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AWI-Direktorin Antje Boetius (links) sichtlich gut gelaunt bei der Schaffermahlzeit.

AWI-Direktorin Antje Boetius (links) sichtlich gut gelaunt bei der Schaffermahlzeit.

Foto: Lothar Scheschonka

Heute Bremer Schaffermahlzeit

Klimaschutz ist das Thema bei diesjähriger Schaffermahlzeit

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Der Frack ist am Freitag auch für Deutschlands bekannten Modedesigner Pflicht: Guido Maria Kretschmer ist Gast bei der 476. Bremer Schaffermahlzeit. Der Shopping-Queen-Moderator hätte aber auch gar nichts anderes anziehen wollen. „Nein, ich finde das schön im Frack“, sagt er. „Ich mag das sehr.“ Für Unruhe sorgten Klimademonstranten, die durch ihre Blockade des Rathaus-Eingangs den streng getakteten Zeitplan der Schaffermahlzeit zu stören drohten.

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Styling-Tipps wollte Guido Maria Kretschmer den je 100 Kapitänen, Kaufleuten und Gästen auch nicht geben. „Nein, das ist ja so ein Traditionsding“, sagt Kretschmer und kommt sympathisch und authentisch rüber. „Ich finde es ganz schön, dass es noch so manche Dinge gibt, die immer so bleiben. Das ist ja so wie die Krawatten, die Männer immer noch tragen. Im Grunde ist es verrückt, dass solche Artikel noch da sind.“

Das Menü bei der Schaffermahlzeit folgt einem strengen Zeitplan. Es dauert fünf Stunden, dazwischen gibt es zwölf Reden. „Ich hoffe, dass ich gute Tischnachbarn habe“, sagt Kretschmer. Rechts neben ihm an der langen Tafel in der Bremer Rathaushalle sitzt CTS-Eventim-Chef Klaus-Peter Schulenberg, der ihn eingeladen hat. Bremen mag er sehr. „Ich bin ein großer Fan der Kunsthalle.“

Pünktlichkeit statt spontanes Gespräch

Zunächst droht der Zeitplan am Freitag allerdings aus dem Takt zu geraten, weil Klimademonstranten mit Sitzblockaden vor dem Rathaus gegen den diesjährigen Ehrengast, Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU), und Siemens-Chef Joe Kaeser demonstrieren, der ebenfalls als Gast vor Ort ist. „Wir sind hier, wir sind laut, weil Altmaier uns die Zukunft klaut“, schallt es vom Marktplatz hoch in die Rathaushalle.

Klimademonstranten blockierten den Eingang zum Bremer Rathaus.

Klimademonstranten blockierten den Eingang zum Bremer Rathaus.

Foto: Lothar Scheschonka

Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) und Altmaier bieten den Demonstranten ein spontanes Gespräch im Rathaus an, aber das wird abgelehnt. Bovenschulte sei darüber enttäuscht gewesen, sagt ein Sprecher später. Die Schaffer nutzen dann einen anderen Eingang, und die Mahlzeit kann pünktlich beginnen.

Altmeier „erfreut“ über Einladung zur Schaffermahlzeit

Altmaier kündigt an, in seiner Rede auf die Energiewende eingehen zu wollen. Er verspricht: „Wir wollen mehr Offshore-Windenergie ausbauen. Das wird allerdings auch voraussetzen, dass die norddeutschen Bundesländer sich darüber einigen, wo die Leitungen verlaufen, die wir brauchen, um diesen Strom dann nach Nordrhein-Westfalen, nach Bayern, nach Baden-Württemberg zu transportieren.“

Der bis in den Abend andauernden Schaffermahlzeit sieht er entspannt entgegen: „Als Saarländer bin ich sehr geeicht, wenn es darum geht, gesellige Zusammenkünfte zu machen. Das hier ist eine der bekanntesten Zusammenkünfte, wo bei gutem Essen auch Politik gemacht wird. Deshalb habe ich mich über die Einladung riesig gefreut. Das ist auch eine Verpflichtung für die Zukunft.“

Dr. Antje Boetius

AWI-Direktorin Antje Boetius spricht über die Geschlechterfrage bei der Schaffermahlzeit und die Klimademonstranten vor dem Bremer Rathaus.

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Boetius: Abend nutzen für zielführende Gespräche

Die Direktorin des Alfred-Wegener-Institutes, Prof. Antje Boetius, ist eine von 15 Frauen, die in diesem Jahr erstmals in dieser größeren Zahl an der Traditionsveranstaltung teilnehmen.

„Was mich gerade bewegt, ist, dass draußen vor der Tür so viele Mitarbeiter, Schüler und Studierende sitzen, die gegen der Umwelt abträgliches Verhalten protestieren“, sagt sie. „Beim Hineinlaufen habe ich darüber nachgedacht, wie wir diese Spaltung überwinden können, dass die einen fühlen, die anderen klauen ihnen die Zukunft. Dabei müssen wir uns doch eigentlich alle zusammen eine neue Zukunft bauen.“

Prof. Dr. Antje Boetius mit dem Verleger der NORDSEE-ZEITUNG, Matthias Ditzen-Blanke (links) und Philipp Krause, Goslarsche Zeitung.

Prof. Dr. Antje Boetius mit dem Verleger der NORDSEE-ZEITUNG, Matthias Ditzen-Blanke (links) und Philipp Krause, Goslarsche Zeitung.

Foto: Lothar Scheschonka

Sie habe auf dem Weg ins Rathaus bereits viele Einladungen zu Aussprachen bekommen, die zeigten, „dass es in der Wirtschaft eine große Bewegung gibt, wie wir jetzt in die Zukunft kommen, die wir brauchen“. Das Anliegen der „Fridays-for-Future“-Bewegung für eine bessere Zukunft unterstütze sie. „Ich sehe das nur nicht so, dass die Menschen, die jetzt hier versammelt sind, die Feinde sind, sondern ich sehe es so, dass so ein Abend genutzt werden kann, um gute Gespräche zu führen und zusammen weiterzukommen“, sagt Boetius.

Erster Schaffer mit türkischen Wurzeln

Auch das ist neu bei der diesjährigen Schaffermahlzeit: „Ich bin mit Sicherheit der erste Schaffer, der ein Kind türkischer Gastarbeiter ist und gleichzeitig auch der erste Muslim, der Mitglied im Haus Seefahrt geworden ist“, sagt der diesjährige zweite Schaffer, Bülent Uzuner, in seiner Rede. Diese Öffnung sei im Jahr 2020 durchaus möglich, und er hoffe sehr, „dass es zu einem Bestandteil der Tradition dieses Hauses wird“, so Uzuner weiter.

Die drei Schaffer mit ihren Ehefrauen (von links): Friederike und Max Roggemann, Eran Cook und Thomas Kriwat, Sabine und Bülent Uzuner.

Die drei Schaffer mit ihren Ehefrauen (von links): Friederike und Max Roggemann, Eran Cook und Thomas Kriwat, Sabine und Bülent Uzuner.

Foto: Lothar Scheschonka

Es sei daher eine große Ehre, ausgerechnet die Rede auf Bundespräsident und Vaterland halten zu dürfen. Uzuner richtet das Mahl gemeinsam mit dem ersten Schaffer, Thomas Kriwat, und dem dritten Schaffer, Max Roggemann, aus. Bei der Schaffermahlzeit werden Spenden für den Zweck der Stiftung Haus Seefahrt gesammelt. Damit werden in Not geratene Seeleute und ihre Hinterbliebenen unterstützt. Auch Nautik-Studenten werden gefördert. Die Höhe der Spenden wird nicht veröffentlicht.

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