Jürgen Gorges hat Spaß daran, abgelegte Dinge sinnvoll, schön oder einfach außergewöhnlich weiterzuverwenden.

Jürgen Gorges hat Spaß daran, abgelegte Dinge sinnvoll, schön oder einfach außergewöhnlich weiterzuverwenden.

Foto: Lammers

Jürgen Gorges hat Spaß daran, abgelegte Dinge sinnvoll, schön oder einfach außergewöhnlich weiterzuverwenden.

Heute

Kann das schon weg oder wird das jetzt Kunst?

Jürgen Gorges hat einen besonderen Blick. In Dingen, die für andere Menschen ein Fall für die Müllverbrennung sind, erkennt er Potenzial. Und dann packt er an. Am Ende wird aus einem Stückchen Schwemmholz ein zauberhaftes kleines Boot, aus einer alten Obstkiste ein Kalender. Gelebte Nachhaltigkeit, die auf diese Weise ihren Weg beispielsweise auf weihnachtliche Gabentische findet. Wie eine ganze Reihe anderer Produkte, die auf dem Regiomarkt in Beverstedt angeboten werden.

Kreis-Icon-Nordstern

Frisch gestrichen steht er da, der kleine Marktwagen. Darauf angerichtet ziehen die ungewöhnlichsten Dinge Blicke auf sich. Den Wagen hat Gorges aus Fußbodenholz gebaut. Aus Resten, die ein Bekannter bei Renovierungsarbeiten übrig behalten hat. Und auch von Gorges Reste-Verwertung in Gestalt des Marktwagens sind noch Holzstücke übrig. Keine Frage, dass auch die garantiert nicht auf dem Müll landen werden. Denn der Pensionär entwickelt im Prinzip für fast alles noch Ideen für eine sinnvolle, eine schöne oder einfach eine außergewöhnliche Weiterverwendung.

„Gebrauchskunst“ nennt er das, was er da praktiziert. Eine Mischung aus Nützlichkeit und Kunst. Mal haben die Resultate mehr Anteile der einen, mal mehr Anteile der anderen Komponente. Ob die Schiffchen schwimmen? Wer weiß? Auf jeden Fall sind sie außergewöhnlich hübsch anzusehen. Ob bei den kleinen auf Bierdosen oder Holzstücken befestigten Lampenschirmen die Nützlichkeit oder der künstlerische Ansatz im Vordergrund stehen? Das ist wahrscheinlich eine ganz individuelle Bewertung.

Aus Kitsch wird durch Gorges Hand Kunst

„Von den Lampenschirmen habe ich mal eine ganze Kiste bekommen“, sagt Gorges. Pur, also ohne die originellen Unterbauten findet seine Ehefrau Helga sie schlichtweg „scheußlich“. Mit Unterbauten sieht die Sache schon anders aus. Durch seine Verarbeitung macht Gorges hier aus Kitsch Kunst.

Seine Produkte stellt Jürgen Gorges regelmäßig auf dem Regiomarkt in Beverstedt aus.

Seine Produkte stellt Jürgen Gorges regelmäßig auf dem Regiomarkt in Beverstedt aus.

Foto: Lammers

„Ein Bekannter von mir wollte eine große Menge Leitz-Ordner wegwerfen, weil er sie nicht mehr brauchte“, erzählt Gorges. Gorges konnte sie gebrauchen. Sehr sogar. Er montierte die Klemmvorrichtungen aus den Ordnern, kombinierte sie mit dem Holz alter Obstkisten und erschuf so eine ganze Reihe neuer, außergewöhnlicher Gegenstände, wie das „Merkholz“ zum Beispiel, ein Brett, auf dem sich Notizen sammeln lassen. Oder Bilderhalter und Kalender.

Die Produkte werden regelmäßig angeboten

So leicht wie dem 69-Jährigen das Ausbrüten neuer Gebrauchskunst zu fallen scheint, so schwer ist es für ihn, Dinge einfach wegzuwerfen. „Ich hatte schon immer ein Faible für alles Alte, habe schon immer gerne alte Burgen und Schlösser besucht“, sagt er. Kein Wunder also, dass es für ihn etwas besonders Erfüllendes ist, wenn er aus etwas Altem etwas völlig Neues gestaltet: „Es ist wunderbar, mit den Händen etwas zu erschaffen“, erzählt Gorges über das, was auf Neudeutsch als Upcycling bezeichnet wird. „Von dem Umweltaspekt ganz zu schweigen.“

Seinen Marktwagen mit den Gebrauchskunst-Artikeln stellt Gorges regelmäßig auf den Regiomarkt in Beverstedt und wird somit zum Anziehungspunkt für alle, die beispielsweise an Weihnachten etwas Nachhaltiges und Außergewöhnliches verschenken möchten.

Neben seinen Upcycling-Produkten bietet Jürgen Gorges auch Olivenöl und Haushaltswaren aus Olivenbaumholz feil.

Neben seinen Upcycling-Produkten bietet Jürgen Gorges auch Olivenöl und Haushaltswaren aus Olivenbaumholz feil.

Foto: Lammers

Oliven von der familieneigenen Plantage in Griechenland

Mehr zu diesem Thema

Die Autoren empfehlen ergänzend zu diesem Artikel noch dieses weitere Stück:

Dort finden sich noch allerhand weitere Inspirationen für umweltfreundliche Geschenke. Am Stand von Jutta Koch beispielsweise finden die Marktbesucher nicht nur das von ihr und ihrem Mann produzierte Bio-Oliven-Öl, sondern auch allerhand schöne Haushaltsgegenstände aus dem Holz der Olivenbäume. Für die Schneidebretter, Salatbestecke und Bretter für Dip-Schalen musste kein Baum sterben, denn: „Es stammt ausschließlich aus den Verjüngungsschnitten, die wir zur Erhaltung der Bäume regelmäßig vornehmen“, sagt Jutta Koch.

Die zum Teil Jahrhunderte alten Olivenbäume stehen auf den Plantagen der Familie in Griechenland. Sie bringen kaltgepresstes Bio-Öl hervor. Dazu liefert Jutta Koch die für nordeuropäische Ohren ganz und gar nicht alltägliche Herstellungsgeschichte des Öls aus erster Hand.

nach Oben