Gabriele Sellerhoff, Inhaberin des Geschäfts „Der Bunte Laden“ in Langen, ist froh über das Online-Angebot „Heimatpräsent“, das Unternehmen und Kunden zusammenführt.

Gabriele Sellerhoff, Inhaberin des Geschäfts „Der Bunte Laden“ in Langen, ist froh über das Online-Angebot „Heimatpräsent“, das Unternehmen und Kunden zusammenführt.

Foto: Andreas Schoener

Heute

Heimatpräsent als „deutliches Zeichen der Solidarität“

Das Gutscheinportal „Heimatpräsent“ von NORDSEE-ZEITUNG, NORD|ERLESEN und Partnern kommt gut an. Nicht nur bei den Bürgern, sondern auch bei den Unternehmen – knapp 150 aus der Region sind schon angemeldet. Das digitale Angebot sorgt für Vernetzung. Und Hoffnung in schweren Zeiten. Eine Umfrage.

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Auf die Angebote vor Ort besinnen

Das Portal „Heimatpräsent“ von NORD|ERLESEN und NORDSEE-ZEITUNG ist für Gabriele Sellerhoff, Inhaberin des Geschäfts „Der bunte Laden“ im Lindenhof-Zentrum in Langen, eine sehr gute Idee. Und eine willkommene Möglichkeit, sich in der Region zu vernetzen und gegenseitig zu helfen. Außerdem sei es ein deutliches Zeichen der Solidarität. Da wasche eine Hand die andere. „Natürlich habe ich Existenzängste“, sagt die 59-Jährige mit Blick auf die Umsatzeinbrüche durch die Corona-Krise. In der momentanen Phase sei es für sie deshalb besonders wichtig, die fünf Mitarbeiter ihres Unternehmens im Blick zu behalten. „Nicht jeder ist in der Lage, einen Monat lang auf sein Geld zu verzichten“, sagt Sellerhoff. Da ihr Mann eine sichere Anstellung habe, werde sie deshalb auf ihr Gehalt verzichten, um auch davon das Gehalt ihrer Teilzeitkräfte zu bezahlen.

Da Gabriele Sellerhoff in ihrem „Bunten Laden“ gleichzeitig auch eine Poststelle betreibt, sei Kundenverkehr mit Sicherheitsabstand während der Öffnungszeiten (zurzeit montags bis freitags von 12 bis 16 Uhr) zwar vorhanden, „aber es fällt mir außerordentlich schwer, in diesen Zeiten beispielsweise Artikel rund um Ostern zu bewerben“. Für die Langener Unternehmerin ist es unerlässlich, dass die Leute zu Hause bleiben, um sich zu schützen. „Emotional reibt mich das Thema Corona-Krise enorm auf“, gesteht die 59-Jährige, „so etwas gab es bisher noch nicht. Der Feind ist klein und unsichtbar, wir können nicht weglaufen. Wir müssen alles tun, um die Ansteckungsgefahr so gering wie möglich zu halten.“

Strukturen erhalten

Auch Theresia Vollrath, Geschäftfsführerin des Sanitatshauses Höftmann in Bremerhaven, begrüßt das Gutscheinportal "Heimatpräsent".

Auch Theresia Vollrath, Geschäftfsführerin des Sanitatshauses Höftmann in Bremerhaven, begrüßt das Gutscheinportal "Heimatpräsent".

Foto: Andreas Schoener

„Ich finde es gut, dass die NORDSEE-ZEITUNG ein solches Portal auflegt“, sagt Theresia Vollrath, Geschäftsführerin des Sanitätshauses Höftmann in Bremerhaven, „das ist eine gute Unterstützung des heimischen Einzelhandels.“ Es gehe darum, dass wir die Strukturen des Einzelhandels vor Ort erhalten, sagt Vollrath und spricht unter anderem davon, „dass es immer mehr Ein-Euro-Shops gibt und Geschäfte für Smartphones“. Das Portal „Heimatpräsent“ trage dazu bei, sich auf das Angebot vor Ort zu besinnen, sagt Vollrath. Als medizinischer Dienstleister sei das Sanitätshaus Höftmann, fast 100 Jahre in der Bürgermeister-Smidt-Straße ansässig, nicht von der Schließung betroffen. „Patienten müssen nach wie vor mit Bandagen versorgt werden, und auch Toilettenstühle und Pflegebetten sind weiter gefragt.“ Davor mache auch das Coronavirus nicht halt. „Unser Wäsche- und Miederwaren-Geschäft ist durch die erlassenen Regelungen jedoch vollständig zum Erliegen gekommen“, sagt Vollrath. Auch vor diesem Hintergrund sei das Portal „Heimatpräsent“ eine gute Initiative.

