Klassiker, wie das Anmalen von ausgepusteten Eiern, sind auch jetzt möglich, sagt Silvia Miller vom Kinderschutzbund.

Klassiker, wie das Anmalen von ausgepusteten Eiern, sind auch jetzt möglich, sagt Silvia Miller vom Kinderschutzbund.

Foto: Thissen/dpa

Klassiker, wie das Anmalen von ausgepusteten Eiern, sind auch jetzt möglich, sagt Silvia Miller vom Kinderschutzbund.

Heute

Nachtwanderung mit Fackeln als Ersatz fürs große Osterfeuer

An Ostern trifft sich die gesamte Familie zum Frühstück, und abends fällt der warme Schein des Osterfeuers auf die Nasenspitzen – Riten, die sonst in vielen Familien Halt und Geborgenheit vermitteln, fallen in diesem Jahr aus. Coronabedingt. Teil eines nun bereits seit einem Jahr auf den Kopf gestellten Lebens. Wie das Osterfest 2021 trotz allem zu einer glücklichen Erfahrung für Eltern und Kinder werden kann, weiß die Diplom-Psychologin Silvia Miller vom Kinderschutzbund.

Kreis-Icon-Nordstern

Kein Sportverein, in dem man Freunde trifft, sich auspowern kann. Keine Freizeiteinrichtungen, die für Zerstreuung sorgen, und in der Schule ist auch nichts mehr, wie es sonst war. „Vielen Kindern fehlen ihre Freunde, die Aktivitäten außerhalb des Elternhauses“, sagt Silvia Miller. Stattdessen wird ein Großteil der Zeit zu Hause verbracht, wo vielleicht von der Doppelbelastung gestresste Eltern im Homeoffice arbeiten.

„In der Kinderklinik erleben wir immer häufiger Kinder, bei denen sich schwieriger gewordene häusliche Situationen auf den Körper auswirken.“ Bauch-, Rücken- und Kopfschmerzen seien häufig körperliche Symptome für Kinderseelen, denen es nicht gut gehe. Andere fühlten sich einfach nicht wohl, seien traurig, niedergeschlagen, still oder auch wütend und aggressiv.

„Eltern sind teilweise an der Belastungsgrenze“

„Manche Eltern sind mittlerweile an der Belastungsgrenze angekommen. Da fällt es dann eventuell schwer, das Kind vor Schaden zu bewahren. Beispielsweise durch Medien-Überkonsum.“ Dadurch dass das Leben im Außen brach liegt, verlören Kinder teilweise ihre Tagesstruktur, seien bis tief in die Nacht im Internet oder mit PC-Spielen beschäftigt. „Alles, was das Familien-Leben normalerweise entzerrt, die Möglichkeit gibt, mal auf Abstand zu gehen, fällt weg. Zum Beispiel Übernachtungsbesuche bei Freunden oder dergleichen. Wenn Kinder sich mehr und mehr verschließen, sind Eltern oft verzweifelt“, berichtet die Psychologin.

Das Osterfest kann da ein guter Anlass sein, belastete Familiensituationen zu durchbrechen. „Gemeinsam etwas ganz anderes zu unternehmen als sonst, kann sehr entlastend wirken“, sagt die Psychologin. Und auch, wenn viele der typischen Ostertraditionen mit Blick auf die Pandemie flachfallen, gäbe es durchaus gute Möglichkeiten das Fest zu einem ganz besonderen Erlebnis für die Familie werden zu lassen.

Oft lassen sich mit kleinen Extras Ausflüge zu einem ganz besonderen Erlebnis machen. Dabei muss nicht unbedingt eigens dafür etwas eingekauft werden. Es kann schon ausreichen, einfach das einzupacken, was der Kühlschrank so hergibt.
Silvia Miller, Diplom-Psychologin

„Da wäre zum Beispiel die Möglichkeit, gemeinsam eine Nachtwanderung zu veranstalten“, nennt Silvia Miller ein Beispiel. Eine kleine Fackel könne eine besondere Stimmung dabei verbreiten. Osterspaziergänge würden durch ein Picknick zu etwas ganz Besonderem. „Oft lassen sich mit kleinen Extras Ausflüge zu einem ganz besonderen Erlebnis machen. Dabei muss nicht unbedingt eigens dafür etwas eingekauft werden. Es kann schon ausreichen, einfach das einzupacken, was der Kühlschrank so hergibt.“

Im Prinzip komme es vor allem darauf an, an diesen besonderen Tagen etwas mit der Familie zu unternehmen, was man sonst nicht so unternehme. Und: „Draußen geht immer. Ein ausgedehnter Spaziergang am Deich zum Beispiel tut allen gut. Vielleicht sieht man dort sogar Kaninchen. Unterwegs können dann mitgenommene Brote gegessen werden“, nennt Silvia Miller weitere Möglichkeiten, das Osterfest trotz Corona zu einer besonders schönen Zeit zu machen.

„Wenn Großeltern nicht direkt dabei sein können, besteht aber immerhin die Möglichkeit, dass sie sich schon vor der Familie auf einen Wanderweg begeben und dort Ostereier für die nachfolgenden Kinder verstecken.“ Ebenfalls eine Idee, um mit seinen Kindern etwas Außergewöhnliches zu erleben: „Gemeinsam früh aufstehen. In die Natur gehen und zuhören, wenn die Vögel erwachen.“

Schon in der Vor-Osterzeit dem Corona-Frust entfliehen

Und auch schon im Vorfeld der Ostertage könne das Fest genutzt werden, um aus dem möglicherweise erschwerten Alltag auszusteigen: „Klassiker, wie das Anmalen von ausgepusteten Eiern, sind auch jetzt möglich und machen vielen Kindern Freude. Aus Kartoffeln lassen sich wunderbar Kartoffelstempel herstellen.“ Zum Beispiel, um Osterkarten zu gestalten. Man kann Osterzöpfe backen und Fensterdeko-Häschen aus Tonpapier gestalten – der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt, um schon in der Vor-Osterzeit erfolgreich der Corona-Eintönigkeit entgegenzuwirken.

Eine schön gestaltete Osterzeit kann Familien also durchaus Entlastung bringen. Wenn die Auswirkungen der Pandemie jedoch mit dem Alltag wieder schwerer auf die einzelnen Glieder des Systems Familie wirkt, will der Kinderschutzbund mit einem neuen Angebot gegensteuern: „Wir planen aktuell ein spezielles Gesprächsangebot für Kinder und Jugendliche, bei dem sie sich ihre Sorgen und Nöte von der Seele reden können. Das Angebot wird sehr niedrigschwellig sein, sodass möglichst viele davon Gebrauch machen können“, kündigt Silvia Miller an.

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