Das Angebot der Dämmvisite wird nach Angaben von Energiekonsens sehr gut angenommen.

Das Angebot der Dämmvisite wird nach Angaben von Energiekonsens sehr gut angenommen.

Foto: Antje Schimanke

Das Angebot der Dämmvisite wird nach Angaben von Energiekonsens sehr gut angenommen.

Heute

Heizen wird zur Herausforderung in Bremerhaven

Vor der Seestadt liegt in den kommenden Jahren eine große Herausforderung. „Wir brauchen ein Konzept für die Wärmeversorgung. Denn ab 2050 muss alles CO2-neutral sein“, sagt Heinfried Becker von der gemeinnützigen Klimaschutzagentur des Landes Bremen, Energiekonsens. Das werde auch eine gewaltige Aufgabe für die Initiative „Bremerhavener Modernisieren“, die jetzt seit zehn Jahren besteht.

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Mit der Hausmodernisierungsinitiative hat Energiekonsens im Bereich der Gebäudebestand-Sanierung eine Kooperation organisiert, die mit seinen Partnern – der Bremer Aufbau-Bank, der Bremer Umweltberatung, der Haus & Grund Bremerhaven, der SWB und der Verbraucherzentrale Bremen – alle wichtigen Bremer und Bremerhavener Beratungsinstitutionen im Bereich Hausmodernisierung umfasst. Die Bau-Innungen der Kreishandwerkerschaft Bremen unterstützten als Kooperationspartner spezielle Aktionsformen.

Aufbruchstimmung im Gründungsjahr

„Ursprünglich sollte es nur ,Bremer Modernisieren‘ für das gesamte Bundesland Bremen geben. Doch ab dem 1. Januar 2011 gab es uns dann auch vor Ort in Bremerhaven“, erzählt Becker. Es sei damals eine Aufbruchstimmung gewesen, erinnert er sich, zumal die Klimastadt ein Begriff wurde. „Über Förderprogramme war damals nicht viel bekannt, es gab einen großen Informationsbedarf“, sagt Becker und denkt dabei an Informationsveranstaltungen mit bis zu 150 Teilnehmern zurück.

Im Laufe der Zeit sei das aber zurückgegangen – mit der Entwicklung des Internets. „Dafür ist der individuelle Beratungsbedarf gestiegen“, sagt Becker. Parallel entstanden sind die Energiechecks und die Beratung vor Ort. Überhaupt habe sich die Initiative stetig entwickelt: „Wir haben uns quasi jedes Jahr neu erfunden“, meint Becker. So auch jetzt in der Corona-Pandemie, wo vermehrt auf Online-Formate gesetzt wird. „Auch nach der Pandemie wollen wir diesen Bereich beibehalten, aber im Mix mit Präsenzveranstaltungen“, erzählt Becker.

Die Nachfrage nach Förderprogrammen und günstigen KfW-Krediten ist nach Angaben von Energiekonsens in den vergangenen zehn Jahren stark gestiegen – sowohl beim Neubau als auch bei der Sanierung. Gerade im Bereich Dämmung habe sich in den Bremerhavener Stadtteilen mit Einfamilienhäusern, insbesondere Speckenbüttel, Alt-Lehe und Geestemünde, viel getan. „Bei den Fördersummen rangiert Bremerhaven noch vor der Stadt Bremen“, weiß Becker. So seien im Bereich Investitionszuschüsse für energieeffizientes Sanieren die Förderfälle von 63 (2015) auf 109 (2020) gestiegen.

Einen besonders starken Sprung gab es vom Jahr 2019 auf 2020. Laut dem Förderreport der KfW-Bank wurden in Bremerhaven 2020 insgesamt Fördergelder in Höhe von 29 Millionen Euro zugesagt – doppelt so viel wie noch im Jahr 2019. Und nicht nur die Fördersumme ist extrem gestiegen, auch die Zahl der Fälle bei der Kreditvergabe zur Förderung von hocheffizienten Neubauten hat sich verdreifacht. Insgesamt 166 Wohneinheiten wurden hierbei mit der maximalen Darlehenssumme von 120.000 Euro gefördert, die bis zu 30.000 Euro Tilgungszuschuss je nach Sanierungstiefe enthalten können. Corona hat sich hier nicht ausgewirkt: „Trotz finanzieller Unsicherheiten wollen viele Hausbesitzer in Modernisierungsmaßnahmen investieren“, sagt Becker.

Kredite fast verdoppelt

Bei der Kreditförderung von Einzelmaßnahmen zur Sanierung ist die Zahl der Antragssteller im gleichen Zeitraum zwar ungefähr gleichgeblieben. Dafür hat sich die Höhe der Kredite aber auf 2,9 Millionen Euro fast verdoppelt. „Ein Zeichen dafür, dass hochwertiger saniert wird“, ist Becker überzeugt.

Klimaschutz und Nachhaltigkeit werden seiner Ansicht nach immer wichtiger – wohl aber auch, weil sich damit Geld sparen lässt und auch die gesetzlichen Anforderungen gestiegen sind. Allerdings wird das Programm zur Komplettsanierung von Gebäuden – mit einem KfW-Kredit bis zu 120.000 Euro und einem Tilgungszuschuss von 48.000 Euro – in Bremerhaven eher bei Wohngebäuden mit vielen Wohneinheiten genutzt. „Eigentümer von Ein- und Zweifamilienhäuser setzen eher auf Einzelmaßnahmen oder auf die Zuschüsse“, erläutert Becker.

Für die nächsten Jahre gibt es eine Menge zu tun. Immerhin darf der Gebäudesektor bis 2030 laut dem Klimaschutzprogramm der Bundesregierung nur noch 70 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente verbrauchen, 2050 soll dieser Wert Null betragen. Zum Vergleich: Im Jahr 2017 lag der bundesweite Wert bei 132 Millionen Tonnen. „Um das Ziel 2030 zu erreichen, müssten in Bremerhaven jährlich 460 Gebäude energetisch auf Neubaustandard saniert werden“, rechnet Becker vor.

Den Kernpunkt sieht er bei der Wärmeversorgung. Der Ausstieg aus fossilen Brennstoffen sei ja beschlossene Sache. „Aber in Bremerhaven haben insbesondere Gasheizungen einen hohen Stellenwert“, sagt Becker. Hier müsste neu gedacht werden. Zwar gebe es auch noch die Fernwärme, doch die sei eben nicht überall sinnvoll. Seines Erachtens müsse man zu dezentralen Lösungen finden, die intelligent vernetzt werden. Hier werde es Förderbedarf geben. „Es gilt die Devise: fördern und fordern“, sagt Becker. Denn eines müsse jedem klar sein: Die CO2-Abgabe werde drastisch steigen.

Also noch viel zu tun für „Bremerhavener Modernisieren“. Der zehnte Geburtstag der Initiative soll noch in diesem Jahr gefeiert werden – es ist allerdings bisher nicht klar wann und in welcher Form.

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