Psychisch schwer erkrankte Menschen in ländlichen Regionen müssen oft weite Strecken zurücklegen, um Hilfe zu bekommen.

Psychisch schwer erkrankte Menschen in ländlichen Regionen müssen oft weite Strecken zurücklegen, um Hilfe zu bekommen.

Foto: Murat/dpa

Psychisch schwer erkrankte Menschen in ländlichen Regionen müssen oft weite Strecken zurücklegen, um Hilfe zu bekommen.

Heute

Psychisch Kranke sollen aus einer Hand versorgt werden

Psychisch schwer erkrankte Menschen sollen im Cuxland eine gute Versorgung mit einem Rundumpaket aus einer Hand erhalten – quasi als persönliches Behandlungsnetzwerk. Das ist das Ziel des Modellprojekts „Leuchtturm Cuxhaven“, das im Juli angelaufen ist und bis Ende 2021 dauern soll.

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Zu den schweren psychischen Erkrankungen gehören schizophrene Störungen, bipolare oder schwere Affektstörungen, schwer verlaufende Angst- oder Zwangsstörung sowie schwergradige Persönlichkeitsstörungen.

„Der Landkreis ist eher ländlich geprägt, besonders der nördliche Teil“, sagt Simone Hartung, die als Projektkoordinatorin beim Sozialpsychiatrischen Dienst des Kreises angesiedelt ist. Die Betroffenen müssten teilweise lange Wege in Kauf nehmen, um Hilfsangebote nutzen zu können. „Besonders schwierig wird es für Menschen mit Angststörungen, die ihr Haus nicht verlassen können“, meint Hartung.

Hier setzt das „Leuchtturm“-Projekt an, das sich vorerst auf die Bereiche der Stadt Cuxhaven, Land Hadeln, Hemmoor und Börde Lamstedt beschränkt ist und die Bildung eines Gemeindepsychiatrischen Zentrums vorsieht. Es wird vom Niedersächsischen Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung gefördert. „Unser Ziel ist es aber, es dauerhaft für den gesamten Kreis zu etablieren“, betont Hartung.

Zwei Koordinationsstellen

Das Konzept setzt auf die Vernetzung aller Beteiligten wie Ärzte, Therapeuten, psychiatrische Pflege, Einrichtungen wie Reha, Tagesstätten, betreutes Wohnen, stationäre und teilstationäre Angebote. Mit dabei sind auch Anbieter aus Bremerhaven sowie die Ameos-Klinik in Debstedt. Diese ist die einzige psychiatrische Klinik im Landkreis. Beteiligt ist auch die Psychiatrische Tagesklinik des Ameos-Klinikums Cuxhaven.

„Zwei Kernpunkte sind die Schaffung mobiler multiprofessioneller Teams, die auch Hausbesuche machen, sowie die Einbindung von Genesungsbegleitern“, erläutert Hartung. Gesteuert wird das Ganze von zwei lokalen Koordinationsstellen in Hemmoor und Cuxhaven. In Letzterer arbeitet Simone Hartung. „Die Koordinationsstellen sind die zentralen Anlaufpunkte. Wir beraten auch die Patienten, die wir als Klienten bezeichnen“, erläutert sie. Auch Hausbesuche seien möglich. Ganz wichtig: Es werde nichts unternommen, zu dem der Klient nicht ausdrücklich zugestimmt habe.

Digitale Patientenakte als zentrales Element

Ein zentrales Element ist dabei die digitale Patientenakte, auf die alle Beteiligten inklusive des Klienten Zugriff haben. Entwickelt wird diese von der Hamburger Firma IVP Networks GmbH. „In der Krankenakte stehen beispielsweise die verordneten Medikamente und auch Berichte des Arztes, aber auch Formulare zum Download“, sagt Hartung.

Und auch der Klient könne eigene Berichte hinzufügen, beispielsweise in Form eines Tagebuchs, in dem er besondere Gegebenheiten festhält. „Auch bei der Benutzung der digitalen Akte geben wir als Koordinatoren Hilfestellung – auch wenn der Klient beispielsweise über keinen eigenen Computer verfügt“, erläutert Hartung.

Derzeit werden in dem Modellprojekt etwa 20 Klienten betreut – Tendenz steigend. „Wir nehmen auch gerne weitere auf. Voraussetzung ist allerdings, dass sie in den Bereichen wohnen, in denen das Projekt läuft“, sagt die Projektkoordinatorin. Sie wendet sich dabei auch an Angehörige. Bei einer Teilnahme entstehen keine zusätzlichen Kosten.

Aber auch Interessenten, die als Genesungsbegleiter arbeiten wollen, können sich melden. Ex/In-Genesungsbegleiter ist die korrekte Bezeichnung, wobei Ex/In für „Experte durch Erfahrung in der Gesundheitsversorgung“ steht. Die Ausbildung weiterer Genesungsbegleiter ist ein Ziel des Projekts. „Zudem sollen alle Netzwerkpartner in Workshops gezeigt bekommen, wie die Genesungsbegleiter einbezogen werden“, sagt Hartung.

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