Lob vom Oberbürgermeister

Positive Resonanz ebenso bei Bremerhavens Oberbürgermeister Melf Grantz (SPD): „Die lokalen Akteure des Einzelhandels und der Gastronomie sind natürlich durch die Kontaktsperre und die Schließung der Geschäfte hart betroffen. Neben der angelaufenen Hilfe des Bundes, der Länder, auch der Stadt Bremerhaven kann sich jeder an der Aktion ,Heimatpräsent‘ beteiligen. Ich finde es gut, wenn man seinen Buchhändler oder Weinhändler oder Textilhändler um die Ecke unterstützt und sich Gutscheine für die Zukunft ausstellen lässt und damit zeigt, ich stehe zu dir und sich darauf freut, wenn die Geschäfte wieder öffnen. Ich beteilige mich selbst an Heimatpräsent, klar.“

Auch Geestlands Bürgermeister Thorsten Krüger begrüßt die Initiative: „Wir müssen auch heute schon an die Zeit nach Corona denken, denn wir haben alle Belastungen zu tragen. Das gilt für die heimischen Unternehmen, das gilt auch für die Stadt Geestland. Vor diesem Hintergrund begrüße ich das Portal ,Heimatpräsent‘ sehr und hoffe, dass sich noch viele Firmen anschließen und viele Bürger entsprechende Gutscheine bestellen. Wir als Stadt Geestland werden beispielsweise bei unseren mehr als 70 Betrieben Geestland-Gutscheine kaufen, um sie an Senioren zu verschenken. Wir müssen Solidarität üben in diesen schweren Zeiten.“

Wege nutzen, um zu helfen

Landrat Kai-Uwe Bielefeld (parteilos): „Ich halte das Portal ,Heimatpräsent‘ für eine gute Idee. Es ist zumindest ein gangbarer Weg, die Betroffenen in dieser schwierigen Zeit einigermaßen zu unterstützen. Ich selbst nutze auch die Möglichkeit des Außer-Haus-Verkaufs bei meinem Lieblings-Italiener, um ihm zu helfen. Deshalb glaube ich, dass man alle zulässigen Wege nutzen sollte, damit bei Kaufleuten, Geschäften und Händlern ein wenig Geld in die Kasse gelangt.“

Thorsten Raschen, Fraktionsvorsitzender CDU in Bremerhaven, erklärt: „Eine tolle Sache, wir müssen sehen, dass wir alle, auch die regionale Wirtschaft, schützen. Ich appelliere an die Leute, jetzt nicht im Versandhandel zu kaufen, sondern zu warten und dann die Gutscheine regional einzulösen. Es gibt doch praktisch nichts, das man wirklich sofort haben muss. Ob man den Anzug jetzt oder irgendwann nach Ostern kauft. Man hat ja sicher auch noch zwei Anzüge zum Wechseln im Schrank.“

Staatsgelder reichen nicht

„Die Lage von Handel und Gastronomie ist ernst“, sagt Philipp Rademann, Leiter der IHK-Geschäftsstelle in Cuxhaven. Gerade an der touristisch geprägten Küste, wo sich die Geschäfte eigentlich nach der langen „Saure-Gurken-Zeit“ im Winter jetzt auf die Osterferien und den Beginn der Urlaubssaison eingestellt hatten. „Da fehlt das Geld. Die Betriebe brauchen kurzfristige Liquiditätskredite.“ Das könne man auch daran ablesen, dass der Server der N-Bank am Mittwoch nahezu zusammengebrochen sei, als die Soforthilfen des Landes für kleine Unternehmen beantragt werden konnten.

Ähnlich sieht man das bei der Handelskammer in Bremerhaven. Die Fördergelder des Staates fließen glücklicherweise schnell, aber sie werden nicht ausreichen, glaubt Frank Nowak, Geschäftsführer Einzelhandel. „Wenn das noch drei, vier Wochen dauert, werden wir einen erschreckenden Anteil an Insolvenzen erleben. Und das wird schmerzhafte Auswirkungen auf die Stadtteile haben“, fürchtet er. „Es kann nicht sein, dass Groß-Konzerne wie Amazon jetzt das Geschäft ihres Lebens machen. Wir müssen kurzfristig überlegen, wie wir wieder Nachfrage in den lokalen Einzelhandel bringen“, sagt sein Standortleiter Frank Thoss. Da brauche man pfiffige Lösungen.

Das ist Heimatpräsent

Heimatpräsent ist ein digitales Gutscheinheft zur Unterstützung der regionalen Geschäfte, Gastronomen und Dienstleister. Das Portal wächst täglich um neue Geschäfte. Bereits am Freitag, einen Tag nach dem Start, waren es knapp 150 – Als Kunde können Sie einen digitalen Gutschein für ein dort vertretenes Unternehmen kaufen, auch wenn es zurzeit geschlossen ist oder aufgrund der Corona-Krise unter erheblichem Kundenrückgang und Einnahmeverlusten leidet.

Dafür müssen Sie nur die Internetseite www.Heimatpräsent.de aufrufen. Entscheiden Sie sich für ein Lieblingsgeschäft, das Sie unterstützen möchten, und wählen Sie einen Gutscheinwert zwischen 10 und 250 Euro aus. Bezahlen Sie einfach und sicher per PayPal oder Kreditkarte. Im Anschluss können Sie den Gutschein per Mail versenden oder ausdrucken. Der Gutschein kann dann, wenn die Geschäfte wieder öffnen, eingelöst werden.

Händler können sich auf der oben genannten Internetseite kostenfrei registrieren. Und das Wichtigste: Sie bekommen 100 Prozent der Erlöse ausgezahlt – die NORDSEE-ZEITUNG und NORD|ERLESEN verdienen damit also kein Geld, sondern wir unterstützen unsererseits die Geschäfte. Den Rücken stärken uns bei der Aktion die Erlebnis Bremerhaven und die Weser-Elbe Sparkasse, denen die Wirtschaft in unserer Heimat genauso am Herzen liegt.

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Andreas Schoener

Stellvertretender Teamchef Landkreis

Andreas Schoener arbeitet seit Oktober 2008 in der Landkreis-Redaktion der NORDSEE-ZEITUNG. Dort ist er stellvertretender Leiter und zuständig für die Berichterstattung aus und über die Stadt Geestland.

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