Der Wasserhahn geht nicht. Hier hilft Hartwig von Oehsen bei seiner ehrenamtlichen Tätigkeit für den Verein „Bürger helfen Bürgern“ – eines seiner vielen Ehrenämter.

Der Wasserhahn geht nicht. Hier hilft Hartwig von Oehsen bei seiner ehrenamtlichen Tätigkeit für den Verein „Bürger helfen Bürgern“ – eines seiner vielen Ehrenämter.

Foto: Bohn

Der Wasserhahn geht nicht. Hier hilft Hartwig von Oehsen bei seiner ehrenamtlichen Tätigkeit für den Verein „Bürger helfen Bürgern“ – eines seiner vielen Ehrenämter.

Heute

Fast rund um die Uhr im Einsatz für andere

Hartwig von Oehsen muss schmunzeln, wenn er die Urkunde betrachtet: „Niedersächsischer Preis für Bürgerengagement 2020“ steht darauf – eine Würdigung seines Einsatzes. „Doch wofür habe ich die wohl bekommen?“, rätselt der 73-Jährige. Kein Wunder: Die Liste seiner ehrenamtlichen Tätigkeiten ist lang. Seine Arbeit im Bürgerverein Wiemsdorf und im Verein „Bürger helfen Bürgern“ sind nur einige Beispiele aus der jüngeren Zeit.

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Offiziell angefangen hat alles im Jahr 1964 – so steht es im roten Mitgliedsbuch der Freiwilligen Feuerwehr Wiemsdorf. Damals war von Oehsen 16 Jahre alt. „Inoffiziell war ich aber schon dabei, seitdem ich 14 Jahre alt war“, sagt er und lächelt verschmitzt. Aktiv sei er in der Feuerwehr auch immer noch, wenn auch aufgrund seines Alters „nur in zweiter Reihe“, wie er sagt: „Ich sitze beispielsweise am Computer, regele den Verkehr oder helfe im Hintergrund aus.“

Für den Spielkreis gebastelt

Eigentlich hat er fast sein ganzes Leben in Wiemsdorf gewohnt – bis auf die sieben Jahre, in denen er in Travemünde gelebt hat. Von dort kommt seine Frau. Seit 1976 wohnt das Ehepaar aber in Wiemsdorf. Seine Frau war in der Kirche in Dedesdorf beschäftigt. „Da habe ich dann ab und zu etwas für den Spielkreis gebaut oder repariert“, erzählt der Wiemsdorfer. 1985 bis 1998 wurde er dann selber in der Kirchengemeinde tätig: im Kirchenrat.

„Da war ich im Bau- und Friedhofsausschuss“, erzählt von Oehsen. So sei er bei der Kirchenrenovierung dabei gewesen. „Das war sehr interessant. Da wurden beispielsweise Balkenköpfe im Mauerwerk getauscht. Anhand der Jahresringe und dem Kataster konnte man sehen, wie alt die waren“, ist er noch heute beeindruckt.

Hartwig von Oehsen zeigt stolz seine Urkunde.

Hartwig von Oehsen zeigt stolz seine Urkunde.

Foto: Bohn

Fähigkeiten auch für die Kirche

Das Interesse sei aber auch beruflich, gibt er zu – immerhin ist er Maurermeister und war 35 Jahre bei der Kreishandwerkerschaft tätig. Kein Wunder, dass er seine Fähigkeiten auch für die Kirche einsetzte: zum Beispiel auf dem Friedhof, als der Platz für die Kranzniederlegung neu gemacht, das Holz gegen Beton und Mauerwerk ersetzt wurde, beim Neubau der Werkzeug-Remise und bei den neuen Toren.

Das Wirken von Hartwig von Oehsen kann man aber auch im Ort Wiemsdorf genau erkennen. Immerhin war er von 1991 bis 2000 Ortsvorsteher und saß zudem für die SPD im Loxstedter Gemeinderat. „In diese Zeit fiel die Dorferneuerung. Und die hat richtig Spaß gemacht“, sagt er. Immerhin flossen inklusive der privaten Investitionen 1,5 Millionen Euro in den Ort. Unter anderem bekam Wiemsdorf einen Dorfplatz: „Da gab es im Rat zuerst Bedenken wegen der Unterhaltungskosten. Also haben wir einen Bürgerverein gegründet, der sich auch darum kümmert“, erzählt er.

Im Beruf engagierte er sich ebenfalls ehrenamtlich. So war er von 2005 bis 2015 Mitglied im Meisterprüfungsausschuss der Handwerkskammer und 20 Jahre im Gesellenprüfungsausschuss der IHK für die Baubranche. „Da habe ich eine Menge Freizeit geopfert, aber es hat sehr viel Spaß gemacht“, sagt der 73-Jährige.

Prüfungsvorbereitung für jungen Flüchtling

Diese Erfahrung hat er von 2019 bis 2020 noch einmal eingesetzt: Er half einem jungen Flüchtling aus Afghanistan beim Lernen für den theoretischen Teil der Prüfung. „Ein sehr aufgeweckter und wissbegieriger Junge. Sein Problem war die Fachsprache“, sagt von Oehsen. Am Ende bestand der Afghane. Besonders interessant fand von Oehsen die Gespräche mit dem jungen Mann, der ein Leben lang auf der Flucht war und dessen Eltern verschollen sind. „Ich kann jedem nur raten, sich mit den Menschen zu unterhalten. Das verändert die Perspektive.“

Gespräche mit Menschen liebt der Wiemsdorfer. Und die hat er auch im Verein „Bürger helfen Bürgern“. „Wir sind eine Handvoll engagierter Menschen, die bei kleinen handwerklichen Dingen helfen“, erläutert von Oehsen. Hauptsächlich ältere Leute nähmen die Dienste in Anspruch – beispielsweise bei klemmenden Türen und kleineren elektrischen Problemen wie das Wechseln von Glühlampen – im Team sind auch zwei Elektriker. „Alles Sachen, die für Handwerker zu klein sind. Denn Konkurrenz wollen wir nicht machen“, betont von Oehsen.

Seine ehrenamtlichen Tätigkeiten machen ihm Spaß: „Es ist schön, wenn man helfen kann“, meint er. Zudem könne man dabei auch immer Neues lernen. Und wie lange will er noch ehrenamtlich tätig sein? „Solange es geht“, sagt er und lächelt. Derzeit ist er noch beim Leader-Programm Wesermünde-Süd dabei – und an der Planung einer Garage beteiligt, in dem das neue Fahrzeug der Jugendfeuerwehr Platz finden soll. Demnächst soll es losgehen.

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