Als Folge der Corona-Krise sind derzeit weniger Ausbildungsplätze als üblich bei der Arbeitsagentur gemeldet. Die rechnet jedoch mit Nachholeffekten.

Als Folge der Corona-Krise sind derzeit weniger Ausbildungsplätze als üblich bei der Arbeitsagentur gemeldet. Die rechnet jedoch mit Nachholeffekten.

Foto: Fabrice Michaudeau, Penz/pr

Als Folge der Corona-Krise sind derzeit weniger Ausbildungsplätze als üblich bei der Arbeitsagentur gemeldet. Die rechnet jedoch mit Nachholeffekten.

Heute

So läuft das mit der Ausbildungsplatzsuche in Bremerhaven

Die Corona-Krise beeinträchtigt das Wirtschaftsleben in zahlreichen Branchen. Teile des Einzelhandels, die Gastronomie oder die Friseure sind derzeit lahmgelegt. Trotzdem benötigen Betriebe auch künftig Fachkräfte. Was Jugendliche jetzt tun können, um sich einen Ausbildungsplatz zu sichern, erläutert Uwe Klimaschefski, Teamleiter der Berufsberatung und Mitarbeiter der Arbeitsagentur Bremen-Bremerhaven, im Interview.

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Wie macht sich die Pandemie insgesamt auf dem Ausbildungsmarkt bemerkbar? Der Markt besteht ja aus zwei Seiten, den Arbeitgebern und Betrieben einerseits und den jugendlichen Ausbildungswilligen andererseits. Bei den Jugendlichen gelingt es uns glücklicherweise durch intensive Telefonarbeit und Nutzung virtueller Plattformen, einen recht guten Kontakt zu halten. Über uns suchen derzeit ungefähr so viele Jugendliche wie auch vor einem Jahr, also noch ohne Corona, nach einem Ausbildungsplatz. Anders sieht es jedoch auf der Seite der Betriebe aus. Wir spüren, dass die wirtschaftlichen Einschränkungen der zurückliegenden Monate zu viel Vorsicht bei der Ausbildungsentscheidung führt. Derzeit sind bei uns weniger Ausbildungsstellen gemeldet als vor zwölf Monaten. Allerdings hat sich die Bandbreite der Berufe gehalten, das ist erfreulich. Wir rechnen aber damit, dass es in vielen Fällen nur eine Verzögerung ist und die Arbeitgeber bei besser erkennbaren Perspektiven auch die Ausbildungsentscheidung treffen werden.

Uwe Klimaschefski

Uwe Klimaschefski.

Foto: Fotostudio Penz

Als Folge des Lockdowns mussten ganze Branchen wie die Gastronomie, das Hotelgewerbe oder Friseure vorübergehend ihre Geschäftstätigkeit einstellen. Lohnt es sich für Auszubildende überhaupt, in diesen Bereichen derzeit die Fühler auszustrecken? Wer sich für einen Beruf interessiert, sollte sich unbedingt um Bewerbungen kümmern. Sogar aus den Branchen, die durch die Corona-Pandemie sehr getroffen werden, haben wir Ausbildungsstellen gemeldet bekommen. Das Angebot ist definitiv nicht auf Null runtergefahren worden, der Fachkräftemangel ist noch in den Hinterköpfen der Verantwortlichen. Auch jetzt noch werden zum Beispiel angehende Hotelfachleute, Köche oder Friseure gesucht. Zudem haben wir die Erfahrung gemacht, dass Betriebe auf überzeugende Initiativbewerbungen positiv reagieren. Allerdings müssen Jugendliche derzeit mehr Geduld mitbringen und oft länger auf die Antwort auf ihre Bewerbung warten. Mein Rat: Dranbleiben! Absagen sind kein Grund, keine Bewerbung mehr loszuschicken. Wir helfen gerne beim Bewerbungsschreiben oder geben Tipps zur erfolgreichen Online-Bewerbung. Die Berufsberatung ist auch dafür da.

