BBL Präsident Dr. Thomas Braumann (Deutschland) mit einem Spalding Ball.

BBL Präsident Dr. Thomas Braumann (Deutschland) mit einem Spalding Ball.

Foto: imago sportfotodienst

BBL Präsident Dr. Thomas Braumann (Deutschland) mit einem Spalding Ball.

Heute

Braumann: Viele Basketball-Clubs werden die Coronazeit überleben

Als Ehrenpräsident der Basketball-Bundesliga (BBL) und Vorsitzender des Lizenzligaausschusses weiß Dr. Thomas Braumann um die wirtschaftlichen Nöte der Clubs in der Corona-Krise. Doch der ehemalige Vorstandsvorsitzende des Tiefkühlkostherstellers Frosta ist zuversichtlich, dass die BBL die Herausforderung meistern wird. Der in Bremen lebende Braumann erklärt im Interview mit Dietmar Rose, warum er Staatshilfen für den Profi-Sport ablehnt und wie er die Chancen der Eisbären Bremerhaven auf eine BBL-Lizenz einschätzt.

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Herr Braumann, der von der Coronavirus-Pandemie ausgelöste Einbruch der Wirtschaft bringt auch den Profi-Sport in Gefahr. Wie groß ist Ihre Sorge als Ehrenpräsident der BBL und Vorsitzender des Lizenzligaausschusses, dass einige Clubs diese Krise nicht überleben werden? Die Sorge ist natürlich vorhanden. Wie groß sie wirklich ist, ist eine schwierige Frage. Sagen wir mal so: Wenn wir alles richtig machen, die Clubs gut begleiten und die Clubs selbst sehr diszipliniert wirtschaften, werden wir auch die kommende Saison gut überstehen. In vielleicht anderer Form und auch mit deutlich weniger Geld bei den einzelnen Clubs. Aber ich glaube nicht, dass eine größere Zahl von Clubs scheitern wird.

Wie bewerten Sie es, dass immerhin sechs Erstligisten auch eine Lizenz für die ProA beantragt haben? Dabei handelt es sich aber in der Mehrheit um Clubs, die Angst haben mussten abzusteigen. Das hat sich ja inzwischen erledigt, weil es keine Absteiger geben wird. Insofern weiß ich nicht, ob die Zahl sechs noch aktuell ist. Aber Sie haben recht: Es sind mindestens zwei, drei Clubs, die Schwierigkeiten haben. Mit ihren Sponsoren und mit den Zukunftsaussichten insbesondere. Denn jetzt neue Sponsorenverträge abzuschließen, ohne sicher zu wissen, wie die nächste Saison ablaufen kann, ist schwierig. Das ist eine echte Herausforderung für die Manager.

Wie kann die BBL den Vereinen unter die Arme greifen? Wir haben ein mehrstufiges Lizenzierungsverfahren aufgesetzt. Im Normalfall hätten die Clubs am 15. April ihre Lizenzanträge abgeben müssen, mit einer kompletten Planung für die neue Saison und den Sponsorenverträgen, die sie haben. Das haben wir insofern verändert, indem wir gesagt haben: Jeder, der will, bewirbt sich mal in einer Kurzfassung. Die ganzen spieltechnischen Voraussetzungen müssen natürlich erfüllt sein, aber bei den Finanzen schauen wir mal, wie sich das weiterentwickelt. In einem zweiten Schritt haben wir gesagt: Ihr müsst sicherstellen, dass ihr zum Saisonende – also 30. Juni 2020 – mit einer schwarzen Null dasteht, also keine Zahlungsprobleme und damit auch keine Insolvenz habt. Dazu haben wir die Clubs aufgefordert, monatlich eine Cash-Planung abzuliefern. Das haben sie am 15. Mai auch wieder brav gemacht. Nach den Daten, die uns vorliegen, bin ich sehr zuversichtlich, dass die Clubs diese Saison alle ordentlich überstehen werden. Das ist schon mal ein ganz guter Anfang. Denn es gab ja die Befürchtung, dass einige Clubs schon in dieser Saison zahlungsunfähig werden könnten. Das ist nicht der Fall. Das gilt übrigens auch für die beiden Aufsteiger, Chemnitz und Bremerhaven.

Was sind die nächsten Schritte im Lizenzierungsverfahren? Bis zum 31. Mai müssen die Clubs eine erste Planung für die neue Saison abliefern. Mit zwei Szenarien, die sie mal ausrechnen müssen. Das erste ist relativ normal, was aber nicht ganz wahrscheinlich ist. Und eben auch eine Art Worst Case: Was machen sie denn, wenn sie längere Zeit ohne Zuschauer spielen müssen? Anfang Juni werden sich der Lizenzliga- und Gutachterausschuss zusammensetzen und sich die Zahlen angucken. Anschließend wird man überlegen, wie das weitere Lizenzierungsverfahren laufen kann. Nach dem 30. Juni wird es ernst. Dann müssen wir festlegen, was wir mit unseren Standards machen.

