Innenstadt, Fußgängerzone, große Kirche, OB, Bürgermeister, Oberbürgermeister, Grantz

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Foto: Felix Schulke

Innenstadt, Fußgängerzone, große Kirche, OB, Bürgermeister, Oberbürgermeister, Grantz

Heute

„Einen jahrelangen Leerstand möchte ich auf keinen Fall“

Die Ankündigungen, dass mit Karstadt und Saturn zwei zentrale Einkaufsattraktionen der Innenstadt schließen, ließen bei Politik und Verwaltung die Alarmglocken klingeln. Droht der Kahlschlag in zentraler Lage? Mit politischer Unterstützung durch die Koalitionäre von SPD, CDU und FDP hat der Magistrat jetzt das „Aktionsprogramm Innenstadt“ beschlossen. Im Interview erläutert Oberbürgermeister Melf Grantz (SPD), was die Stadt tun will, um das Zentrum neu zu beleben.

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Mit Karstadt verschwindet eine Institution aus der Innenstadt. Ist die Zeit der großen Warenhäuser vorbei? Ich finde es sehr schade, dass Karstadt seine Filiale aufgibt, damit geht eine jahrzehntelange Tradition zu Ende. Vor allem finde ich es äußerst bedauerlich, dass die dort tätigen langjährigen Fachkräfte ihren Arbeitsplatz verlieren. Das Ende von Karstadt kann durchaus ein Zeichen dafür sein, dass sich womöglich das Geschäftsmodell des universellen Warenhauses überlebt hat. Deshalb sind wir, wie andere Städte auch, bestrebt, unsere Innenstadt vielfältiger zu machen sowohl hinsichtlich der baulichen Formen als auch der Nutzungen. Wir benötigen neben einem qualitativ hochwertigen Mix an Einzelhandelsgeschäften bessere Aufenthaltsqualität mit attraktiven Veranstaltungen und interessanten gastronomischen Angeboten. Darüber hinaus kommt es darauf an, Wohnen in der Innenstadt zu fördern ebenso wie zusätzliche Arbeitsplätze im Dienstleistungsbereich anzusiedeln.

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Auf welche Weise soll das Aktionsprogramm für neues Leben in der City sorgen? Mit dem Aktionsprogramm, das einen finanziellen Umfang von 2,5 Millionen Euro hat, soll zum Beispiel freies WLAN im Innenstadtbereich eingerichtet werden, außerdem wollen wir ein ansprechendes Mobiliar im öffentlichen Raum sowie attraktive Veranstaltungen und Aktionen in der City fördern. Was wir weiter benötigen, ist eine breitere Nutzungsvielfalt. Dies soll unter anderem durch ein digitales Schaufenster der Zukunft, die Aufstellung interaktiver Freiluftexponate, die Schaffung von Freizeitangeboten insbesondere für junge Besucherinnen und Besucher sowie die Einrichtung eines Anlaufpunktes „Citymanagement“ erreicht werden. Wichtig ist es, die Erreichbarkeit der Innenstadt zu verbessern. Dazu gehören ein zeitgemäßes Besucherinformations- und Leitsystem, eine Stärkung des Radverkehrs unter anderem durch ein Fahrradparkhaus sowie die Möglichkeit eines einstündigen kostenlosen Parkens. Ich denke, dass es die Mischung macht, die wir neu sortieren wollen.

Wie wird die öffentliche Beteiligung organisiert? Wer kann sich mit Ideen einbringen? Der Magistrat hat mit der Koalition aus SPD, CDU und FDP beschlossen, ein integriertes Innenstadtkonzept zu erarbeiten. Dazu ist mittlerweile eine Agentur beauftragt worden. Das Konzept soll unter anderem durch Zukunftswerkstätten erarbeitet werden, zu dem alle Bürgerinnen und Bürger und alle Beteiligten eingeladen werden. Ich begrüße es ausdrücklich, dass zum Beispiel die Handelskammer eine Arbeitsgruppe eingerichtet hat, die sich mit den Problemen der Innenstadtentwicklung beschäftigt. Ich gehe davon aus, dass Anfang des kommenden Jahres eine erste Zukunftswerkstatt stattfinden kann.

Kann allein das Aktionsprogramm alle Probleme der Innenstadt lösen? Nein, natürlich nicht. Das Aktionsprogramm ist ein Baustein in einem Bündel von Maßnahmen, die Magistrat und Stadtverordnetenversammlung beschlossen haben. Wir unterstützen den City-Skipper bei der Finanzierung einer Stelle im Bereich City-Management und wir haben ein Ladenmanagement eingerichtet, um schnell auf Veränderungen reagieren zu können. Das jetzt beschlossene Aktionsprogramm setzt zudem sichtbare Akzente, um die Attraktivität unserer Innenstadt zu steigern.

Hat denn die Karstadt-Immobilie in zentraler Lage überhaupt eine Zukunft? Wie die Zukunft der Immobilie aussehen wird, kann man zur Stunde noch nicht sagen. Wir wissen, dass ein Immobilienfonds eine ganze Reihe von Immobilien übernommen hat, die bislang von Karstadt genutzt wurden. Ich bin zusammen mit Bürgermeister Neuhoff in Gesprächen mit dem gegenwärtigen Eigentümer, um möglichst schnell Klarheit darüber zu bekommen, wie er mit der Immobilie umgehen will. Was ich auf keinen Fall möchte, ist ein womöglich jahrelanger Leerstand an dieser Stelle. Wir wollen unsere Innenstadt entwickeln, dabei spielt diese Immobilie natürlich eine wichtige Rolle. Ich bin zuversichtlich, dass wir in den nächsten Wochen klarer sehen werden, was der Eigentümer mit der Immobilie vorhat.

Die Koalition aus SPD, CDU und FDP steht hinter dem Aktionsprogramm. Stadtplanerische Fragen wie ein möglicher Rückbau der Columbusstraße sind hingegen seit Jahren ein Politikum. Kommt jetzt insgesamt Bewegung in die Innenstadtplanung? Im Koalitionsvertrag heißt es im Zusammenhang mit der Innenstadtentwicklung, dass „hierbei zukunftsfähige planerische Entwicklungen der Columbusstraße und der Querverbindungen zwischen den Havenwelten und der Oberen und Unteren Bürger zu berücksichtigen“ sind. Wir lassen gegenwärtig über die BIS gemeinsam mit der Handelskammer ein Verkehrsgutachten erarbeiten, von dem ich erwarte, dass es aufzeigt, welche Verkehrsmengen dort tatsächlich abgewickelt werden und wie viel Straßenraum dafür ausschließlich für den Autoverkehr benötigt wird. Für mich ist vollkommen klar, dass wir die trennende Wirkung der Columbusstraße zwischen Innenstadt und Havenwelten überwinden müssen. Das ist Teil unserer Innenstadtentwicklung, die für eine Steigerung der Attraktivität aus meiner Sicht von Bedeutung ist.

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