Dr. Jan Helge Kurschel hat gute Erfahrung mit Sprechstunden per Video-Chat gemacht.

Dr. Jan Helge Kurschel hat gute Erfahrung mit Sprechstunden per Video-Chat gemacht.

Foto: Heske

Dr. Jan Helge Kurschel hat gute Erfahrung mit Sprechstunden per Video-Chat gemacht.

Heute

Ein Hausbesuch per Internet

Wenn das eigene Wohn- zum Sprechzimmer wird, dann ist der Patient vermutlich in einer virtuellen Arzt-Praxis. Auge in Auge mit einem Mediziner, aber dennoch ganz und gar ohne die Gefahr, sich in einem realen Wartezimmer beispielsweise mit Corona zu infizieren. Dr. Jan Helge Kurschel gehört zu den Ärzten in Bremerhaven, die diesen Service anbieten.

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Fix den Code in die Tastatur getippt, die PC-Kamera angeschaltet und das Head-Set aufgesetzt. Kurze Zeit später erscheint das freundliche Gesicht von Hausarzt Kurschel auf dem Bildschirm. „Wie geht es Ihnen?“, will der Mediziner wissen. Auftakt einer Online-Sprechstunde. Sie hat mit der Corona-Pandemie Einzug in den Praxisalltag gefunden. In der Spadener Straße behandelten er und seine Frau Dr. Nina Kristin Kurschel ihre Patienten bis vor einigen Monaten nur mit deren körperlichen Präsenz vor Ort.

System funktioniert

Wie vermutlich das Gros ihrer Kollegen. „Dass die Möglichkeit von Video-Sprechstunden besteht, wussten wir schon länger. Ohne Corona hätten wir davon aber wahrscheinlich nicht so schnell Gebrauch gemacht“, sagt Kurschel. Clickdoc nennt sich das Programm, das er für die Videosprechstunden nutzt. „Im Prinzip kann man das mit jedem Praxis-System verwenden“, so Kurschel. Damit er und seine Patienten Online-Sprechstunden per Video-Chat abhalten können, nutzen sie einfach vorhandene Endgeräte wie Smartphones, Tablets oder Laptops – über einen normalen Internetanschluss und ohne zusätzliche Software.

„Natürlich ist der persönliche Kontakt schöner“, steht für Kurschel fest. „Aber gerade jetzt ermöglicht uns die Online-Sprechstunde die Möglichkeit, Leute, die eventuell an Corona erkrankt sind, zu erkennen, bevor sie im Wartezimmer vielleicht weitere Leute anstecken. Das schützt im Prinzip alle. Niemand schleppt etwas ein.“

Mit Code in die Sprechstunde

Ruft also ein Patient mit Atemwegsbeschwerden an, gehen die Praxismitarbeiter und der Anrufer eine spezielle Corona-Frageliste durch. „Stellt sich heraus, dass es sich nicht nur um eine bloße Erkältung handelt, sondern noch weitere Symptome wie Fieber hinzukommen oder dass jemand Vorerkrankungen hat, bekommt der Patient einen Code zugesendet“, erklärt Kurschel das Vorgehen.

Der Patient aktiviert diesen Code und befindet sich sodann im virtuellen Wartezimmer. Kurschel ruft ihn auf, die Online-Sprechstunde beginnt. „Im Video-Chat kann man schon eine ganze Menge über den gesundheitlichen Zustand des Patienten erfahren. Besteht der Verdacht, dass der Patient an Corona erkrankt sein könnte, bestellt der Hausarzt ihn zu den speziellen Abstrich-Terminen in seine Praxis. „In schlimmen Akutfällen schicken wir einen Rettungswagen zu dem Patienten.“

Junge Patienten

Aber auch unabhängig von der Klärung, ob jemand an Corona erkrankt ist, sieht Kurschel eine Menge Potenzial in der Online-Sprechstunde. „Laborbesprechungen beispielsweise kann man ganz hervorragend auch per Video-Chat anbieten“, zählt der 41-Jährige auf. Die Diagnostik bei Hauterkrankungen oder psychologischen Problemen könne ebenfalls über die Online-Sprechstunde möglich sein. „Nicht zu vergessen ist auch der Mobilitätsfaktor, zum Beispiel von Patienten, die auf dem Land wohnen. Für die kann die Online-Sprechstunde eine sehr gute Option darstellen.“

Aktuell nutzten die Online-Sprechstunde vor allem junge Leute im Alter bis rund 40 Jahren, hat der Mediziner beobachtet. Aber die machen aktuell immer häufiger von dem Angebot Gebrauch. Noch laufen die Online-Sprechstunden neben dem regulären Praxis-Betrieb. „Ich könnte mir aber vorstellen, dass wir künftig auch spezielle Zeiten dafür anbieten. Da müssen wir abwarten, wie sich die Akzeptanz durch die Patienten weiter entwickelt“, so Kurschel.

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