In Bremerhaven könnten die Waren mit Lastenfahrrädern verteilt werden, wie es bereits im Projekt „Lehe liefert“ geschieht, schlägt Michael Arzenheimer vor.

In Bremerhaven könnten die Waren mit Lastenfahrrädern verteilt werden, wie es bereits im Projekt „Lehe liefert“ geschieht, schlägt Michael Arzenheimer vor.

Foto: Melchers

In Bremerhaven könnten die Waren mit Lastenfahrrädern verteilt werden, wie es bereits im Projekt „Lehe liefert“ geschieht, schlägt Michael Arzenheimer vor.

Heute

Ein „Mini-Amazon“ für die Region

Online bestellen und die Ware liefern lassen – das ist das Prinzip der großen Händler wie Amazon. Dieses Prinzip will Michael Arzenheimer auf lokaler und regionaler Ebene umsetzen, um die Geschäfte vor Ort zu stärken. Arzenheimer ist Digitallotse für Bremerhaven.

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Der Onlinehandel stellt eine immer größer werdende Konkurrenz für den kleinen Einzelhandel vor Ort dar. In jüngster Zeit wird diese Tendenz durch die Corona-Pandemie und den damit verbundenen Lockdown noch verstärkt. „Die Strategie der großen Onlinehändler wie Amazon besteht darin, dass Städte in der Größe wie Bremerhaven keinen Einzelhandel mehr brauchen“, meint Arzenheimer.

Und der Konzern habe dazu die Ressourcen, die Macht und das Geld. Dazu reiche ein Blick auf die großen Verteilzentren in Achim, Bremen und auch in der Seestadt. „Auch das Argument Nachhaltigkeit nützt nicht mehr viel, denn Amazon setzt mittlerweile auf elektrische Fahrzeuge vor Ort“, meint Arzenheimer. Er hat es sich auf die Fahnen geschrieben, den kleinen Einzelhändlern vor Ort gegen die Internetkonkurrenz zu helfen.

Seit 2019 Digitallotse

Arzenheimer ist seit 2017 im Stadtmarketing von Bremerhaven tätig. Eigentlich kommt er aus dem Bankenwesen, hat sich aber 2006 mit einer Marketing- und Kommunikationsagentur selbstständig gemacht, deren Schwerpunkt die Konzeption und Erstellung von Websites war. Seit 2019 ist er im Projekt Digitallotse aktiv und sieht sich als digitaler „Kümmerer“, der dabei unterstützen kann, zeitgemäße digitale Strategien zu prüfen und deren Realisierung mit passenden Experten einzuleiten.

Michael Arzenheimer ist Digitallotse für Bremerhaven.

Michael Arzenheimer ist Digitallotse für Bremerhaven.

Foto: Lothar Scheschonka

Genau so will er auch bei seiner jetzigen Idee, die man als „kleines, regionales Amazon“ bezeichnen kann, vorgehen. Dabei kann er aber auf Erkenntnisse von anderen Projekten zugreifen. So beispielsweise auf die beiden Stadtteilprojekte in der City und in Lehe, bei der Waren von Einzelhändlern mit einem Lastenfahrrad geliefert werden. In Lehe ist es das Projekt „Lehe liefert“, das mit Mitteln aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung gefördert wird und bei dem unter anderem die Hochschule Bremerhaven dabei ist. Ähnlich läuft es auch in der City.

„Das Interesse bei den Einzelhändlern ist groß, zumindest, wie ich es für die Innenstadt beurteilen kann“, sagt Arzenheimer. So gebe es Geschäfte, die Waren im Schaufenster stehen hätten, die mit einer Bestellnummer versehen seien. „Dann können die Kunden bei einer Telefonnummer anrufen und bestellen. Die Waren werden dann geliefert“, erläutert der Digitallotse, der auch im Innenstadtkaufleute-Verein City Skipper tätig ist.

Online-Plattform als Grundlage

Auf dieses System will er aufbauen und kann sich das „regionale Amazon“ schon gut vorstellen. Grundlage ist eine Online-Plattform, auf der die Waren der Einzelhändler angeboten werden. Doch anders als bei den bisherigen Lösungen (siehe Artikel unten) können diese auch direkt hier bestellt werden und werden geliefert. „Es handelt sich also tatsächlich um mehr als eine Auflistung von teilnehmenden Geschäften, die angerufen werden können“, sagt Arzenheimer. Die entsprechende Seite müsste erstellt werden, oder aber man müsste sich bei einem Anbieter beteiligen.