Welche Fristen gelten bei der Ausbildungsplatzsuche? Drängt die Zeit? Oder verschieben die Unternehmen derzeit ohnehin ihre Entscheidungen?
Auch wenn große Unternehmen bereits in der Endphase ihrer Bewerbungsverfahren sind, lohnt es sich weiterhin, sich auf einen Ausbildungsplatz zu bewerben. Denn das vergangene Jahr unter Pandemiebedingungen hat uns gezeigt, dass Unternehmen ihre Entscheidungen oftmals erst mit Verzögerung treffen. Corona sollte kein Hindernis sein, sich nicht zu bewerben. Trotz Zurückhaltung gibt es noch viele Betriebe, insbesondere im Handwerk, die offen sind für betriebliche Praktika. Gerade wenn es um die Besetzung der Ausbildungsstelle geht.

Herkömmliche Vorstellungsgespräche dürften aktuell schwierig sein. Wie laufen die Auswahlverfahren in den Betrieben? Die Unternehmen und Betriebe sind hier sehr kreativ. Von persönlichen Gesprächen unter Einhaltung der Hygienevorschriften bis zu virtuellen Formaten wird alles angeboten. Unsere Berufsberater helfen Kandidaten bei der Vorbereitung gerne weiter. Auch in der Videobewerbung gibt es typische Fettnäpfchen, die man links liegen lassen sollte.

Wie organisiert die Arbeitsagentur die Beratung der Auszubildenden, wenn derzeit weder Einzelgespräche in der Agentur noch die Berufsorientierung im Schulunterricht in gewohnter Form stattfinden können? Unsere Berufsberater halten engen Kontakt zu ihren Schulen. Über die Lehrer werden unsere Telefonnummern an die Jugendlichen weitergegeben. Letztes Jahr haben wir wegen der Kontaktbeschränkungen zusätzlich eine Sonderhotline der Berufsberatung ins Leben gerufen. Dort gehen direkt die Fachkollegen ans Telefon, das läuft mittlerweile sehr gut. Bei den Beratungsterminen fehlt uns zwar der persönliche Kontakt zum Gegenüber, aber die Jugendlichen lassen sich auch auf die Telefonate überwiegend gut ein. Schule und Berufsberatung versuchen alles, den Kontakt mit den Jugendlichen aufrecht zu erhalten. Wir haben einen Leitfaden entwickelt, mit welchen Schritten man sich in dem Prozess der Berufswahl seinem Wunschberuf nähern kann. Er findet sich auf www.arbeitsagentur.de/Ausbildung. Den empfehle ich gerne, die kleinen Schritte nehmen dem ganzen Prozess das Einschüchternde. Zur Vorbereitung auf die Beratung empfehlen wird den Jugendlichen Check-U, unser wissenschaftlich entwickeltes Online-Tool zur beruflichen Selbsteinschätzung. Auch unsere Videos auf dem Youtube-Kanal der Jugendberufsagentur Bremerhaven werden intensiv genutzt. Unser „Berufenet“ bietet Informationen zu den jeweiligen Ausbildungsberufen oder auch zu Berufsfeldern. Videos über Berufe bietet unser „Berufenettv“. In der „Jobsuche“ auf www.arbeitsagentur.de findet man zahlreiche Ausbildungsplatzangebote, regional und überregional.

Gibt es eine zentrale Kontaktmöglichkeit für Jugendliche, die sich orientieren möchten?

Für die Jugendlichen, die in diesem Jahr noch einen Ausbildungsplatz suchen oder Hilfe bei der Studienwahl benötigen, hat unsere Arbeitsagentur unter der kostenpflichtigen Telefonnummer 0421/1781245 eine Berufsberatungshotline eingerichtet. Die Beratungskollegen sind so montags bis freitags von 10 bis 13 Uhr und donnerstags von 14 bis 16.30 Uhr direkt erreichbar.

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