Ingrid Gorbunov, Jana Heil und Julienne Kebernik (von links) freuen sich, beim analogen Lernen zusammen sein zu dürfen.

Ingrid Gorbunov, Jana Heil und Julienne Kebernik (von links) freuen sich, beim analogen Lernen zusammen sein zu dürfen.

Foto: Lammers

Ingrid Gorbunov, Jana Heil und Julienne Kebernik (von links) freuen sich, beim analogen Lernen zusammen sein zu dürfen.

Heute

Die Freude über den Unterricht mit Anwesenheit

Trotz Distanz sind sie sich nah. Denn Julienne, Ingrid und Jana dürfen heute gemeinsam zeichnen, schneidern, sich Tipps geben. Miteinander lachen. Der selten gewordene Präsenz-Unterricht ist für die Schülerinnen der Berufsfachschule Mode und Design wie Urlaub – vom Online-Lernen. Der pandemiebedingte Distanz-Unterricht hat sie auch gelehrt, welchen Stellenwert die analoge Gemeinschaft hat.

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Probleme mit den Eltern, die heimliche Liebe: Themen, die Schüler normalerweise wie die Büchertasche und das Pausenbrot mit in die Schule tragen. Dort warten dann für gewöhnlich die Ohren von Vertrauten. Geben dem Kummer Raum, in den Pausen, auf dem Schulweg. Gemeinsam lachen, lästern, lebendig sein sind Dinge, die für junge Menschen nicht weniger wichtig sind, als Mathematik- oder Politik-Unterricht. Auf die sie aber während der Pandemie weitgehend verzichten müssen.

„Der Kontakt fehlt mir“

Stattdessen gilt es meistens, zu Hause online zu lernen. Julienne Kebernik (18), Ingrid Gorbunov (18) und Jana Heil (17) hatten bislang wenig Gelegenheit, sich und ihre Mitschüler überhaupt in der analogen Welt kennenzulernen. Sie sind erst im vergangenen Sommer in dem Bereich Mode und Design an der Berufsbildenden Schule Sophie Scholl gestartet. Dennoch: „Der Kontakt zu den anderen fehlt mir“, sagt Julienne. Ingrid nickt zustimmend. Umso mehr genießen sie den heutigen Fachunterricht in der Präsenz-Variante. Der findet im Wechsel mit anderen Kleingruppen statt. Alle 14 Tage.

Pandemie im Online-Meeting

Schnelltest, Abstand, Masken – all das gehört heute dazu. Aber auch die persönliche Anwesenheit ihrer Lehrerin Kirsten Meyerhoff, nicht wie sonst während der Pandemie lediglich im Online-Meeting. Sie greift ein, wenn etwas hakt beim Zuschneiden, Stecken oder Nähen. In das Rattern der Nähmaschinen mischt sich immer wieder gemeinsames Lachen. „Ich freue mich schon jetzt so sehr darauf, wenn es wieder jeden Tag so ist“, sagt Julienne. Schulische Normalität als kostbarer Schatz. Hätten die Schülerinnen das vor 16 Monaten für möglich gehalten? „Zu Beginn des Lockdowns fand ich die Vorstellung, erstmal nicht in die Schule zu müssen, verlockend. Aber das war schnell vorbei“, erinnert sich Jana.

Dass Schule im Distanz-Unterricht Herausforderungen hat, gilt für die Schüler des Fachgangs Mode und Design im besonderen Maße: Arbeitsanleitungen bekommen sie auf ihre seit November vom Land zur Verfügung gestellten iPads. Bis dahin haben sich in einigen Familien mehrere Kinder einen Computer teilen müssen, oder auf dem Smartphone gearbeitet, berichtet Meyerhoff. Auch der Platz für’s ungestörte Arbeiten sei vielfach eine heikle Angelegenheit.

Die für die Heimarbeit erforderlichen Nähmaschinen stellte die Schule zwar bei Bedarf, doch praktische Hilfestellungen beim Nähen muss Meyerhoff ihren Schülern größtenteils online zuteilwerden lassen. Zum Beispiel bei einem Nachhaltigkeitsprojekt: „Wenn die Schüler nicht weiterwussten, haben sie mir die entsprechende Stelle des Nähteiles vor die Kamera gehalten“, erzählt Meyerhoff.

Selbst gestaltete Hoodies

Stolz zeigen Jana, Ingrid und Julienne ihrer Lehrerin heute ihre selbst gestalteten Hoodies und Sweatshirts höchstpersönlich. Ingrid hat einen beigefarbenen Hoodie mit Tiger-Design-Elementen geadelt, Jana aus zwei verschieden-farbigen Sweatshirts eines kreiert, das unübersehbar ihre Liebe zu Disneys Micky Mouse dokumentiert. „Aus Alt mach Neu“ lautete bei diesem Projekt das Motto. Dabei war Alt eigentlich Neu, denn: „Eine ehemalige Schülerin hat der Schule knapp 20 Kartons mit neuen Hoodies und Sweatshirts gespendet, die aufgrund von Fehlabmessungen eigentlich entsorgt werden sollten“, berichtet Meyerhoff.

Im Video-Chat tauschen sich Schüler und Lehrerin über Skizzen und Umsetzung aus. Täglich um acht Uhr kommen alle online zusammen, um Arbeitsanleitungen zu besprechen. Dann müssen die Schüler sich selber organisieren und motivieren. Damit sie am Ende des Tages ebenfalls online ihre Ergebnisse vorlegen können. Ohne, dass ihnen die Lehrerin leibhaftig zur Seite steht. Der Distanz-Unterricht ist auch eine Lektion in Sachen Selbstdisziplin.

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