Heimspiele ohne Zuschauer oder mit Einschränkungen sind eine Option für die kommende Saison in der BBL.

Heimspiele ohne Zuschauer oder mit Einschränkungen sind eine Option für die kommende Saison in der BBL.

Foto: Arnd Hartmann

Heimspiele ohne Zuschauer oder mit Einschränkungen sind eine Option für die kommende Saison in der BBL.

Heute

Eisbären machen ihre Hausaufgaben für die BBL-Lizenz

Die nächsten Unterlagen sind schon auf dem Weg in die Kölner Zentrale der Basketball-Bundesliga (BBL). Im Kampf um den Wiederaufstieg machen die Eisbären Bremerhaven weiter brav die von der Liga vorgegebenen Hausaufgaben.

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Auf Wunsch der BBL sollen die Clubs bis zum 31. Mai zwei Szenarien durchrechnen. Das erste geht von einer „normalen“ Saison aus, in der sich die Auswirkungen der Corona-Krise kaum bemerkbar machen. Die realistischere Variante umfasst Geisterspiele oder Zuschauerbeschränkungen aufgrund der Pandemie, die sich bis zum geplanten Saisonstart Ende September kaum in Luft aufgelöst haben dürfte.

„Wir sollen für theoretische Szenarien Pläne entwickeln, die unter Prämissen stehen, von denen heute noch niemand sagen kann, welche davon eintreffen werden“, sagt Nils Ruttmann. Der Eisbären-Geschäftsführer sieht darin eine „inhaltliche Herausforderung“, der sich der Zweitliga-Vizemeister auf dem Weg zur erhofften BBL-Lizenz aber gerne gestellt habe. „Die Liga will wissen, wie die Entwicklung an den verschiedenen Standorten ist. Das halte ich für ein gutes Zeichen, dass man sich an den tatsächlichen Gegebenheiten orientiert“, betont Ruttmann.

Aktuell keine Insolvenzen zu befürchten

Wie die Erstligisten die durch Corona entstandenen wirtschaftlichen Verwerfungen überstanden haben, ist die zentrale Frage des Lizenzierungsverfahrens. BBL-Ehrenpräsident Dr. Thomas Braumann, der Vorsitzender des Lizenzligaausschusses ist, hat kürzlich in einem Interview in der NORD|ERLESEN erklärt, dass zumindest aktuell keine Insolvenzen zu befürchten seien.

Dennoch hat die Liga auf die Probleme reagiert und ihre Standards ausgesetzt. Dabei handelt es sich um den Mindestetat in Höhe von drei Millionen Euro und das geforderte positive Eigenkapital von 250.000 Euro. Das Fachmagazin „Basketball in Germany“ (BIG) berichtet in seiner neuen Ausgabe, dass „mehrere Vereine Probleme haben, das vereinbarte Eigenkapital von 250.000 Euro für die kommende Saison bereitzustellen“.

Die Eisbären-Fans sorgen bei Heimspielen in der Stadthalle für Stimmung. In der nächsten Saison könnten aber Geisterspiele drohen.

Die Eisbären-Fans sorgen bei Heimspielen in der Stadthalle für Stimmung. In der nächsten Saison könnten aber Geisterspiele drohen.

Foto: Lothar Scheschonka

Verliert Eigenkapital an Stellenwert?

An dieser Hürde waren die Eisbären im vergangenen Jahr gescheitert, als ihnen kurz vor dem sportlichen Abstieg die BBL-Lizenz mit Blick auf die vorhandenen Altschulden verweigert worden war. Ruttmann setzt darauf, dass der Faktor Eigenkapital in der Corona-Krise an Stellenwert verlieren wird. Zumal die Eisbären auf zarte Erfolge ihres wirtschaftlichen Konsolidierungskurses verweisen können.

„Wir mussten in der Corona-Zeit keine neuen Kredite aufnehmen.“ In diesem Zusammenhang ist beim ProA-Vizemeister auch registriert worden, dass Braumann dem sportlichen Aufsteiger bescheinigt hatte, bisher schlüssige Unterlagen eingereicht zu haben. „Es ist erfreulich, wenn man vom Vorsitzenden des Lizenzligaausschusses gelobt wird. Das zeigt, dass unsere Entwicklung honoriert wird“, sagt Ruttmann.

Ein Blick in die Glaskugel

Was die von der BBL gewünschte Kalkulation von Szenarien betrifft, muss Ruttmann den Blick in die Glaskugel werfen. Böse ausgedrückt könnten die Eisbären bei einem Schnitt von 1003 Zuschauern bei ProA-Heimspielen Geisterspiele besser wegstecken als Clubs, die immer eine volle Hütte haben. Klar ist aber auch, dass in der BBL gegen attraktive Gegner wie Bayern München, Alba Berlin, die EWE Baskets Oldenburg oder Rasta Vechta wieder deutlich mehr Zuschauer in die Stadthalle strömen würden. „Die Frage ist: Wo setzt man an, dass man jetzt nicht überkalkuliert und träumt?“, beschreibt Ruttmann die Schwierigkeit einer realistischen Zuschauerkalkulation.

Der Wechsel von Publikumsliebling Adrian Breitlauch, der sich in Verbindung mit einer beruflichen Perspektive für das Angebot des ProA-Rivalen Artland Dragons entschieden hat, ist da sicher nicht hilfreich. Ruttmann sieht im Abgang des Kapitäns sowohl sportlich als auch menschlich einen „Riesenverlust“, betont aber, dass das Konzept, Spieler aus dem eigenen Nachwuchs die Chance im Profi-Team zu geben, darunter nicht leiden werde: „Das werden wir nicht über Bord werfen – im Gegenteil.“ Einen neuen „Local Hero“ aufzubauen, gehe aber nicht von heute auf morgen – das zeige Breitlauchs Werdegang, der sich seinen Status in vier Eisbären-Jahren erarbeitet habe.

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