Die beiden Hagener Oberliga-Fußballer Erik Köhler (links) und Fabio Hausmann haben es auch an der Konsole drauf.

Die beiden Hagener Oberliga-Fußballer Erik Köhler (links) und Fabio Hausmann haben es auch an der Konsole drauf.

Foto: Berndt

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Duo des FC Hagen/Uthlede glänzt an der Playstation

Im richtigen Leben gehört der FC Hagen/Uthlede dem Kreis der Abstiegskandidaten an, die um den den Klassenerhalt in der Fußball-Oberliga Niedersachsen kämpfen müssen. Doch an der Playstation macht dem Team von der Blumenstraße kaum jemand etwas vor. Die Hagener Spieler Fabio Hausmann und Erik Köhler sind glänzend in die eFootball-Oberliga gestartet, die der Niedersächsische Fußball-Verband (NFV) zur Überbrückung der Spielpause in Folge der Corona-Pandemie ins Leben gerufen hat.

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„Ich finde die Idee richtig, damit die Zuschauer, die sonst zum Amateurfußball kommen, wenigstens etwas haben. Es ist eine kleine Entschädigung. Und es macht natürlich mega Spaß“, freut sich Köhler, dass er die Hagener Farben an der Konsole gegen Kontrahenten der 17 anderen Oberligisten vertreten darf. Gezockt wird online das Spiel „Fifa 2020“, jeder Spieler tritt im Eins-gegen-eins-Modus in einem Match von zweimal sechs Minuten an. Aus der Summe der beiden Einzelspiele ergibt sich das Spieltagsergebnis. Und die können sich beim FC-Duo sehen lassen – an den ersten fünf Spieltagen gab es vier Siege und ein Unentschieden. „Ich hoffe, dass wir am Ende unter den Top-3 landen“, sagt Köhler, der außerhalb der virtuellen Realität Stürmer ist und im Winter ein Studium der Sportwissenschaft in Oldenburg aufnehmen will.

Es ist keineswegs so, dass sich die Spieler von Trainer Carsten Werde darum gerissen haben, für ihren Verein an der Playstation anzutreten. Hausmann schätzt die Zahl der Konsolen-Freaks als überschaubar ein und erklärt, wie er es ins Team geschafft hat: „Es hat sich herumgesprochen, dass ich ganz gut spielen kann.“ Gemeinsam mit Simon Friese hat der 20-jährige Sportmanagement-Student vor anderthalb Jahren beim ersten NFV-E-Soccer-Cup in Barsinghausen den vierten Platz belegt. Ein Playstation-Junkie sei er aber nicht, stellt Hausmann klar: „Bevor die eFootball-Oberliga gestartet ist, habe ich zwei Monate gar nicht gespielt.“

Wer ist der Bessere?

Ergebnisse

Das eFootball-Team des FC Hagen/Uthlede ist hervorragend in der Oberliga-Saison gestartet. Die Playstation-Cracks Fabio Hausmann und Erik Köhler holten Siege gegen Lupo-Martini Wolfsburg (7:3), den TuS Bersenbrück (10:1), den SC Spelle-Venhaus (6:2), den TuS Heeslingen (9:5), Eintracht Celle (6:3) und Borussia Hildesheim (8:2). Von Atlas Delmenhorst trennte man sich 6:6. Nur gegen Eintracht Northeim gab es bisher eine Niederlage (2:6).

Neben Hausmann und Köhler kam auch Ersatzmann Kubilay Denkgelen schon einmal zum Einsatz an der Spielkonsole. Denkgelen tritt unter dem Namen „Strohhutace98“ an.

Und wer ist der Bessere der beiden Zocker? Obwohl die Bilanz eher für Köhler zu sprechen scheint, reklamiert Hausmann den Zuschlag für sich. „Bei unseren Aufwärmspielen gewinne ich zu 70 Prozent, zu 30 Prozent Erik. Wir haben uns darauf eingestellt, dass der zweite Spieler immer der bessere ist – und gegen den trete ich an. Ich denke aber, dass Erik und ich ungefähr gleich gut sind“, erzählt der Mittelfeldspieler, der sich beim 6:6 gegen Atlas Delmenhorst sogar mit der Nummer 172 der Weltrangliste messen musste. Nur leichte Widerrede kommt von Köhler: „Mit den 70 Prozent irrt sich Fabio, aber man kann schon sagen, dass er der bessere Spieler ist, weil er auch öfter spielt. Drei Klassen besser ist er jetzt aber auch nicht.“

Fantasie hat das Hagener Duo bei der Namensfindung entwickelt. So tritt Hausmann als „Kasallabio“ an: „Das kommt von Thorsten Legats Spruch: Kasalla, Kasalla. Den habe ich mit meinem Namen verbunden.“ Köhler nennt sich dagegen „ChefcurryX30X“ und bringt damit seine Vorliebe für den Basketball-Star Stephen Curry von den Golden State Warriors zum Ausdruck. „Es gibt halt Millionen von Spielern, da kann man keine normalen Namen nehmen“, findet Köhler. Das sehen nicht alle Gegner so – Hausmann und Köhler haben sich auch schon mit „Flo_1989“ und „Hugo-1899“ am Controller gemessen.

Kein Ersatz für richtigen Fußball

Ob es in dieser Saison noch einmal von der Konsole zurück auf den Platz gehen wird, sehen die Hagener skeptisch. „Ich schätze mal, dass die Saison vorbei ist“, meint Hausmann, der in jedem Fall schwierige Entscheidungen auf den NFV zukommen sieht: „Wer darf aufsteigen, wer muss absteigen? Wir stehen zurzeit zwar über dem Strich, haben aber auch drei Spiele mehr gemacht als andere. Das muss ja alles fair bleiben.“

Auch Köhler rechnet nicht mit einer baldigen Rückkehr aufs Feld, hält sich aber wie alle FC-Kicker für den Ernstfall in Form: „Wenn es weitergehen kann, wird es sofort ohne große Pause weitergehen. Deshalb muss man auf der Stelle fit sein.“ Werde habe für die erste Woche nach der Saisonunterbrechung noch einen Trainingsplan an seine Mannschaft verteilt, setze inzwischen aber auf die Eigenverantwortung seiner Kicker.

Obwohl Hausmann und Köhler dafür sind, dass aus der eFootball-Oberliga auch nach der Corona-Krise eine feste Einrichtung wird, gibt es ihrer Meinung nach keinen Ersatz für richtigen Fußball – und auch nicht für das Drumherum. „Es ist natürlich nicht die gleiche Spannung, wenn man gegen Delmenhorst spielt, wo man sonst vor 1000 Zuschauern spielt. Das ist was ganz anderes, nur zu Hause vor der Konsole zu sitzen“, betont Hausmann.

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