Ein Bild, das noch vor Corona aufgenommen wurde: Pflegedienstleiterin Larissa Schumann kümmert sich um eine WG-Bewohnerin.

Ein Bild, das noch vor Corona aufgenommen wurde: Pflegedienstleiterin Larissa Schumann kümmert sich um eine WG-Bewohnerin.

Foto: BIPG

Ein Bild, das noch vor Corona aufgenommen wurde: Pflegedienstleiterin Larissa Schumann kümmert sich um eine WG-Bewohnerin.

Heute

Eine Wohngemeinschaft mit Pflege rund um die Uhr

Es ist eine ganz besondere Wohngemeinschaft (WG), die Larissa Schumann zweimal in der Woche besucht. Sechs Bewohner leben dort in der großen Wohnung in der Grashoffstraße – alle brauchen künstliche Beatmung und Intensivpflege rund um die Uhr. Die 32-Jährige ist Pflegedienstleiterin der Bundesweiten Intensiv Pflegegesellschaft (BIPG) für den Bereich Bremen und Bremerhaven. Damit ist sie zuständig für sechs einzeln intensiv betreute Patienten und die WG in Bremerhaven.

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160 Quadratmeter Wohnfläche im ersten Obergeschoss bieten Platz für sechs 25 bis 30 Quadratmeter große Zimmer mit jeweils eigenem Badezimmer. Dazu kommen ein Gemeinschaftsraum, ein Hauswirtschaftsraum, eine Küche, ein Büro, ein Umkleideraum, ein sogenannter Unrein-Raum und ein Gäste-WC. 42 bis 70 Jahre alt sind die Bewohner, die eines verbindet: „Alle haben eine Kanüle zur Beatmung im Hals und werden über eine Sonde ernährt“, erzählt Schumann.

Arbeit in zwei Schichten

18 Mitarbeiter, davon sieben in Vollzeit, kümmern sich in zwei Schichten – von 8 bis 20 Uhr und von 20 Uhr bis 8 Uhr – um die Versorgung der Patienten. „Nachts sind zwei Mitarbeiter in der Wohnung, tagsüber drei. Zudem ist tagsüber noch eine Haushaltskraft da, die sich von 9 bis 19 Uhr um Dinge wie Wäsche und Einkaufen kümmert“, sagt Schumann.

Für die Patienten ist die Wohnung ihr Zuhause. Und ihr Zimmer können sie auch selber gestalten. So könne jeder seine persönlichen Sachen mitbringen – vom Flachbildschirm bis zum Sessel. „Wir haben eine Bewohnerin, die liebt Teddys. Und das sieht man auch in ihrem Zimmer“, erzählt Schumann und lächelt. Es sei eben etwas ganz Anderes als ein Krankenzimmer. Und regelmäßiger Besuch ist natürlich auch erlaubt. „Wir haben eine Dame, für die ihr Mann täglich kocht“, erzählt die Pflegedienstleiterin. Dieser soziale Kontakt sei enorm wichtig.

Ein Modell für die Zukunft

Die Pflegedienstleiterin sieht die Wohngemeinschaft als das Zukunftsmodell in der Pflege an: „Sie bietet enorme Vorteile – insbesondere in der Intensivpflege. Das kann beispielsweise eine Altenpflegeeinrichtung nicht leisten“, sagt sie. Vor allem seien die Pflegekräfte in der WG nicht nur mit der reinen medizinischen Versorgung beschäftigt, sondern hätten auch noch Zeit für den persönlichen Kontakt: „Da kann man sich unterhalten, Fotoalben durchsehen oder ein Spiel spielen“, sagt die Pflegedienstleiterin.

Intensivpflege heißt auch nicht bettlägerig. So steht den Bewohnern auch der freundlich gestaltete Aufenthaltsraum zur Verfügung. Und wer die Wohnung verlassen kann, darf auch an Veranstaltungen der Weserpflege teilnehmen oder auf der Dachterrasse sitzen. In deren Räumlichkeiten befindet sich nämlich die WG. „Das war ein Glücksfall für uns. Wir sind hier mit offenen Armen aufgenommen worden“, erzählt Schumann.

Gelernte Krankenschwester

Am 1. April dieses Jahres hat die WG ihren Betrieb aufgenommen. Am Aufbau hat Schumann mitgewirkt und sich auch um die Bewohner gekümmert. Die 32-Jährige kennt sich in der Pflege aus. Immerhin ist sie gelernte Krankenschwester und hat sich im Gesundheitsbereich weitergebildet. Dazu gehört ein Bachelor in Gesundheits- und Sozialwesen sowie ein Master im Health Care Management – beides hat sie im Fernstudium neben der Arbeit erworben. Auch Erfahrungen in der Stationsleitung sowie im Management hat sie. „Ich bin ein Organisationstalent, und ich kommuniziere gerne“, sagt sie.

Gerne wäre sie auch im Krankenhaus geblieben. „Aber ich wollte Familie und Beruf unter einen Hut bringen. Das heißt: weg von der Schichtarbeit und vom Arbeiten an Wochenenden und Feiertagen“, sagt sie. So habe sie Zeit für Mann und Tochter. Da passte das Angebot der BIPG gut. Als Pflegedienstleiterin kümmert sie sich um das Pflegepersonal und die Patienten gleichermaßen. Sie arbeitet an der Teambildung, sorgt dafür, dass alle Unterlagen in Ordnung sind und kümmert sich um Fortbildungen und Schulungen für die Mitarbeiter.

Der dunkle Schatten von Corona

„Letzteres ist sehr wichtig, denn wir brauchen fachlich geschultes Personal“, betont sie. Eines liege ihr am Herzen: Sobald ausgebildet werde, sollen die Nachwuchskräfte wirklich etwas lernen und nicht als Hilfskräfte eingesetzt werden. „Pflege ist ein sehr wichtiger Bereich. Ich verstehe deshalb nicht, warum sich die Mitarbeiter in diesem Bereich so klein machen“, sagt Schumann. Mit ihrem Job sei sie sehr zufrieden. „Es passt super.“

Ein Wermutstropfen ist jedoch die Corona-Pandemie. „Unsere Patienten sind hochgefährdet. Deswegen müssen wir alles tun, um sie zu schützen“, betont Schumann. Doch das bedeute eben Maske, Kittel und Handschuhe sowie Einschränkungen bei Besuchen, bedauert sie und hofft darauf, dass es schnell wieder besser wird.

Die WG in Bremerhaven bleibt aber kein Einzelfall. Eine zweite Einrichtung in der Seestadt ist bereits geplant, verrät Schumann: „Der Bedarf ist da.“ Die Planungen selber stünden aber noch am Anfang.

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