... die ja erst mal nur ausgesetzt sind. Richtig. Die Standards sind ausgesetzt, aber nicht aufgehoben. Sie gelten nach wie vor. Es geht einmal um den Mindestetat von drei Millionen Euro. Und es geht darum, dass die Clubs ein positives Eigenkapital von 250 000 Euro nachweisen müssen, woran Bremerhaven im vergangenen Jahr aufgrund der Überschuldungssituation gescheitert ist. Die tut zwar nicht weh, weil die Stadt Bremerhaven für die Schulden bürgt, aber nach unseren Regularien ist das eben kein positives Eigenkapital. Das werden wir Anfang Juni zu diskutieren haben. Ich gehe davon aus, dass deutlich weniger Geld im System sein wird.

Würden Sie es in diesem Zusammenhang für sinnvoll halten, dass sich die BBL an der Deutschen Eishockey-Liga ein Beispiel nimmt, wo die Clubs 25 Prozent der Spielergehälter zunächst einmal einfrieren? Das ist sicherlich eine Überlegung wert, aber das ist jetzt noch zu früh. Wir werden das im Juni zu überlegen haben, wie wir die neue Saison angehen. Das ist eine von mehreren denkbaren Möglichkeiten. Ich halte das für eine interessante und auch clevere Idee.

Müsste aus Ihrer Sicht die Politik mehr helfen, über das Instrument der Kurzarbeit hinaus? Es erklären sich zurzeit ja viele Branchen für systemrelevant – warum nicht auch der Profi-Sport? Ach, das ist ein großes Wort. Da tue ich mich schwer damit, den Profi-Sport als systemrelevant zu bezeichnen. Es wäre natürlich wünschenswert. Und die Ligen – auch die BBL – bemühen sich über ihre politischen Kanäle auch, Unterstützung zu bekommen. Aber da habe ich meine Zweifel, ob das funktionieren wird. Wir müssen schon versuchen, das selbst hinzukriegen. Das Kurzarbeitergeld hat sehr geholfen – fast alle Clubs haben das in Anspruch genommen. Eine weitere Förderung darüber hinaus halte ich für schwierig.

Die Fußball-Bundesliga hat ihren Neustart mit Geisterspielen gefeiert. Stimmt es, dass dieser Weg für Sportarten wie Basketball, Handball und Eishockey wegen der größeren Abhängigkeit von den Zuschauereinnahmen nicht gangbar ist? Es gibt einige wenige Clubs, die das vielleicht auch überstehen würden, weil sie einen starken Mäzen oder Sponsor haben. Aber für die meisten Clubs wäre es extrem schwierig, wenn wir die ganze Saison ohne Zuschauer spielen müssten. Im Schnitt machen die Zuschauereinnahmen 30 Prozent aus, gut 50 Prozent sind Sponsorenerträge. Dabei handelt es sich ja oft um lokale Sponsoren. Wenn keine Zuschauer in der Halle sind, werden die sich das überlegen – abgesehen von den wirtschaftlichen Schwierigkeiten, die der eine oder andere haben mag.

Die BBL wird im Juni die bislang unterbrochene Saison in Turnierform in München fortsetzen. Kann ein Erfolg dieses Experiments zur wirtschaftlichen Gesundung beitragen? Ich halte das für ein super Konzept. Das wird auch funktionieren, da bin ich relativ sicher. Der Sinn war weniger, Gewinn zu machen, sondern Einnahmeausfälle zu reduzieren. Wir wollen damit in die Zukunft investieren, um jetzt sichtbar zu sein.

Das dürfte der Verbindung zum Fernsehpartner Magentasport sicher nicht abträglich sein, oder? Ja, wir haben mittlerweile eine sehr gute Beziehung. Auch eine sehr ertragreiche, wenn man das mit der Vergangenheit vergleicht. Das hilft uns jetzt. Da Magentasport die restlichen Spiele übertragen kann, sehen wir auf der Einnahmeseite ein erhebliches Plus, was wir zur Finanzierung dieses Turniers nutzen können. Das kostet nämlich ein Heidengeld.

Lassen Sie uns noch einen Blick auf die Eisbären werfen, für die Sie sich ja vor Ihrem Wechsel an die BBL-Spitze als Vorsitzender des Beirats engagiert haben. Wie schätzen Sie die Chancen der Eisbären ein, eine BBL-Lizenz zu erhalten? Unser Gutachterausschuss war von der Qualität der Unterlagen angetan. Das war in den letzten beiden Jahren nicht immer so. Die Krux wird sein, wie sich die Liga aufgestellt, was das positive Eigenkapital betrifft. Ob das eine so große Hürde wird, dass die Eisbären nicht in der BBL spielen werden, weiß ich nicht. Das wäre Spekulation.

Sie haben die Eisbären ja lange begleitet. Haben Sie eine Erklärung dafür, warum nach den erfolgreichen Anfangsjahren nach dem BBL-Aufstieg 2005 Stagnation eingekehrt ist, vor dem Abstieg 2019 sicher auch eine Abwärtsspirale? Was ist da aus Ihrer Sicht schiefgelaufen? Da tue ich mich ein bisschen schwer, das im Detail zu bewerten. Ich bin ja bei den Eisbären ausgeschieden, als ich Präsident der Liga wurde. Und das ist schon länger her. Ich denke aber, dass der Abschied von Jan Rathjen als Manager ein Einschnitt war. Die anderen Clubs haben aufgeholt, aber die Eisbären waren auch nicht Tabellenletzter beim Etat. Insofern hätte man durchaus mal für eine positive Überraschung sorgen können, was andere Clubs wie Vechta oder Crailsheim mit gutem Scouting vorgemacht haben – oder wie die Eisbären früher.

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