Ein Pfarrer steht in der Kirche.

Marcus Scheiermann, Pfarrer der Katholischen Kirche Bremerhaven, bittet um Anmeldungen für die Gottesdienste.

Foto: Christian Heske

Marcus Scheiermann, Pfarrer der Katholischen Kirche Bremerhaven, bittet um Anmeldungen für die Gottesdienste.

Heute

Trotz Abstand ganz nah bei Gott

Weihnachten ist das Fest der Traditionen. Familie und Freunde treffen, beisammen sein, Gottesdienst feiern. Doch Corona stellt in diesem Jahr auch hier so einiges auf den Kopf. Kontaktbeschränkungen versus Gemeinschaft und Glaubensausübung? Mit ausgefeilten Konzepten versuchen sowohl die evangelische als auch die katholische Kirche hier einen Spagat.

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Für viele Christen gehört der Besuch des Gottesdienstes untrennbar zu Weihnachten dazu. Jahr für Jahr strömen Menschen besonders am Heiligen Abend in die Kirchen. Kippt Corona den für viele obligatorischen Besuch?

Singen mit Abstand

„Ich sehe unsere Gottesdienste am Heiligen Abend bisher nicht gefährdet“, sagt Superintendentin Susanne Wendorf-von Blumröder (Foto: Hartmann). „Alle Kirchen haben ein Hygienekonzept, wir haben uns viele Gedanken um verkürzte Gottesdienste, Kennzeichnen von Ein- und Ausgängen der Kirchen zur Vermeidung von Staus und Singen draußen auf Abstand gemacht. Solange sich im Land Bremen 100 Personen unter Hygienebedingungen versammeln dürfen, müssen wir unsere Planungen nicht ändern.“ Die größten Kirchen hätten etwa 70 Plätze. Außerdem gebe es die Möglichkeit, sich für Gottesdienste anzumelden. „Das müsste also gut gehen.“

Superintendentin Susanne Wendorf-von Blumröder.

Superintendentin Susanne Wendorf-von Blumröder.

Foto: Arnd Hartmann

Auch die geplante ökumenische Kirchenaktion, das Lied „Stille Nacht, Heilige Nacht“ am Heiligen Abend, Donnerstag, 24. Dezember, um 22.45 Uhr draußen zu singen, müsste möglich bleiben, glaubt die Superintendentin: „Es wird draußen und auf Abstand gesungen.“ Weihnachten werde getragen von dem tiefen Gefühl, dass Gott sich in die Probleme des menschlichen Lebens hineinbegebe. „Er will uns Menschen ganz nah sein. Das können wir lesen und uns sagen lassen und hoffentlich auch spüren“, sagt Wendorf-von Blumröder. „Zu allen Zeiten und unter allen Bedingungen geht es darum, Gott als Liebe zu sehen, die uns erreichen und weiter verbreitet werden will. In diesem Sinn werden wir Weihnachten erleben“, macht sie Mut.

Organisatorischer Aufwand

Auch für die katholischen Kirchen gilt, dass mit viel organisatorischem Aufwand an den kirchlichen Traditionen zu Weihnachten festgehalten wird. „Grundsätzlich ist es so, dass wir wesentlich mehr Angebote und Gottesdienste an Weihnachten haben als in den vergangenen Jahren“, erläutert Marcus Scheiermann, Pfarrer der Katholischen Kirche Bremerhaven. „Dadurch dass wir aufgrund unserer Hygienekonzepte in den Kirchen deutlich weniger Plätze anbieten können, werden wir an diversen Kirchorten mehr Gottesdienste am Heiligen Abend feiern.“

Eine Alternative, die extra wegen der Corona-Pandemie entwickelt worden sei: Zusätzlich zu den Gottesdiensten wird die katholische Kirche in Bremerhaven am 24. Dezember von 14.30 bis 16 Uhr an drei Kirchorten ein Open-Air-Krippenspiel anbieten: „In Geestemünde, in Lehe und in Leherheide wird es für Familien einen Stationenweg rund um die jeweilige Kirche herum geben, bei dem die Weihnachtsbotschaft entdeckt werden kann“, stellt Scheiermann in Aussicht.

Zwei weitere „Spezial-Angebote“ in diesem Jahr: „Für diejenigen, die gar nicht aus dem Haus gehen können, gibt es am 24. Dezember, zwei digitale Angebote: „Wir zeigen nachmittags auf unserem Youtube-Kanal ein Online-Krippenspiel, gestaltet von den Kindern der katholischen Kindertagesstätten; und die Christmette aus Lehe übertragen wir als Live-Stream um 21.30 Uhr. Eigens für die Menschen, die sich gerade an Weihnachten einsam fühlen, bieten die katholischen Gemeinden vom 22. bis 27. Dezember, jeweils von 18 bis 20 Uhr die Möglichkeit an, via Telefon ein Seelsorge-Gespräch zu führen. „Während der Gottesdienste in den Kirchen werden wir wegen der Infektionsgefahr leider nicht singen können, aber draußen vor der Kirchen werden wir an allen Tagen jeweils gemeinsam ein Lied singen“, sagt Scheiermann.

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