicht mit unseren Freunden spielen, nicht in die Schule gehen, war ja erst richtig gut, aber es wurde immer langweiliger.“

Trotzdem habe die Sonnenblume den Betrieb nicht ganz eingestellt, betont die Vereinsvorsitzende.

Häufig Streit

Man habe die Zeit für Vorbereitungen und Aufräumen genutzt – und auch den Kontakt zu den Kindern nicht abreißen lassen: „Wir haben sie regelmäßig angerufen, und auch sie konnten uns jederzeit erreichen“, sagt Rönnefahrt. Und zu Ostern gab es kleine Tütchen mit Süßigkeiten zum Abholen.

Das Ganze habe etwas geholfen, sagt Rönnefahrt. Doch die Freude sei riesig gewesen, als die Sonnenblume am 1. Juni wieder öffnen durfte – wenn auch unter ungewohnten Bedingungen: mit Abstand, Maske und Desinfektionsmittel. Doch das war besser als die Zeit ohne Sonnenblume. „Viele haben mir erzählt, wie langweilig es war und dass es auch zu Hause öfter Streit gegeben habe. Und auch, welche Probleme sie mit den Masken haben“, erzählt Rönnefahrt. Viele dieser Erzählungen finden sich in dem Buch.

Studentin lernt mit Kindern

Große Veranstaltungen und Fahrten konnten zwar nicht angeboten werden, dafür aber alles andere in der Kinderwohnung und draußen. Derzeit sind es wieder 35 bis 40 Kinder, die von einem Team von sieben Ehrenamtlichen betreut werden. „Ohne dieses tolle Team wäre das alles nicht möglich“, sagt Rönnefahrt. Es gibt Spiele, gemeinsames Essen und auch Hausaufgabenhilfe. Bildung sei ein wichtiger Punkt, sagt Rönnefahrt.

Für mehrere Monate lernt jetzt eine junge Studentin mit den Kindern. „Sie bekommt dafür eine kleine Aufwandsentschädigung von 200 Euro im Monat. 3000 Euro hat das Möbelhaus Ikea dafür gespendet“, sagt die Vereinsvorsitzende erfreut. Sie ist dankbar für die vielen Sponsoren, die die Sonnenblume immer noch unterstützen. Wie beispielsweise auch die Lebensmittelkette Kaufland. „Die haben uns ein Wunschbüchlein gegeben, aus dem sich die Kinder zu Weihnachten etwas aussuchen durften. Das war auch eine Unterstützung von mehr als 1000 Euro“, berichtet Rönnefahrt.

Nikolaus und Weihnachten soll es auch dieses Jahr in der Sonnenblume geben. Draußen steht bereits der bunt geschmückte Weihnachtsbaum – ein Hingucker. Nur eine große Feier gibt es nicht, dafür wird aber in Kleingruppen gefeiert. Und was ist der persönliche Weihnachtswunsch von Rönnefahrt? „Ich wünsche mir eines: dass wir spätestens im Sommer 2021 wieder alle Angebote haben – inklusive unserer Ferienfahrten.“

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