Ein Blick auf die Baustelle der Kaje 66. In der offenen Baugrube (unten rechts) erkennt man die Verankerung der Kaje. Sie verschwindet am Ende unter der Erde.

Ein Blick auf die Baustelle der Kaje 66. In der offenen Baugrube (unten rechts) erkennt man die Verankerung der Kaje. Sie verschwindet am Ende unter der Erde.

Foto: Scheer

Ein Blick auf die Baustelle der Kaje 66. In der offenen Baugrube (unten rechts) erkennt man die Verankerung der Kaje. Sie verschwindet am Ende unter der Erde.

Heute

Schiffe haben wieder freie Fahrt

Der Schiffsverkehr in die Bremerhavener Häfen und hinaus läuft wieder ohne Schwierigkeiten. So sind die umfangreichen Arbeiten an der Kaiserschleuse jetzt beendet, die Verbindung zwischen Nord- und Osthafen sowie den Kaiserhäfen ist wieder hergestellt, und auch die Zufahrt zur Nordschleuse an der Kaje 66 vorbei ist ohne Beeinträchtigungen möglich.

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Die sogenannte Kaje 66, an die der ehemalige Anleger der Englandfähre anschloss, wird derzeit komplett neu gebaut. Die Kaje stellt die Verbindung zwischen Columbuskaje und der Einfahrt Nordschleuse her und ist ein kritischer Punkt. Das 220 Meter lange Bauwerk musste nach mehreren Havarien für 17,7 Millionen Euro neu gebaut werden. „Wir befinden uns derzeit im letzten Drittel der Bauarbeiten und werden pünktlich im Oktober fertig“, berichtet Ralf Meyer von der Bauüberwachung der Hafengesellschaft Bremenports.

Wasserseitige Arbeiten rechtzeitig beendet

Die wasserseitigen Bauarbeiten waren zum Glück schon beendet, als der irreparable Schaden an der Drehbrücke im Hafen auftrat und so die Verbindung zwischen den Häfen blockiert war – fatal, weil just zu diesem Zeitpunkt Bauarbeiten an der Kaiserschleuse stattfanden und diese gesperrt war. Um die Erreichbarkeit der Kaiserhäfen wieder herzustellen, wurde das Reserve-Binnenhaupt der Kaiserschleuse kurzzeitig für einige Tage im Notbetrieb eingesetzt. Es musste auf den eigenen Kufen am Grund hin und her rutschen. „Das hat gut geklappt, ist aber keine dauerhafte Lösung“, sagt Bremenports-Sprecher Holger Bruns.

Zwischenzeitlich wurde die havarierte Drehbrücke demontiert, die Kaiserschleuse wieder gesperrt und der Verkehr in die Kaiserhäfen mit seinem Autoumschlag über die Nordschleuse abgewickelt. Wären zu diesem Zeitpunkt noch wasserseitige Bauarbeiten an der Kaje 66 gewesen, hätte es Probleme gegeben.

Notwendiger Neubau der Kaje 66

Dort sind die Bauarbeiten jetzt weit gediehen. „Es fehlen nur noch etwa zehn Prozent der Schweißarbeiten an den Schrägpfahlanschlüssen“, berichtet die stellvertretende Projektleiterin Sabrina Müller zufrieden. Bis Ende des Monats soll die Horizontalverankerung hergestellt sein. Parallel dazu wird im südlichen Teil der Baustelle bereits die Lücke zwischen alter und neuer Spundwand mit Steinen und Sand verfüllt. Rund 30 Arbeiter sind derzeit auf der Baustelle beschäftigt.

Wie notwendig der Neubau der Kaje 66 war, zeigt sich im mittleren nördlichen Teil der Baustelle. Dort sind gerade die Kajenbauwerke von 1924 und 1965 für die Verlegung der Horizontalanker freigelegt. „Hierbei wurde jetzt festgestellt, dass einige Anker gerissen sind“, erläutert Ralf Meyer. Um das Risiko eines Schadens bis zum Einsetzen der neuen Anker auf Null zu setzen, wurden hier temporär Anker eingefügt.

Kaiserschleuse geht in den Normalbetrieb

Ab Oktober ist die Kaje 66 dann wieder in einem erstklassigen Zustand. „Wir hoffen, dass es dann auch so bleibt“, sagt Ralf Meyer. Doch passieren könne immer etwas, meint er mit Blick darauf, wie eng es manchmal werden kann, wenn ein großer Autotransporter durch die Nordschleuse fährt. Doch auch hier haben die Planer vorgesorgt: „Wir haben jetzt alles so konzipiert, dass es im Falle einer Havarie schnell zu reparieren ist“, betont Sabrina Müller. Die beiden Bremenports-Mitarbeiter sind jedenfalls sehr zufrieden mit dem Verlauf der Arbeiten und dem eingesetzten Fachpersonal. „Schade nur, dass man später die Ingenieurskunst nicht mehr sieht, weil ein Großteil unter der Erde liegt“, bedauern die beiden.

Aktuell geht jetzt auch wieder die Kaiserschleuse wieder in den Normalbetrieb. Zunächst waren die umgebauten Unterwagen wieder eingesetzt worden, danach hatte es noch umfangreiche Arbeiten an der Elektronik und Steuerung des Bauwerks gegeben.

Bleibt noch das Brückenproblem. „Hier gibt es jetzt eine Ausschreibung, damit das letzte verbliebene Drittel der Drehbrücke entfernt werden kann“, erzählt der Bremenports-Sprecher. Zudem werde noch ein Ort gesucht, an dem die Drehbrücke abgewrackt werden kann, die derzeit auf der ABC-Insel gelagert wird. „Denn es handelt sich jetzt nicht mehr um eine Brücke, sondern nur noch um alten Stahl mit Farbe.“ Zu den Überlegungen, ein Stück der Brücke ins Historische Museum zu bringen, kann Holger Bruns nur sagen: „Von uns aus gerne.“

Ponton als Provisorium

Derzeit arbeitet das Häfenressort mit Hochdruck an einer Senatsvorlage zu Planungsmitteln für einen Ersatz der Drehbrücke. Darüber soll noch im Mai entschieden werden. „In welcher Form die Brücke ersetzt wird – ob mit oder ohne Schienen – hängt von der Entwicklungsplanung für die Columbusinsel ab“, meint Holger Bruns. Eines sei sicher: Mit Schienen werde das Ganze aufwendiger und teurer.

Derzeit wird geprüft, ob für die Zeit bis zum Neubau der Brücke eine Behelfsbrücke hergestellt werden kann. „Es müsste dann wohl eine Pontonlösung geben“, schätzt der Bremenports-Sprecher. Denn im Bedarfsfall müsse das Provisorium auch schnell wieder entfernt werden können – damit Schiffe hindurchfahren können.

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