Tierärztin Tatjana Rusch (Bild) macht mit Ute Kellmer in der Bremerhavener Innenstadt unweit der Fußgängerzone ein Katzenhotel auf.

Tierärztin Tatjana Rusch (Bild) macht mit Ute Kellmer in der Bremerhavener Innenstadt unweit der Fußgängerzone ein Katzenhotel auf.

Foto: Lothar Scheschonka

Tierärztin Tatjana Rusch (Bild) macht mit Ute Kellmer in der Bremerhavener Innenstadt unweit der Fußgängerzone ein Katzenhotel auf.

Heute

In Bremerhaven öffnet ein Katzenhotel

Viele denken: Hunde nimmt man am besten überall mit hin, und Katzen können zu Hause bleiben, wenn ein Nachbar sie füttert. Doch das ist ein Mythos, betont Tierärztin Dr. Tatjana Rusch. Mit schlimmen Folgen für die Stubentiger – egal, ob der Besitzer im Urlaub, im Krankenhaus oder in der Reha ist. Deshalb eröffnet die Veterinärin gemeinsam mit Tierschützerin Ute Kellmer nun ein Katzenhotel in der Seestadt.

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Insbesondere zwei heftige Erlebnisse haben Rusch dazu bewogen, die Idee mit dem Hotel namens „Gismos Inn“ in die Tat umzusetzen. Fall eins: Im vergangenen Sommer sei eine Katze, die sich wegen Diabetes bei ihr in Behandlung befindet, während des Urlaubs der Besitzer von einer Sitterin versorgt worden. Das Tier muss zweimal am Tag eine Insulinspritze bekommen. Doch die Betreuerin war damit überfordert und habe mindest siebenmal pro Tag in der Praxis angerufen.

Abgesehen davon, dass dies für alle Beteiligten nervenaufreibend gewesen sein muss, zeige dieses Beispiel folgendes Problem: Nicht wenige Herrchen und Frauchen haben ein chronisch krankes Tier zu Hause, um das sich nicht jeder kümmern kann. Auf einen Urlaub verzichten die Betroffenen dann oftmals sogar.

Halterin muss in die Reha

Fall zwei: Eine ältere Dame musste für drei Monate in die Reha. Während dieser Zeit ließ sie ihren Liebling von einem Nachbarn versorgen. Nach einer gewissen Zeit sollte Rusch dem Tier die Krallen schneiden. „Als ich in die Wohnung gekommen bin, hat mich fast der Schlag getroffen“, berichtet sie. Alle Räume seien – vermutlich stressbedingt – mit Erbrochenem verschmutzt gewesen. Die Katze habe apathisch in der Ecke gesessen.

Am 10. März öffnet das Katzenhotel von Tierärztin Tatjana Rusch und Ute Kellmer (Foto).

Am 10. März öffnet das Katzenhotel von Tierärztin Tatjana Rusch und Ute Kellmer (Foto).

Foto: Lothar Scheschonka

Gerade anhand der zweiten Begebenheit werde eine Sache ganz deutlich: „Katzen sind keine Zimmerpflanzen“, sagt die Veterinärin. Doch leider halte sich die Annahme, dass Katzen sich in ihrer gewohnten Umgebung am wohlsten fühlen, hartnäckig. „Hierbei werden ,gewohnt‘ und ‚Umgebung‘ verwechselt“, meint die Ärztin. Ja, Katzen seien Gewohnheitstiere. Es gehe hierbei allerdings nicht vorrangig um die Örtlichkeit, sondern um den Alltag insgesamt. „Und zu diesem gehören ihr bekannte Menschen sowie der gewohnte Sozialkontakt inklusive Ritualen wie das Spielen und Bürsten.“ Eine Katze, deren Bezugspersonen abwesend sind und die lediglich von der Nachbarschaft ein-, zweimal täglich mit einer Stippvisite bedacht wird, leide.

Kann jemand einhüten?

Was also tun? Eine Möglichkeit sei es, jemanden einhüten zu lassen, den die Samtpfote kennt, und der in dieser Zeit auch in die Wohnung einzieht. Dass sich so jemand findet, sei allerdings eher unwahrscheinlich, meint Rusch.

Eine weitere Lösung könnte es sein, dem Tier verschiedene Lebenssituation so anzutrainieren, dass man es mit in den Urlaub nehmen kann. Flugreisen oder gar Krankenhausaufenthalte und dergleichen seien dann aber immer noch nicht abgedeckt. Die dritte Option bestehe darin, die Katze in einem Katzenhotel unterzubringen.

In Bremerhaven habe es so eine Einrichtung bislang nicht gegeben, sagt die Tierärztin. Gemeinsam mit Ute Kellmer habe sie deshalb beschlossen, diese Lücke zu füllen. Kellmer kommt aus dem Tierschutz und betreut Katzenfutterstellen in der Stadt – unter anderem die am Klinikum Reinkenheide.

Die quadratischen Fächer des beliebten Regals eines schwedischen Möbelherstellers sind auch bei Katzen ganz weit vorne.

Die quadratischen Fächer des beliebten Regals eines schwedischen Möbelherstellers sind auch bei Katzen ganz weit vorne.

Foto: Lothar Scheschonka

Eröffnung ist am 10. März

Das Katzenhotel öffnet am Mittwoch, 10. März, in der Löningstraße 12 seine Türen. Es befindet sich direkt über der Tierarztpraxis von Tatjana Rusch und unter der Privatwohnung der Veterinärin. Auf 90 Quadratmetern ist Platz für 15 bis 25 Samtpfoten. „Regulär können wir 15 aufnehmen, doch wenn das Veterinäramt Fälle aus dem Tierschutz bei uns unterbringen möchte, haben wir eine Genehmigung für bis zu 25 Katzen“, berichtet sie.

Die Räume der Wohnung sind in mehrere Zimmer unterteilt worden, die jeweils Platz für bis zu vier Katzen bieten. Es gibt Kletterregale, Versteckmöglichkeiten und Bretter an den Wänden, die als „Catwalk“, also Katzen-Laufsteg, dienen. Es werden nur Tiere gemeinsam untergebracht, die sich entweder schon kennen, oder die zumindest gut harmonieren.

Verhaltenstherapeutische Zusatzausbildung

Für den Fall, dass einer der tierischen Gäste auch nachts medizinisch betreut werden muss, kann Ute Kellmer ebenfalls ihr Nachtlager im Hotel aufschlagen. Da Rusch über eine verhaltenstherapeutische Zusatzatzausbildung verfügt, könne sie zudem sicherstellen, dass es nicht unerkannt bleibe, wenn es einer Katze schlecht gehe. Sitzt ein Tier beispielsweise ruhig in einer Ecke, sei das nicht unbedingt ein gutes Zeichen, wie so mancher annimmt. „Die Katze kann sich dann im sogenannten Freeze befinden. Sie ist starr vor Angst und glaubt, ihr letztes Stündlein hat geschlagen“, erläutert Rusch. In so einem Fall müsse eingegriffen werden.

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