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Schulleiterin Andrea Stephan (links) und Fachbereichsleiterin Marina Feldmann sind ganz begeistert von den Möglichkeiten, die die VHS-Cloud bietet. Auch die neue Internetseite der Zevener Volkshochschule besticht mit Zusatzangeboten.

Schulleiterin Andrea Stephan (links) und Fachbereichsleiterin Marina Feldmann sind ganz begeistert von den Möglichkeiten, die die VHS-Cloud bietet. Auch die neue Internetseite der Zevener Volkshochschule besticht mit Zusatzangeboten.

Foto: Thorsten Kratzmann

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Unterricht im virtuellen Klassenraum

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Die Zeiten sind wie sie sind. Das kann man folgenlos bedauern, oder man arrangiert sich und bricht unverdrossen auf zu neuen Ufern. Zu denen, die den Aufbruch gestalten, gehört die Volkshochschule (VHS) Zeven. Schulleiterin Andrea Stephan und Fachbereichsleiterin Marina Feldmann setzen konsequent aufs Digitale. Das geschieht, um dem Zeitgeist auf den Fersen zu bleiben – also der Generation Smartphone und dem Klimaschutzgedanken.

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„Die VHS-Welt ändert sich massiv“, stellt Schulleiterin Stephan fest. In Zeiten, in denen das papierlose Büro und E-Government propagiert werden, in denen junge Leute vieles am Smartphone von unterwegs erledigen, ist es in ihren Augen nicht mehr gemäß, das VHS-Semesterprogramm in einer Auflage von 28.000 Exemplaren zu drucken und unters Volk zu bringen. Das gedruckte Programmheft sei so lange das A und O gewesen, wie sich die Kunden zu Kursen schriftlich oder persönlich in der Geschäftsstelle angemeldet haben und die Internetseite der VHS ein Schattendasein geführt hat. Das ist vorbei.

Viele Kunden informieren sich online und melden sich online an. Daher hat sich die Schulleitung entschlossen, nur noch 8000 Programmhefte drucken zu lassen. Die verteilt die Schule an die Kunden der beiden vorangegangenen Semester und legt sie an ausgewählten Standorten in Tarmstedt, Sittensen und Zeven aus. Wer ein Heft in Händen hält, der kann auf 95 Seiten stöbern und findet auf der letzten Seite auch ein Anmeldeformular. „Schließlich“, das weiß Stephan, „gibt es noch viele, die online nicht wollen oder können“.

Bundesweite Suche

Denen, die wollen und können, steht online eine neue gestaltete VHS-Welt offen. Die Suchfunktion steht an prominenter Stelle. Wer weiß, was er will, der ist ruckzuck am Ziel. „Über die Stichwortsuche geht das prima“, sagt Marina Feldmann. Stöbern lässt sich dort auch. Die Gliederung in acht Fachbereiche macht das Zurechtfinden einfach. Aufgebaut ist die Seite wie man sie aus der Online-Einkaufswelt kennt. Suchen, gucken, auswählen, „Ware“ in den Einkaufskorb legen, registrieren und anmelden. Wer mit dem weltweiten Netz vertraut ist, der findet sich intuitiv zurecht. Und wer der Anleitung bedarf, der wirft einen Blick auf Seite 61 im Programmheft. Dort sind die sechs Schritte zum Ziel dargestellt und erläutert.

Erfahrungsgemäß sind viele Kunden der VHS „Mischwesen“ – sie blättern im Programmheft und melden sich dann online für einen Kurs an. Dessen eingedenk sei nicht daran gedacht, auf das Papier zu verzichten. „Es gibt noch keine VHS in Deutschland, die kein Heft mehr herausgibt“, bestätigt Andrea Stephan.

Apropos Deutschland. Es gibt eine VHS-App. Wer die herunterlädt, der kann bundesweit nach Angeboten suchen. „Das eignet sich zum Beispiel für Bildungsurlaube“, weiß Marina Feldmann.

