Zwei Männer vor einem Bild von Bremerhaven.

Dr. Gunnar Wagner (rechts) geht in den Ruhestand. Dr. Michael Sachse übernimmt.

Foto: Andrea Lammers

Dr. Gunnar Wagner (rechts) geht in den Ruhestand. Dr. Michael Sachse übernimmt.

Heute

Mission „Hautklinik“ erfolgreich abgeschlossen

Als er 1987 über die Abfahrt Wulsdorf nach Bremerhaven kam, habe er schon ein etwas eigenartiges Gefühl gehabt. In Berlin aufgewachsen, in Hamburg studiert und gearbeitet, erschien die Seestadt Dr. Gunnar Wagner zunächst doch recht gemächlich. Alles andere als gemächlich war dagegen kurz darauf der Aufbau der Hautklinik, den der damals erst 32 Jahre junge Chefarzt zu seiner Mission machte. Heute ist die Dermatologie im Klinikum Reinkenheide weit über die Region hinaus bekannt. Und Wagner geht in den Ruhestand.

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„Eigentlich sollte die Hautklinik 1987 geschlossen werden“, schaut Wagner zurück. Chefärzte kamen und gingen. Es gab keine Ambulanz mehr. Funktionsbereiche, wie Operationsräume oder ein Allergie-Labor ebenso wenig. „Rund 300 Patienten sind 1987 stationär behandelt worden. Die Verweildauer pro Patient lag durchschnittlich bei 23 Tagen“, erzählt er. „Heute versorgt die Hautklinik im stationären Bereich einschließlich der Tagesklinik rund 2200 Patienten. Die durchschnittliche Verweildauer beträgt etwa fünf Tage“, zieht der Dermatologe Bilanz. In den verschiedenen Ambulanzen würden pro Jahr sogar 5000 bis 6000 Patienten versorgt.

Unter Wagners Regie wurde die Tagesklinik aufgebaut, entstand das Neurodermitis-Schulungszentrum, sowie das Nachsorgezentrum organtransplantierter Kinder und Jugendlicher und das durch die Deutsche Krebsgesellschaft zertifizierte Hautkrebszentrum. „Zurzeit entsteht gerade ein Wundzentrum. Einen ganz wesentlichen Anteil am Erfolg der Abteilung habe immer das Team gehabt. „Schwestern und Ärzte verstehen sich als Einheit, die sich gegenseitig helfen. Ich habe immer exquisite Schwestern gehabt, die selbstständig denken und handeln, bei Visiten Vorschläge zur Behandlung entzündlicher Hauterkrankungen oder Wunden machen. Dadurch herrschte in dieser Abteilung ein ausgeprägtes Wir-Gefühl.“

Als Chefarzt immer ein Teil des Ganzen

Und überhaupt: „Erfolgreich führt man eine Klinik nur von vorne, nicht von oben.“ Der Satz Wagners kommt mit Nachdruck. „Wenn man von vorne führt, bleibt man Teil des Ganzen. Führt man von oben, verliert man den Blick für die Wirklichkeit der Mitarbeiter.“

1987 habe es auf der Station ihn als Chefarzt und einen Assistenzarzt gegeben. Heute sind in der Dermatologie ein Chefarzt, vier Oberärzte und sieben Assistenzärzte beschäftigt. Wagner spricht ruhig. Sachlich. Fast so, als ginge ihn der gigantische Auf- und Ausbau seiner Abteilung gar nichts an. 32 Jahre sei er gewesen, als er damit begonnen habe. Eine Tatsache, die ihm damals zunächst einige Widerstände einbrachte. Zur Seite gestanden habe ihm der damalige Oberbürgermeister Karl Wilms. „Der hat das dann einfach so bestimmt“, sagt Wagner. „Er blieb der Hautklinik danach sehr verbunden. Ich habe ihm viel zu verdanken.“ Wilms sei einer der Bremerhavener Politiker auf seinem Weg gewesen, die für mutige Politik gestanden hätten.

Einsatz für Poliklinik und medizinischen Campus

Für den heute 65-Jährigen war und ist die politische Gestaltung des Gesundheitswesens in der Seestadt eine Herzensangelegenheit. So machte er sich mit Blick auf die durch den Mediziner-Mangel immer problematischer werdende medizinische Versorgung für das Konstrukt der Polikliniken stark. 2019 startete Wagner einen Modell-Versuch in der Dermatologie des Klinikums Reinkenheide. „Dieser Modelllauf war für alle Beteiligten ein großer Erfolg“, so das Resümee Wagners.

Und auch um das Thema Medizinische Fakultät im Land Bremen wird es, davon ist der Chefarzt überzeugt, künftig keinen Weg vorbei geben. „Wird Bremerhaven an dieser medizinischen Fakultät nicht vor Ort als Campus Bremerhaven beteiligt, wird das deutliche medizinische und betriebswirtschaftliche Folgen für die Kliniken in Bremerhaven haben“, befürchtet Wagner. Doch diese Entwicklung wird er selbst nur noch aus der Peripherie miterleben. Vorzugsweise beim Angeln. Mit seiner Frau. „Auch, wenn die bislang noch nichts davon weiß“, sagt er verschmitzt.

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