Klavs Krastins (links) hat an einem EU-Projekt der Eisbären teilgenommen, das Geschäftsführer Nils Ruttmann angeleiert hat.

Klavs Krastins (links) hat an einem EU-Projekt der Eisbären teilgenommen, das Geschäftsführer Nils Ruttmann angeleiert hat.

Foto: NZ

Klavs Krastins (links) hat an einem EU-Projekt der Eisbären teilgenommen, das Geschäftsführer Nils Ruttmann angeleiert hat.

Heute

Ein Eisbär mit starkem Willen

An seinen Start in Bremerhaven vor dreieinhalb Jahren denkt Klavs Krastins nicht gerne zurück. „Die ersten Monate haben sich ein bisschen sinnlos angefühlt“, erzählt der lettische Basketballer, den das EU-Projekt „Dual European Careers of Athletes“ (DECA) zu den Eisbären Bremerhaven geführt hat. Nach Abschluss des Projekts, das jungen Spitzensportlern eine Ausbildung ermöglichen sollte, denkt der 23-Jährige deutlich positiver - auch wenn er auf den Durchbruch als Profi weiter warten muss: „Ich habe viel gelernt und mich weiterentwickelt.“

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Gemeinsam mit den spanischen Basketballern Arnau Triginer, Alberto Artiles und Aleix Pujadas ist Krastins im Jahr 2016 in die Seestadt gezogen - ohne ein Wort Deutsch zu sprechen. „Meine Mutter hatte davon gehört, dass in Riga ein Probetraining angeboten wurde, um Spieler zu finden, die Basketball mit einer Ausbildung verbinden wollen“, erzählt das ehemalige Talent des lettischen Clubs BS Riga. Angeboten wurde das Probetraining von den Eisbären, die den Zuschlag für das DECA-Projekt erhalten hatten, das sich aus Mitteln des Erasmus-Plus-Programms der EU zur Förderung von allgemeiner und beruflicher Bildung, Jugend und Sport speist. Ziel von DECA war es, angehende Profis beruflich ein zweites Standbein zu bieten - sei es durch eine Lehre oder ein Studium.

Hohe Sprachbarriere

Klavs Krastins vor dem ersten Training der Eisbären-Basketballer vor der Pro A-Serie.

Klavs Krastins vor dem ersten Training der Eisbären-Basketballer vor der Pro A-Serie.

Foto: Lothar Scheschonka

Das erwies sich in der Praxis jedoch als deutlich schwieriger, als es sich in den Brüsseler Projektbeschreibungen liest. Nils Ruttmann hatte große Probleme, Jobs für das Quartett zu besorgen. „Die Sprachbarriere war anfangs zu hoch. Außerdem lag der Fokus bei den Jungs darauf: Wir werden Profis. Doch wenn der Ausbildungsbetrieb nicht die Kapazitäten dafür schafft, ist das nicht unter einen Hut zu bringen“, erklärt der Eisbären-Geschäftsführer, der damals noch als Jugendkoordinator tätig war. Als Vorwurf an die Unternehmen sei das nicht gemeint - Mitarbeiter, die wegen Trainings und Punktspielen nicht regelmäßig zur Verfügung stehen, sind schwer vermittelbar. „Man muss transparent machen: Was sind unsere Ziele als Eisbären, was sind die Ziele des Arbeitgebers?“, weiß Ruttmann aus Erfahrung.

Während der Katalane Triginer als Sport- und Fitnesskaufmann bei den Eisbären anfangen konnte, kamen seine Mitspieler im Hotel- und Gaststättengewerbe unter. Nach einem Praktikum im Havenhostel unterschrieb Krastins zum 1. September 2017 einen Ausbildungsvertrag als Restaurantfachmann im „Pier 6“. Inhaber Steffen Heumann nahm sich des jungen Letten besonders an. „Steffen hat seinen Mitarbeitern verboten, Englisch mit Klavs zu sprechen. Das hat seine Deutschkenntnisse maximal verbessert“, sagt Ruttmann. Auch Krastins‘ Dienstplan wurde an die sportlichen Erfordernisse angepasst. Dennoch war die Belastung so groß, dass der 23-Jährige die Lehre nach anderthalb Jahren abbrach: „Die Arbeit im Restaurant war nicht das, was ich machen wollte.“ Der Kontakt zum „Pier 6“ sei aber weiter gut, der Basketballer jobbt gelegentlich noch im Restaurant.

Erste Trainererfahrungen

Sein Ziel, „wieder etwas Richtung Sport zu machen“, hat der Balte umsetzen können. Als Trainer betreut er zwei U12-Mannschaften der Eisbären, zudem ein U12-Team der Eisbären-Partnerschule Carl von Ossietzky (CvO). „Am Anfang hatte ich keine Erfahrung als Trainer. Aber inwischen gebe ich zwei, drei Trainings am Tag. Ich glaube, ich kann den Kindern etwas beibringen“, erzählt Krastins in gutem Deutsch. Der Flügelspieler könnte sich sogar vorstellen, ein Studium der Erziehungswissenschaften zu beginnen: „Ich will aber nur etwas machen, wenn ich davon auch überzeugt bin. Deshalb überlege ich noch. Ich will mir ganz sicher sein.“ Diese Haltung zeichnet den Letten aus und ist wohl auch der Grund, warum er als einziger Eisbären-Korbjäger aus dem DECA-Projekt durchgehalten hat, findet Ruttmann: „Klavs sagt sehr klar, was ihm wichtig ist und was nicht funktioniert.“

Verletzung hat ihn ausgebremst

Von seinem Traum, eines Tages vom Basketball leben zu können, hat Krastins nicht abgelassen, obwohl er noch ohne Profi-Einsatz bei den Eisbären ist und vornehmlich für die BSG Bremerhaven in der 2. Regionalliga spielt. Dabei spielt auch Pech eine Rolle, denn Krastins, der in seiner eishockeyverrückten Heimat als Kind eigentlich dem Puck nachjagen wollte („In unserer Stadt gab es aber leider keine Eishalle“), zählte im Sommer zum Zweitliga-Kader von Trainer Michael Mai - bis ihn eine Verletzung stoppte. Trotzdem bereut Krastins es nicht, seine Zukunft in Deutschland gesucht zu haben. Ob Bremerhaven für ihn zur neuen Heimat geworden sei? „Langsam ja. Ich mag Bremerhaven“, sieht sich der 23-Jährige darin bestätigt, durchgehalten zu haben.

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