Den Eishockey-Clubs fehlen durch die Zwangspause die Einnahmen. Im Bild: Miha Verlic.

Den Eishockey-Clubs fehlen durch die Zwangspause die Einnahmen. Im Bild: Miha Verlic.

Foto: Scheer

Heute

Pinguins-Profis entlasten mit Gehaltsverzicht den Etat

In der Fußball-Bundesliga rollt wieder der Ball. Anders als in der Königsdisziplin der Deutschen können sich andere Sportarten wie Eishockey jedoch nicht mit Geisterspielen über Wasser halten. Daher steht die nächste Saison in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) auf wackeligen Beinen. Wegen der finanziellen Probleme der Clubs sollen die Spieler auf einen Teil ihres Gehaltes verzichten.

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„Ich bin durchaus positiv, dass wir spielen können. Sicher stellt sich aktuell die Frage, wann und wie wir loslegen können. Wir planen auf den September hin, haben zugleich aber mehrere Szenarien entwickelt“, sagt DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke. „Ich kenne das Sicherheitskonzept vom Fußball. Es ist vor allem alles andere als günstig, was da auf alle Beteiligten zukommt. Geisterspiele sind für uns eigentlich keine Option. Wenn, dann nur sehr kurz als Überbrückung, bis wir vor Zuschauern spielen können.“

Zunächst sind bis zum 31. August alle Großveranstaltungen abgesagt – also auch Eishockeyspiele fallen. Erschwerend kommt hinzu, dass Großveranstaltungen in Berlin gar schon jetzt bis zum 24. Oktober verboten sind. Die Eisbären Berlin müssten zum eigentlich am 18. September geplanten Saisonstart zunächst mit Auswärtsspielen beginnen. Die Saison insgesamt etwas später zu starten, wäre ebenfalls eine Option. „Es hängt aber eben viel davon ab, wie die Parameter grundsätzlich sind. Da warten wir jetzt auf neue Informationen der Politik, die ich aber nicht kurzfristig erwarte“, so Tripcke.

Gernot Tripcke, Geschäftsführer der Deutschen Eishockey-Liga.

Gernot Tripcke, Geschäftsführer der Deutschen Eishockey-Liga.

Foto: Anspach/dpa

Spieler sollen 25 Prozent des Gehaltes stunden

Um die Folgen für die Clubs abzumildern, will die DEL sogenannte Corona-Klauseln als Bestandteile der Spielerverträge etablieren. „Es geht darum, dass wir uns gemeinsam mit den Clubs auf derartige Vorkommnisse für die Zukunft vorbereiten“, erklärt Tripcke. Während die Corona-Klausel, wonach nur ein deutlich gekürztes Grundgehalt gezahlt werden soll, solange keine Spiele stattfinden dürfen, auf neu abzuschließende Verträge abzielt, sollen die Spieler auch Änderungen in ihren laufenden Verträgen hinnehmen.

So sollen sie den Clubs zunächst 25 Prozent ihres Gehaltes stunden. Hintergrund ist die Annahme, dass die Vereine wegen der Corona-Krise nicht ihre geplanten Einnahmen erzielen können. Gelingt das doch, wird der zunächst gestundete Anteil anteilig ausgezahlt. Liegen die Einnahmen bei 75 Prozent des Plans oder darunter, bekommen die Spieler kein Geld nachgezahlt. Liegen die Einnahmen beispielsweise bei 85 Prozent, bekommen die Spieler zehn Prozent ihres Gehalts nachgezahlt.

Gemeinsame Lösung finden

Die Krux für die Clubs: Einerseits kann der Verzicht nur freiwillig erfolgen, andererseits will die DEL den 25-prozentigen Verzicht als Bedingung für das Lizenzverfahren machen. Dass das eine heikle Sache ist, sei ihm bewusst, so Tripcke: „Aber wenn die Spieler ‚Nein‘ sagen, schaden sie ihren Clubs.“

Die Profis der Fischtown Pinguins haben sich inzwischen bereit erklärt, dem Gehaltsverzicht zuzustimmen. Wie Geschäftsführer Hauke Hasselbring sagte, herrschte bei den Bremerhavener Profis große Einsicht in die Notwendigkeit.

„Unsere Spieler haben die Situation verstanden“, sagt Hasselbring. „Wir hatten mehrere sehr vernünftige Gespräche mit unseren Kapitänen Mike Moore, Max Fortunus und Jan Urbas, die wiederum allen die Lage erklärt haben. Wir sind zuversichtlich, dass wir im Lizenzierungsverfahren alle Einwilligungen der Spieler vorlegen können“.

Pinguins haben Lizenzunterlagen eingereicht

Mit dem auf 75 Prozent reduzierten Etat für Spielergehälter hat Hasselbring die Lizenzunterlagen bei der DEL eingereicht. Auch bei den Sponsoreneinnahmen habe er „vorsichtig kalkuliert“, so Hasselbring. Er ist zuversichtlich, dass alle 15 Bewerber (die 14 aktuellen DEL-Clubs sowie die Löwen Frankfurt aus der DEL2) fristgemäß bis zum Termin am Sonntag ihre Unterlagen abgeben werden. „Alle Clubs arbeiten zusammen mit der Liga und den Spielern an einer Lösung. Wir alle sind an einer gemeinsamen Lösung interessiert.“

Spiele nur mit Zuschauern sinnvoll

Die Clubs, um zu überleben. Die Spieler, damit es zukünftig noch Vereine gibt, für die sie spielen können. Liga-Veteranen wie Moritz Müller (Kölner Haie) und Patrick Reimer (Nürnberg Ice Tigers) haben inzwischen die Initiative zur Gründung einer Spielergewerkschaft ergriffen, um die Interessen der Profis zu wahren.

Ob es bei allen Clubs eine Annäherung gibt, wird entscheidend davon abhängen, ob und wann es eine Perspektive zum Liga-Start gibt. Denn davon hängen die Einnahmen der Vereine ab. Zuschauereinnahmen machen nicht nur bei den Pinguins den größten Anteil am Etat aus. Für Pinguins-Manager Hasselbring ist es nur sinnvoll, die Saison zu starten, wenn die Spiele wie gewohnt stattfinden dürfen. Sprich: 26 Heimspiele mit bis zu 4647 Zuschauern in der Eisarena Bremerhaven.

„Sonst können wir es sein lassen, weil es sich einfach nicht rechnet. Wir haben schließlich Spieler verpflichtet, in dem Denken, den Etat aus dem Vorjahr zu haben. Ich bin mir aber sicher, dass wir eine Lösung finden. Und sei es, dass wir erst im November starten, die Playoffs wieder ausfallen lassen und bis Ende April spielen“, sagt Hasselbring.

Bis dieser Plan nicht steht, wollen die Pinguins auch noch nicht mit dem Dauerkartenverkauf starten. „Ich will den Leuten kein Geld aus der Tasche ziehen, das ich dann hinterher wieder zurückzahlen muss“, sagt der Geschäftsführer.

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