Für die Lieferung setzt er auf ein kombiniertes Logistik-Konzept, an dem auch die Citipost und die Weser-Eilboten beteiligt sind. „Dabei greifen wir auf die bestehenden Lager der Logistikpartner zurück“, sagt Arzenheimer. In diesen sollen die fünf bis zehn am besten nachgefragten Produkte der Einzelhändler vorrätig sein. Das erspare den Auslieferern das Abholen in den Geschäften.

Kooperation mit Weser-Eilboten

„Im Stadtgebiet könnten auch weiterhin die Lastenräder zum Einsatz kommen“, meint der Digitallotse. Doch es gebe eben auch Kunden aus dem Landkreis bis hinunter nach Hagen und Beverstedt sowie im Norden bis Cuxhaven. „Bremerhaven ist schließlich das Oberzentrum“, betont Arzenheimer. Und hier könnten die Weser-Eilboten die Lieferung übernehmen.

Eines steht für Arzenheimer fest: „Das Konzept muss noch dieses Jahr umgesetzt werden“, nennt er sein Ziel. Deswegen führten er und seine Mitarbeiterin bereits Gespräche mit Einzelhändlern. Das Interesse sei da. Und auch Fördergelder werde es für die ersten Monate wohl geben, schätzt er. „Deswegen wäre das Angebot für die beteiligten Geschäfte zu Anfang auch kostenlos. Doch auf lange Sicht kostet es natürlich etwas“, sagt Arzenheimer. Das gelte auch für eine eventuell kommende Steuer für Onlinehändler, die derzeit in der Politik im Gespräch sei.

Um sein ehrgeiziges Vorhaben umzusetzen, sucht er noch Mitstreiter und Interessenten, die sich direkt bei ihm melden können.

Bestehende regionale Online-Plattformen

Derzeit gibt es zwei Online-Plattformen für Einzelhändler aus der Region: die Kundenplattformen der Handelskammer Bremen für Bremen und Bremerhaven sowie das Gutscheinportal „Heimatpräsent“ der NORDSEE-ZEITUNG.

Auf den Plattformen der Handelskammer können sich die Mitgliedsunternehmen mit Kontaktdaten kostenlos präsentieren. Denn trotz geschlossener Ladentüren seien zahlreiche Unternehmen telefonisch oder online weiterhin präsent, böten Beratung an und lieferten ihre Waren direkt zu ihren Kunden nach Hause, sagt Dr. Matthias Fonger, Hauptgeschäftsführer der Handelskammer Bremen: „Um ein vielfältiges Angebot an Händlern, Gastronomen und Dienstleistern in Bremen und Bremerhaven zu erhalten, geben wir auf unseren Online-Plattformen die Möglichkeit mittels Stadtkarten gezielt nach lokalen Angeboten zu suchen, bei denen die Kundinnen und Kunden nicht das Haus verlassen müssen.“ Für Bremerhaven ist die Initiative für die Plattform www.jetzt-kaufen-in-bremerhaven.de in Kooperation mit der NORDSEE-ZEITUNG entstanden und wird unterstützt vom Arbeitskreis der Werbe- und Interessengemeinschaften der Handelskammer Bremen und der Marketinginitiative Bremerhavener Quartiere (MBQ).

Um Einzelhandel und Gastronomie zu unterstützen, hat die NORDSEE-ZEITUNG gemeinsam mit starken Partnern in der Region Anfang des Jahres die Gutscheinplattform „Heimatpräsent“ etabliert. Kunden, die ihr Lieblingsgeschäft unterstützen möchten, können das sicher und bequem von zu Hause aus, indem sie einen Gutschein erwerben, den sie zu einem späteren Zeitpunkt einlösen. „Wenn diese Gutscheine über ,Heimatpräsent‘ verschenkt werden, bleibt das Geld in der Region. Sie werden dann in Bremerhaven und umzu eingelöst und nicht bei Amazon, Zalando und Co.“, sagt Lyndzay Mowatt von der NORDSEE-ZEITUNG.

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