Dürfen sich Anthony Canty (Mitte) und die Eisbären bald wieder auf Erstliga-Duelle gegen Clubs wie Rasta Vechta freuen?

Dürfen sich Anthony Canty (Mitte) und die Eisbären bald wieder auf Erstliga-Duelle gegen Clubs wie Rasta Vechta freuen?

Foto: Lothar Scheschonka

Dürfen sich Anthony Canty (Mitte) und die Eisbären bald wieder auf Erstliga-Duelle gegen Clubs wie Rasta Vechta freuen?

Heute

Die Eisbären bewerben sich um eine Erstliga-Lizenz

Die Eisbären Bremerhaven nehmen den Wiederaufstieg in die Basketball-Bundesliga (BBL) in Angriff. Der langjährige Erstligist hat sich durch den zweiten Tabellenplatz in der Zweiten Liga ProA das sportliche Aufstiegsrecht gesichert und will nun auch den dafür erforderlichen Lizenzantrag stellen. „Wir werden unsere Hausaufgaben machen und mit dem Geld, das wir zur Verfügung hätten, eine Lizenz beantragen“, sagt Wolfgang Grube. Der Eisbären-Gesellschafter erwartet aber auch Unterstützung von der Stadt, um die wirtschaftliche Basis für die BBL-Rückkehr legen zu können.

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Heute läuft für die 17 BBL-Clubs und die beiden sportlichen Aufsteiger Niners Chemnitz sowie die Eisbären die Frist aus, ihre Unterlagen beim Gutachterausschuss einzureichen. Die Kölner BBL-Zentrale hat bereits mitgeteilt, dass „es zum vorgesehenen Stichtag aufgrund der ungewissen Planungsmöglichkeiten kein reguläres Lizenzierungsverfahren geben wird“. Damit sind die Verwerfungen gemeint, die durch die Corona-Krise ausgelöst wurden. Während die ProA ihre Saison bereits vor Wochen vorzeitig abgebrochen hat, glimmt bei den Erstligisten noch ein Fünkchen Hoffnung, den Spielbetrieb im Mai fortsetzen zu können. Doch das ist nicht nur wegen den pandemiebedingten Einschränkungen fraglich, sondern auch mit Blick auf die finanzielle Situation zahlreicher BBL-Clubs. Einige Erstligisten sind wegen fehlender Einnahmen aus bis zu sechs Hauptrunden-Heimspielen wirtschaftlich in schwere See geraten.

Aus diesem Grund hat die BBL ihre bisherigen Standards ausgesetzt und will bis zum 30. Juni neue Lizenzierungsrichtlinien erarbeiten. Für die Clubs bedeutet das, dass der Mindestetat in Höhe von drei Millionen Euro in der Corona-Krise wohl ebenso wenig zu halten sein wird wie das positive Eigenkapital von 250000 Euro – an dieser Auflage waren die Eisbären vor einem Jahr im Lizenzierungsverfahren gescheitert. Auswirkungen hatte der Lizenzentzug damals nicht, weil auch sportlich der Klassenerhalt verfehlt wurde.

50:50-Chance

„Der Ernst der Lage ist bei der BBL angekommen“, begrüßt Nils Ruttmann das Aussetzen der Standards. Der Eisbären-Geschäftsführer, der auch einen Lizenzantrag für die ProA gestellt hat, hält es wie seine Kollegen für unmöglich, zum jetzigen Zeitpunkt eine solide Finanzplanung für die kommende Saison vorzulegen: „Wir wissen doch alle nicht, wie lange die Krise noch dauern wird.“ Daher sei es der richtige Schritt, dass die BBL „deutlich vom Kontrollprozess abgerückt ist“ – die Sorge, das zahlreiche Clubs die Corona-Krise nicht überleben werden, scheint in Köln groß zu sein. Ruttmann möchte nicht darüber spekulieren, in welche Richtung sich die wesentlichen Faktoren Mindestetat und Eigenkapital bewegen könnten. Es ergebe für ihn jedoch keinen Sinn, einigen Bewerbern Ende Juni die Tür vor der Nase zuzuschlagen, die man gerade erst geöffnet habe - die Clubs müssten schließlich Planungssicherheit haben.

Was die Aussichten der Eisbären betrifft, von der BBL grünes Licht für den Wiederaufstieg zu bekommen, gibt sich Ruttmann zuversichtlich. „Ich sehe unsere Chancen bei 50:50. Aufgrund der Zahlen der letzten Monate, die wir vorlegen konnten, sieht man, dass wir solide gewirtschaftet haben. Unsere finanzielle Lage hat sich verbessert. Ich glaube, dass der Gutachterausschuss den Konsolidierungskurs honorieren wird“, weist der Geschäftsführer auf abgebaute Altlasten hin. Allerdings fehle den Eisbären wegen des abrupten Saisonendes –- wie vielen anderen Clubs – zurzeit Liquidität. Deshalb sind alle Mitarbeiter aus dem Büro und die Trainer in Kurzarbeit gegangen – auch Coach und Sportdirektor Michael Mai.

Auf höhere Zuwendungen aus der Leistungsvereinbarung mit der „Erlebnis Bremerhaven“, die mit den Eisbären und den Fischtown Pinguins wegen ihres Werbewerts für die Seestadt Sportmarketingverträge geschlossen hat, pocht derweil Wolfgang Grube. „Wir stellen uns eine Gleichbehandlung mit Eishockey vor“, sagt der Eisbären-Gesellschafter, der in dieser Frage Kontakt mit Vertretern der Stadt aufgenommen hat. Nach dem Abstieg in die ProA sind den Eisbären die Mittel von der „Erlebnis Bremerhaven“ von 466000 auf 320000 Euro gekürzt worden. Die Pinguins hatten für die Saison in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) zuletzt 585000 Euro erhalten. „Wir sind jetzt auch wieder erstklassig, unser Werbewert ist erheblich gestiegen“, will Grube ein größeres Stück vom Kuchen.

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