Planer Werner Meißner und seine Kollegen haben mit Hochdruck an dem Projekt gearbeitet.

Planer Werner Meißner und seine Kollegen haben mit Hochdruck an dem Projekt gearbeitet.

Foto: Christoph Bohn

Heute

Größte Reform im Bremerhavener Nahverkehr seit 25 Jahren

Neue Linien, neuer Fahrplan und neuer Takt – es ist die größte Änderung am Bremerhavener Liniennetz seit 25 Jahren. Seit Ende August gilt der neue Fahrplan bei Bremerhaven Bus. Hintergrund ist die Corona-Pandemie. Für Bremerhaven-Bus-Geschäftsführer Robert Haase ist es aber gleichzeitig ein Schritt in Richtung eines großstädtischen Angebots.

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„Eigentlich braucht man in den Kernzeiten von Montag bis Freitag zwischen 8 und und 18.30 Uhr gar keinen Fahrplan dabeihaben. Denn es fährt auf den Hauptlinien alle zehn Minuten ein Bus“, sagt Haase. Und damit entfalle auch der Stress beim Umsteigen, da der Anschluss immer gewährleistet sei.

„Grundlegende Pläne dafür hatten wir eigentlich seit Langem in der Schublade. Doch erst durch Corona gab es nun einen Anlass, sie auch umzusetzen“, berichtet Jörg Fröhlich, Betriebsleiter bei Bremerhaven Bus. Denn damit die Busse in Corona-Zeiten nicht so voll werden, müssen mehr Busse eingesetzt werden – eine knifflige Aufgabe. Denn die Vorgaben waren klar: Schnell und flexibel sollte das neue System sein – und das ohne hohe Kosten und ohne hohen Personalaufwand.

„Und wir hatten wenig Zeit“, sagt Haase. Denn spätestens nach den Sommerferien habe wieder mit erhöhtem Andrang in den Bussen gerechnet werden müssen. Letztlich gelang das Vorhaben. „Auch die politische Genehmigung ging schnell“, lobt Haase.

Vier neue Busfahrer

Herausgekommen ist ein Fahrplan, der ab 27. August ein Jahr Gültigkeit hat. „Um die Ziele zu erreichen, haben wir vieles neu strukturiert und mussten am Ende nur vier neue Busfahrer einstellen“, sagt Fröhlich. Dabei konzentrierten sich die Planungen auf die Kernlinien 502, 505 und 506, die die Stadt von Norden bis Süden erschließen.

„Die Linien 505 und 506 haben wir um die 504 ergänzt und daraus ein Linienbündel gebildet“, erläutert Fröhlich. Die zusätzliche Linie sei notwendig gewesen, um auch weiterhin das Langener Schulzentrum, Debstedt und Leherheide bedienen zu können. „Es ist dem Fahrgast nicht vermittelbar, dass die gleiche Linie zu bestimmten Zeiten andere Endhaltestellen hat“, meint Fröhlich.

Wichtig sei auch gewesen, ein zusammenhängendes Linienbündel aus 504, 505 und 506 zu schaffen. Das sei leichter zu merken, ist Fröhlich überzeugt. Um diesen Eindruck zu verstärken, habe Bremerhaven Bus dem Bündel auch die einheitliche Farbe Blau in Abstufungen gegeben und zusammenhängende Fahrpläne aufgehängt.

Das einzige Problem: Die 504 fuhr bisher im Fischereihafen. „Die haben wir in 514 umbenannt“, sagt Fröhlich. Denn die Linie habe hauptsächlich Stammfahrgäste, die sich schnell an die neue Bezeichnung gewöhnen könnten.

Zudem wurde die Linie 502 bis Bohmsiel verlängert und erhielt in Wulsdorf einen neuen Fahrweg. „Damit konnten wir auch neue Gebiete anbinden. So hat beispielsweise die Paula-Modersohn-Schule jetzt eine Haltestelle direkt vor der Tür“, betont Haase. Das habe übrigens keinen Einfluss auf die Planungen für eine gewünschte Linie von der Carsten-Börger-Straße über Bahnhof Wulsdorf bis zum Klinikum Reinkenheide. „Wenn sie kommt, passt sie sogar genau ins Konzept“, sagt Fröhlich.

Nur noch ein Schnellbus

Auch eine Schnellbuslinie gibt es wieder, nachdem die ursprünglichen 501 und 511 ihren Betrieb im März eingestellt hatten. „Mit der Linie S, in der wir beide Linien kombinieren, kommt man in 27 Minuten von Leherheide bis Wulsdorf“, sagt Haase stolz.

Probleme gibt es noch mit der Schülerbeförderung, insbesondere nachmittags beim Schulzentrum Carl-von-Ossietzki sowie mittags bei der Wilhelm-Raabe-Schule. „Bei der CvO werden wir nach den Ferien wieder eine E-Linie einsetzen“, sagt Fröhlich. Allerdings könne man eines nicht vermeiden: „Wenn wir drei Busse bereitstellen, wird immer der erste am vollsten sein“, meint Fröhlich. Ansonsten stehe man in Kontakt mit dem Schulamt. „Um die Probleme nachhaltig zu lösen, wäre es gut, wenn man beispielsweise den Schulbeginn um eine Stunde vorverlegen könnte“, meint Haase.

Die Fahrgastzahlen steigen bei Bremerhaven Bus derzeit wieder an. „In einigen Monaten hatten wir 50 Prozent vom Vorjahreswert“, sagt Haase. Der September sei mit 80 Prozent der erste fast normale Monat. „Aber bis wir die Zahlen von 2019 wieder zu 100 Prozent erreichen, wird es wohl noch zwei bis drei Jahre dauern“, meint Haase.