Wer einen virtuellen Schulbesuch plant – sozusagen in Heimarbeit – der bucht die Teilnahme an Online-Kursen. Die sind modular aufgebaut. Der Teilnehmer kann Inhalte selbst zusammenstellen. Nur für die Prüfung muss er die virtuelle mit der realen Welt tauschen, denn die wird nach wie vor in Gegenwart des Prüfers abgenommen. „Vor allem Frauen nutzen das“, sagt Feldmann.

Schüler lernen zu Hause

In die Position eines regionalen Vorreiters hat sich die VHS Zeven auf dem Feld der Webinare katapultiert. Sie sind quasi der neunte Fachbereich. Dort lernen Kursteilnehmer ausschließlich am heimischen PC oder Tablet. Wissenschaftsthemen dominieren.

Ins Schwärmen gerät Das Duo Stephan/Feldmann geradezu, wenn es auf die VHS-Cloud zu sprechen kommt. Die hat der Deutsche Volkshochschul-Verband eingerichtet, um die Willigen unter den 900 VHS in Deutschland miteinander zu vernetzten, einen Austausch der Leitungen zu ermöglichen, die Dozenten in einem virtuellen Lehrerzimmer zu versammeln, virtuelle Klassenzimmer einzurichten und das individuelle mit dem sozialen Lernen zu verknüpfen.

„Die Zukunft geht da hin“, sind sich Feldmann und Stephan einig. Sie verstehen die Cloud als Ergänzung zu den Präsenzterminen in der örtlichen VHS. Die Schüler haben die Möglichkeit, vom sozialen Miteinander im realen Klassenzimmer und von den mannigfachen Lernangeboten in der Cloud zu profitieren. Die Lehrenden wie die Lernenden können in der Cloud eine Gruppe bilden, um gemeinsam zu lernen.

Das sei beispielsweise für Teilnehmer der Kurse „Deutsch als Fremdsprache“ überaus hilfreich. Sie können jenseits der Präsenztermine individuell am Wochenende oder während der Ferien lernen. Sie können mit Mitschülern kommunizieren und zu jeder Zeit Fragen an den Lehrer stellen. „Das hebt die Motivation bei den Teilnehmern“, versichert Feldmann.

Umweltschonend

Und Schulleiterin Stephan glaubt, die VHS-Cloud stelle eine Bereicherung für den Flächenlandkreis Rotenburg dar. Doch gemach. Nachdem die technischen Möglichkeiten geschaffen wurden, geht es nunmehr darum, die VHS miteinander zu vernetzen. Ihnen sollen es sodann die Kursleiter gleichtun, bevor die Lernenden in die Cloud gebeten werden.

Dass der Aufbruch zu diesen neuen Ufern unvermeidlich ist, macht die Schulleiterin deutlich, wenn sie sagt: „Wir müssen da mitmischen, sonst sind wir irgendwann weg, weil Anbieter aus den Großstädten und aus dem Ausland den Markt fluten.“ Was für die Schulen gilt, das trifft allemal auf die Kunden der Volkshochschule zu – wer keinen Computer und keine stabile Internetverbindung hat, der ist raus.

Zum Schluss sei noch ein Wort über den Klimaschutz verloren. Der Verzicht auf 40.000 Programmhefte im Jahr spart Papier und schont die Umwelt, versichert Stephan. Als Ausgleich für den Druck der verbliebenen 8000 Hefte, beteiligt sich die VHS Zeven mit einem Obolus an einem Aufforstungsprogramm. Das Ziel lautet: Klimaneutrale VHS.

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Thorsten Kratzmann
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Thorsten Kratzmann

Redaktionsleiter Zevener Zeitung

Thorsten Kratzmann stammt aus Zeven, hat in Göttingen und Hamburg Geschichte, Ethnologie und Politik studiert und ist seit 1994 bei der Zevener Zeitung beschäftigt. Seit 2005 leitet er die Lokalredaktion in Zeven.

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