Jörg (links) und Kilian Eilers stellen mit ihrer eigenen 100-Liter-Destille Gin in Langen her.

Jörg (links) und Kilian Eilers stellen mit ihrer eigenen 100-Liter-Destille Gin in Langen her.

Foto: Bohn

Jörg (links) und Kilian Eilers stellen mit ihrer eigenen 100-Liter-Destille Gin in Langen her.

Heute

Hochprozentiges mit Fichten und Algen

Eine Flasche Gin hat das Leben von Jörg Eilers (53) verändert. „Ein Gin-Trinker war ich vor 2018 nicht“, sagt er. Das hat sich grundlegend geändert: Zuerst nur ein leidenschaftliches Hobby, ist Gin zu einem wirtschaftlichen Standbein geworden. Zusammen mit seinem Sohn Kilian (26) stellt er zwei Sorten der eigenen Marke „Enthusiast“ in Handarbeit in der heimischen Garage in Langen her – also Gin „crafted in Geestland“, wie die beiden sagen.

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„Es war diese Flasche teurer Gin, die ich mir im Sommer 2018 gekauft habe, die Kilian und mich auf den Geschmack gebracht hat“, erzählt der 53-Jährige. Die hat so gut geschmeckt, dass Vater und Sohn weiter probierten. So brachte Jörg Eilers im Herbst des gleichen Jahres von einer Reise einen Gin aus Südafrika mit. „Je mehr wir uns mit Gin beschäftigten, desto mehr reifte die Idee, einen eigenen Gin herzustellen“, sagt er.

Das wurde 2019 Wirklichkeit, als Jörg Eilers von seinen Kindern eine kleine Zwei-Liter-Destille geschenkt bekam – inklusive Zutaten: neben Wacholderbeeren auch Orangen, Zitronen und Gewürze. Es wurde zum Hobby für Vater und Sohn: „Wir waren von Anfang an mit Feuer und Flamme dabei“, erzählt Jörg Eilers.

Gin wird nach dem Standard London Dry Gin hergestellt

Klar war Vater und Sohn, dass sie nach den Standards des London Dry Gin arbeiten wollen. Dieses ist bei den Ginsorten eine Kategorie mit bestimmten Regeln für Destillation und Zutaten. Diese wurde zudem in einer EU-Verordnung von 2008 festgeschrieben. Also eine Art Reinheitsgebot. Festgelegt ist: ein Mindest-Alkoholgehalt von 37,5 Volumenprozent, eine mindestens dreifache Destillation, er besteht aus pflanzlich-landschaftlichen Ausgangsstoffen wie Getreide oder Melasse, und es werden keine Farbstoffe oder Zucker hinzugegeben.

Die Aromatisierung – hierdurch entstehen die verschiedenen Geschmackssorten – darf beim London Dry Gin nur durch natürliche Zutaten erfolgen, die auch sofort mit destilliert, also nicht nachträglich hinzugegeben werden. „Beim Aroma haben wir unsere eigene Philosophie: Da Kilian und ich gerne in der Welt unterwegs sind, sollen auch die Aromen nicht von hier kommen“, erläutert Jörg Eilers. Heimisch sei nur das Wasser.

Geschmacksprobe im Freundeskreis

Insbesondere Kilian Eilers beschäftigte sich intensiv mit dem Entwickeln neuer Sorten. „Das jeweilige Ergebnis habe ich dann immer im Freundeskreis getestet und das Feedback in die weitere Entwicklung einbezogen“, erzählt der 26-Jährige. So entstanden letztlich die beiden Sorten: Arctic Dry und Deep Ocean. „Beim Ersten verwenden wir Fichtensprossen, beim Zweiten Algen“, berichtet Jörg Eilers. Der Grund: Vater und Sohn wollten einen maritimen, möglichst nordischen Bezug haben.

Kilian Eilers zeigt stolz den Gin „Deep Ocean“, der in der eigenen Destillerie hergestellt wird und der bei der Frankfurt International Trophy mit Gold prämiert wurde.

Kilian Eilers zeigt stolz den Gin „Deep Ocean“, der in der eigenen Destillerie hergestellt wird und der bei der Frankfurt International Trophy mit Gold prämiert wurde.

Foto: Bohn

Und wo kommen die Zutaten her? Das wollen die beiden nicht genau verraten. Nur so viel: Die Fichtensprossen stammen aus einem kleinen Laden in Nordfinnland, die Algen aus einem kleinen Geschäft aus Schleswig-Holstein, die diese importieren. „Insbesondere die Fichtensprossen kommen hier tiefgefroren an, sind also quasi noch frisch“, verrät Jörg Eilers. Das sorge für das spezielle Aroma. Alle anderen Zutaten finden sich in Metalldosen in der heimischen Garagen-Destillerie fein sortiert im Regal.

Ein Hobby ist die Destillerie nicht mehr. „Freunde und Bekannte haben uns geraten, dass unser Gin unbedingt im Laden zu kaufen sein sollte“, sagt Kilian Eilers. Im Februar 2020 gründeten die beiden ihre Firma, Mitte 2020 investierten sie in eine 100-Liter-Anlage. „Wir haben uns dann noch von einem Spirit Consultant beraten lassen – einer Frau, die uns beim Feinschliff geholfen hat. Denn die Umstellung von 2 auf 100 Liter ist nicht so einfach“, erzählt Jörg Eilers. Im Februar 2021 gingen Vater und Sohn mit ihren Produkten aus der Gin-Manufaktur an den Markt.

Nachbarn freuen sich

Verkauft wird über die eigene Internetseite und über einige Supermärkte und Händler in der Region. „Wir haben nachgefragt, und die Resonanz war groß. Viele Händler legen derzeit Wert auf Waren aus der Region“, sagt Jörg Eilers.

Der 53-Jährige will für die Firma aber nicht seinen Job aufgeben. Er hat eine kaufmännische Ausbildung, ein abgeschlossenes Ingenieurstudium und arbeitet im Einkauf. „Für mich bleibt es eine Feierabend- und Wochenendbeschäftigung“, sagt Jörg Eilers. Anders sieht es bei seinem Sohn Kilian aus. Er will die Firma zu seinem Hauptberuf machen. Eigentlich ist er Industriemechaniker. „Aber hier bin ich richtig glücklich“, sagt er. Schließlich sei hier alles Handarbeit: von der Herstellung, über Abfüllung und Etikettierung bis hin zur Auslieferung.

Und was sagen die Nachbarn zur Destillerie nebenan? „Denen gefällt es. Die kaufen selber bei uns“, meint Jörg Eilers und lächelt. Einen großen Lieferverkehr gebe es ja auch nicht. Gerne würden Vater und Sohn auch an die Gastronomie verkaufen. Aber das sei derzeit aufgrund der Pandemie eher illusorisch, meint Jörg Eilers.

Anscheinend haben Jörg und Kilian Eilers nicht nur den Geschmack in der Region getroffen. Der „Deep Ocean“ wurde jetzt Frankfurt International Trophy, einem der größten internationalen Spirituosenwettbewerbe in Deutschland, mit Gold ausgezeichnet.

Und was ist für die Zukunft geplant? „Wohl noch weitere Geschmackssorten“, meinen die beiden. Und wer weiß, wenn Gin alleine nicht mehr reicht, könnte man die Anlage auch umstellen, beispielsweise auf Whiskey.

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