Ein Mann zeigt auf einem Smartphone ein Foto seines von Krätze befallenen Fußes. Derzeit gibt es in der Seestadt vermehrt Fälle der durch Skabiesmilben verursachten Erkrankung.

Ein Mann zeigt auf einem Smartphone ein Foto seines von Krätze befallenen Fußes. Derzeit gibt es in der Seestadt vermehrt Fälle der durch Skabiesmilben verursachten Erkrankung.

Foto: Kaiser/dpa

Ein Mann zeigt auf einem Smartphone ein Foto seines von Krätze befallenen Fußes. Derzeit gibt es in der Seestadt vermehrt Fälle der durch Skabiesmilben verursachten Erkrankung.

Heute

Mehr Krätze-Fälle im Klinikum

Schon allein der Begriff kann bei empfindlichen Gemütern Juckreiz verursachen: Krätze. Wer dann noch weiß, dass bei dieser Erkrankung kleine Spinnentiere, auch Milben genannt, Kanäle in die Haut bohren, um dort Eier und Kot abzulegen, hofft inständig, niemals Bekanntschaft mit ihr machen zu müssen. Im Klinikum Reinkenheide stellen die Ärzte aktuell jedoch vermehrt Krätze-Fälle fest.

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„Jede Woche stellen sich bei uns zahlreiche Patienten, teilweise ganze Familien vor, die an Krätze erkrankt sind“, berichtet Dr. Michael Sachse, Chefarzt der Dermatologie im Klinikum Reinkenheide. Deutlich mehr, als es noch vor rund zwölf Monaten der Fall war. Die Betroffenen kommen aus allen Schichten und kulturellen Kreisen.

Bevor die Patienten jedoch im Krankenhaus aufgenommen werden, haben sie zumeist eine längere Leidensgeschichte hinter sich. Sie werden geplagt von einem extremen Juckreiz, insbesondere dann, wenn die Betroffenen zur Ruhe kommen, also abends und nachts. Ein Indiz, mit dessen Hilfe sich die Krätze vorab von einer Allergie abgrenzen lässt. Beim gezielten Blick durch die Lupe entlarven Mediziner dann die Existenz der Quälgeister, die sich bei ihren Wirten eingenistet haben.

Behandlung erfolgt zunächst ambulant

„Die Behandlung erfolgt zunächst ambulant bei Haus- oder Hautärzten“, erläutert Sachse. Dazu gehören das Eincremen des gesamten Körpers sowie Sanierungsmaßnahmen des Wohnumfeldes. Textilien müssen gewaschen, Kuscheltiere luftdicht verpackt werden.

Doch auch die akribische Bekämpfung der Plagegeister scheitert häufig. Warum das so ist, lässt sich nicht eindeutig beantworten: „Es gibt Überlegungen, ob die Milben eine Art Resistenz gegen die bislang zur Bekämpfung verwendeten Wirkstoffe gebildet haben“, sagt Sachse. Diese Hypothese würde zurzeit diskutiert. „Das Universitätsklinikum in Halle, mit dem wir intensiv zusammenarbeiten, forscht gerade an neuen Rezepturen“, berichtet Sachse. Ein weiterer Aspekt sei die Tatsache, dass sich das Wohnumfeld teilweise nur schwierig konsequent reinigen lasse: „Besonders bei Polstermöbeln“, nennt Sachse ein Beispiel.

Michael Sachse.

Michael Sachse.

Foto: Andrea Lammers

Hinzu komme der sogenannte Pingpong-Effekt: Wenn es nur einem Familien-Mitglied nicht gelingt, den Milben durch konsequentes Cremen Einhalt zu gebieten, werden schnell die genesenen Familienmitglieder wieder infiziert. Weitergegeben wird die Krätze nämlich über engen Hautkontakt, weshalb sie häufig zwischen Kindern und ihren Eltern, Partnern oder auch pflegebedürftigen Personen und ihren Betreuern übertragen wird. „Für die Übertragung reichen fünf bis zehn Minuten Hautkontakt“, sagt der Mediziner.

Trotz monatelanger ambulanter Behandlung gelänge es zuweilen nicht, Familien von der Infektion zu befreien. Schlussendlich steht dann die Aufnahme in der Dermatologie an. „Da die Milben lediglich 48 Stunden außerhalb des menschlichen Körpers überleben können, ist nach einer Aufnahme auch das Wohnumfeld saniert“, sagt Sachse. Besonders dramatisch sei es, wenn Kinder aufgrund dauerhaften Krätzebefalls teilweise monatelang nicht in die Schule dürften. Um derartige Nachteile zu verhindern, pflegt die Dermatologie einen kurzen Draht zu Haus- und Hautärzten, damit eine kurzfristige Vorstellung in der Klinik erfolgen kann. Informationen finden Betroffene online.

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