Die Blaumeise lässt sich am Futterspender ihre Mahlzeit schmecken. Das ist nicht nur für den Vogel ein Genuss, sondern auch für die Menschen, die ihn dabei beobachten können.

Die Blaumeise lässt sich am Futterspender ihre Mahlzeit schmecken. Das ist nicht nur für den Vogel ein Genuss, sondern auch für die Menschen, die ihn dabei beobachten können.

Foto: picture alliance / dpa

Die Blaumeise lässt sich am Futterspender ihre Mahlzeit schmecken. Das ist nicht nur für den Vogel ein Genuss, sondern auch für die Menschen, die ihn dabei beobachten können.

Heute

Meisen mögen Erdnüsse, Buchfinken lockt man mit Mohn

Wenn es draußen kalt und ungemütlich ist, bietet die Natur ein ganz besonderes Programm, um das Herz zu erwärmen. Kostengünstig und obendrein mit naturschützendem Effekt: das Beobachten von Vögeln an ihren Futterstellen. Die Vogelfütterungen sind gerade in Städten ein wichtiger Beitrag zum Naturerleben, sagt Bernd Quellmalz vom BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz). Auf was es zu achten gilt, damit es den Vögeln mit den Fütterungen auch gut geht, wissen der BUND-Regionalleiter und Amelie Bensch vom Tierschutzverein Bremerhaven.

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Haferflocken, Sonnenblumenkerne, Rosinen und auch schon mal ein aufgeschnittener Apfel. Bei Tierschützerin Amelie Bensch ist die Tafel für die gefiederten Gäste reichhaltig gedeckt. „Was man den Tieren auf gar keinen Fall anbieten sollte, sind Brot, sonstige Lebensmittelreste und salzige Dinge, denn die können für die Tiere tödlich sein.“ Wer gerne auf gängige Vogelfuttermischungen zurückgreifen möchte, dem empfiehlt Amelie Bensch Futterstationen, bei denen das Futter von oben nach unten nachrutscht. Dafür rät sie nachdrücklich von Futternetzen ab. „Die Gefahr, dass die Tiere sich darin mit ihren Beinchen verheddern und hängen bleiben, ist sehr groß“, so Amelie Bensch. Zu einer tödlichen Falle können auch die beliebten Futterhäuschen werden, sofern sie nicht regelmäßig gründlich gereinigt werden. Darauf weist auch Bernd Quellmalz hin. „Am Futterhäuschen können sich Kinder und Erwachsene mit unserer vielfältigen Vogelwelt vertraut machen.“ „Dort dem bunten Treiben zuzuschauen, ist für viele Menschen eine große Freude.“ Aber: „Damit sich die Futterstelle nicht zu einem Infektionsherd entwickelt, sollte sie auf jeden Fall regelmäßig gesäubert werden.

Futter vermischt sich mit Kot

Bernd Quellmalz ist BUND-Sprecher.

Bernd Quellmalz ist BUND-Sprecher.

Foto: Andreas Palme

Denn in den klassischen Futterhäuschen, in denen die Vögel beim Fressen sitzen, vermischt sich das Futter leicht mit dem Vogelkot. Die bessere Alternative: „In einem sogenannten Futtersilo ist das Futter vor Verunreinigung durch Kot geschützt“, gibt der Biologe einen Tipp. „Außerdem ist darin die Gefahr geringer, dass es nass wird und schimmelt.“ Mit speziellem Vogelfutter für Körner fressende Gartenvögel könnten gezielt Haussperling, Dompfaff, Buchfink und der Stieglitz an das Silo gelockt werden. „Diese Arten mögen ölhaltige, energiereiche Sämereien wie dunkle Sonnenblumenkerne oder Mohn. Weichfutterfresser, wie Amsel, Rotkehlchen oder Heckenbraunelle kann man eine Zeit lang mit Obststücken, Rosinen oder getrockneten Wildbeeren erfreuen. Für Meisen schließlich sind die bekannten Meisenknödel oder Meisenringe sowie Drahtbehälter mit naturbelassenen Erdnüssen das richtige Angebot“, verrät Quellmalz.

„Beim Kauf von Vogelfutter sollte auf jeden Fall darauf geachtet werden, kein Körnerfutter mit Samen des für uns Menschen hoch allergenen Traubenkrauts Ambrosia zu kaufen. Die breitet sich derzeit aggressiv aus“, warnt er.

Doch in welchem Zeitraum sollen die gefiederten Freunde denn nun eigentlich an den gedeckten „Tisch“ gelockt werden? „Von November bis Ende Februar“, gibt Amelie Bensch als Richtwert für das Füttern an. „Nicht über die kalte Jahreszeit hinaus.“ Und das trotz des immer spärlicher werdenden Angebotes von Insekten. Den Grund für die zeitliche Limitierung der Fütterung beschreibt Quellmalz so: „Viele Vogelarten in Deutschland sind bedroht, beispielsweise durch die Zerstörung ihrer Lebensräume. Da hilft das zusätzliche Futterangebot leider nur wenig.“ Grundsätzlich seien Vögel auf das jahreszeitlich wechselnde Futterangebot eingestellt. „Ein Zuviel kann das ökologische Gleichgewicht sogar ins Wanken bringen“, sagt Quellmalz. „So nehmen nur wenige Arten das Futter an. Kommen Standvogel-Populationen wie die der Kohlmeise damit vermehrt durch den Winter, finden Zugvögel wie der seltene Trauerschnäpper und der Gartenrotschwanz bei ihrer Rückkehr nur noch wenige freie Nistplätze vor. Er schlägt einen anderen Ansatz vor, um den Tieren zu helfen: „Nachhaltiger können Vogelfreunde ihren Schützlingen helfen, wenn sie im Herbst Gartenstauden stehen lassen, heimische Gehölze pflanzen und Kompost- oder Laubhaufen anlegen. So werden zum Beispiel Nischen für Insekten und ein Angebot an Wildbeeren geschaffen“, erklärt der BUND-Sprecher. „Das ist dann gelebter Vogelschutz.“

Lebensräume erhalten

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Die Vogelfütterung könne den Vögeln im Winter bei Futtermangel helfen, nicht aber im Frühjahr und Sommer, wenn die Elternvögel ihre Jungen ausschließlich mit Insekten füttern. Insgesamt ist die Vogelfütterung keine Maßnahme, um der Abnahme der Vogelbestände entgegenzuwirken. „Sie erreicht bestenfalls 15 Vogelarten. Vielmehr benötigt es intakte Lebensräume, das heißt naturnahe Grünanlagen, Gärten und Balkone mit heimischen Wildblumen und -sträuchern im Siedlungsbereich sowie naturbelassene Feldgehölze, Wegeseitenränder, Wälder und so weiter im ländlichen Raum. Insgesamt braucht es mehr Wildnis-Bereiche im Garten und in der Landschaft.“ Außerdem müsse dringend der Einsatz von Pestiziden und Dünger in der Landwirtschaft, aber auch in Gärten reduziert werden.

Quellmalz empfiehlt daher eine Vogelfütterung vor allem bei geschlossener Schneedecke bis Ende des Winters. „Da aber die Vogelfütterung für viele Menschen gerade in der Stadt das einzige noch verbliebene Naturerlebnis darstellt, lehnen wir eine ganzjährige Fütterung nicht grundsätzlich ab. Denn über die Fütterung lernen Kinder und Erwachsene unsere Vögel kennen. Und nur was man kennt, schützt man auch.“

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