Rund 1,7 Kilometer ist die Kaje des Containerterminals in Wilhelmshaven lang. Weitere 1,8 Kilometer Kaje sollen im Norden entstehen plus entsprechender Terminalfläche.

Rund 1,7 Kilometer ist die Kaje des Containerterminals in Wilhelmshaven lang. Weitere 1,8 Kilometer Kaje sollen im Norden entstehen plus entsprechender Terminalfläche.

Foto: Scheer

Rund 1,7 Kilometer ist die Kaje des Containerterminals in Wilhelmshaven lang. Weitere 1,8 Kilometer Kaje sollen im Norden entstehen plus entsprechender Terminalfläche.

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Der Tiefwasserhafen in Wilhelmshaven soll wachsen

Die zweite Ausbaustufe des Jade-Weser-Ports ist notwendig und wird kommen. Davon ist das Land Niedersachsen überzeugt. Der Containerterminal werde mittelfristig von einem weiteren Trend zu größeren Containerschiffen, sogenannten Ultra Large Container Vessels, profitieren, heißt es im neuen Perspektivpapier „Der Hafen Niedersachsen 2025“.

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Herausgeber ist das Niedersächsische Wirtschaftsministerium. Ziel des Papiers sei es, die mittelfristigen strategischen Ausrichtungen der niedersächsischen Seehäfen und die künftigen Schwerpunkte der Hafenpolitik Niedersachsens festzulegen, erläutert Wirtschaftsminister Dr. Bernd Althusmann (CDU): „Mir ist es sehr wichtig, eine langfristige und vorausschauende Hafenpolitik zu betreiben und mit Blick auf die aktuellen Entwicklungen sowie zukünftigen Herausforderungen allen Beteiligten in den Häfen mit dem neuen Perspektivpapier Orientierung und Planungssicherheit zu geben.“

Zwei positive Studien

Bereits 2015 hatte es eine Machbarkeitsstudie gegeben. Diese empfahl die Schaffung eines zweiten, eigenständigen Containerterminals in Richtung Norden. Gebaut werden sollte eine 1,8 Kilometer lange Kaje mit einer um zehn Grad abgeknickten Kajenführung bei einer Terminaltiefe von 620 Meter. „Die in 2019 durchgeführte Wettbewerbs- und Marktuntersuchung im Zusammenhang mit der Planung eines zweiten Tiefwasserhafens in Wilhelmshaven hat gezeigt, dass der Bau eines zweiten Containerterminals weiterhin wirtschaftlich machbar und sinnvoll ist“, heißt es im Perspektivpapier.

Grundlage für diese Einschätzung ist der prognostizierte langfristige Bedarf für weitere Terminalkapazitäten in der sogenannten Nordrange, die die Häfen von Antwerpen bis Hamburg umfasst. So schätzt das Institut für Seeverkehrswirtschaft und Logistik (ISL) ein Wachstum des Containerverkehrs bis 2025 auf rund 55 Millionen Standardcontainer (TEU) und bis 2035 auf 74 Millionen TEU. Zudem lasse die Prognose der Schiffsgrößenentwicklung erwarten, dass bis 2025 bereits erste Einheiten mit 24.000 TEU in Fahrt sein könnten, heißt es im Perspektivverkehr: „Aufgrund des Kaskadeneffekts könnten bis 2035 bereits etwa 80 Prozent der eingesetzten Schiffe im Ostasienverkehr mindestens eine Länge von 400 Meter und eine Breite von 60 Meter erreichen.“

Das ist eine Chance für Wilhelmshaven, der Hafen biete „ideale nautische Bedingungen für die neueste Generation von Containerschiffen“: Derzeit können tideunabhängig Schiffe von bis zu 430 Meter Länge und 60 Meter Breite mit 16,50 Meter Tiefgang ein- und auslaufen. Das sei ein „Alleinstellungsmerkmal unter den deutschen Nordseehäfen“.

„Elb- und Weservertiefungen kein Widerspruch“

Doch was ist mit den Vertiefungen an der Elbe und der Außenweser? Darin sieht das Perspektivpapier kein Hindernis: Trotzdem würden „Containerschiffe der neuesten Generation mit einem Tiefgang von über 16 Metern die Häfen in Hamburg und Bremerhaven nicht vollbeladen anlaufen können“.

Bisher ist Wilhelmshaven jedoch weit entfernt von hohen Zuwächsen. 639.084 TEU wurden 2019 an der 1,7 Kilometer langen Kaje und dem 1,3 Millionen Quadratmeter großen Terminal, der von Eurogate betrieben wird, umgeschlagen – nach den zweistelligen Wachstumsraten von 2016 bis 2018 ein Rückgang von 2,5 Prozent, wie Althusmann im April in einem Interview mit dem „Weserkurier“ zugeben musste. Und auch dieses Jahr lief es nicht besser. Im Gegenteil: Die Corona-Krise hat auch den Umschlag in Wilhelmshaven getroffen. Zu den angestrebten zwei Millionen TEU bei Vollauslastung fehlt da noch einiges. „Wir hinken noch etwas hinterher“, meinte Althusmann.

Schon heute an morgen denken

Trotzdem ist der Minister zuversichtlich und plädiert auch für ein Festhalten an der zweiten Ausbaustufe: „Wir müssen schon heute darüber nachdenken und mit den Planungen beginnen. Nur so sind wir rechtzeitig gerüstet, wenn die Weltkonjunktur wieder anzieht“, sagte er in dem Interview.

Und auch das jetzt vorgelegte Perspektivpapier empfiehlt, die eingeleitete Planung in Verbindung mit einer regelmäßigen Marktbeobachtung fortzusetzen, sodass eine Inbetriebnahme der zweiten Ausbaustufe zum marktseitig geforderten Zeitpunkt möglich sei. Immerhin seien die Planungs- und Genehmigungszeiträume lang: etwa zehn bis 15 Jahre. Man müsse rechtzeitig beginnen, „um insbesondere bei einem anziehenden Markt oder einem stärker steigenden Ladungsaufkommen in Wilhelmshaven rechtzeitig Vorbereitungen für einen Ausbau treffen zu können. Denn eventuell in der Vorbereitung verlorene Zeit dürfte innerhalb eines förmlichen Verfahrens schwer aufzuholen sein“.

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Landesregierung will in Planung investieren

Die Landesregierung will in die Planung der zweiten Ausbaustufe investieren – für die Zukunft von Deutschlands einzigem Container-Tiefwasserhafen, wie sie betont. „Ziel der Landesregierung bleibt es, den Tiefwasserhafen Wilhelmshaven als dritten großen deutschen Containerhafen voranzutreiben“, heißt es im Perspektivpapier. Dazu gehört auch ein Ausbau der Hinterlandverbindungen, insbesondere der Bahn.

Einer geforderten Kooperation der norddeutschen Häfen insbesondere im Containerbereich steht Niedersachsen nach eigenen Angaben positiv gegenüber. Das strebe man an, „um gemeinsame Interessen gegenüber einem zunehmend konzentrierten und globalisierten Markt durchsetzen zu können und damit die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Seehäfen auch auf lange Sicht zu erhalten und auszubauen“, wird im Perspektivpapier betont.

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