Viyan Murad (links) genießt es, mit Severine Schabon auf dem Trampolin der Neuen Grundschule Lehe zu toben. Die Schauspielerin hilft zurzeit dort aus.

Viyan Murad (links) genießt es, mit Severine Schabon auf dem Trampolin der Neuen Grundschule Lehe zu toben. Die Schauspielerin hilft zurzeit dort aus.

Viyan Murad (links) genießt es, mit Severine Schabon auf dem Trampolin der Neuen Grundschule Lehe zu toben. Die Schauspielerin hilft zurzeit dort aus.

Heute

Von den Bühnenbrettern aufs Schultrampolin gewechselt

Szenenwechsel für Severine Schabon. Und zwar ganz anders, als es die Schauspielerin gewohnt ist. Sie hat die Bretter, die die Welt bedeuten, gegen den Boden der Realität getauscht. Lockdownbedingt. Statt wie in pandemiefreien Zeiten im Jungen Theater Bremerhaven (JUB!) fiktiven Figuren Lebendigkeit einzuhauchen, übernimmt sie in der Neuen Grundschule Lehe die Rolle der Betreuerin, der Unterstützerin und der Spielgefährtin.

Kreis-Icon-Nordstern

Es ist kalt, es ist nass – dennoch juchzt die kleine Viyan vor Vergnügen. Der Boden unter ihren Füßen katapultiert die Siebenjährige in die Luft. Während ihre in warmen Stiefelchen steckenden Füße kurz darauf wieder auf dem Gummiboden des Trampolins aufsetzen, schnellt Severine Schabon in die Luft. Und obwohl die Maske einen großen Teil ihrer Mimik schluckt, erwidern ihre lächelnden Augen die Begeisterung der Schülerin. Große Pause in der Neuen Grundschule Lehe. Sie ist momentan der Ort, an dem die 30-Jährige Zeit und Leidenschaft investiert.

Schuldienst ist ein Sprung ins kalte Wasser

Dabei hatte die Schauspielerin in ihrem Leben, wie sie sagt, wenig Kontakt zu Kindern. Ganz zu schweigen von einer pädagogischen Ausbildung. „Das hier war ein Sprung ins kalte Wasser“, sagt sie. Er ist geglückt.

„Mit den Kindern ist es ein wenig so wie mit dem Theater-Publikum, weil es auch hier immer um die Frage geht: Wie gewinne und wie behalte ich die Aufmerksamkeit?“ Ein Zusammenspiel, das mit den Grundschülern funktioniert: „Von den Kindern bekommt man schnell Rückmeldung, ob ihnen etwas gefällt“, erzählt Serverine Schabon. Sie nimmt die Reaktionen wahr, münzt sie um und bietet den Kleinen das an, was sie gerade brauchen. Bewegungsspiele zum Beispiel. Dann wenn die jungen Gemüter von Mathematik oder dem Jonglieren mit Buchstaben eine kleine Pause benötigen, um ihren Geist und ihre Konzentrationsfähigkeit zu erfrischen.

Stillstand im Theater

Mit der Schauspielerin haben die Kinder also gerade so etwas wie eine Expertin in Sachen Empathie für das Gegenüber im Haus. Dafür, dass es dazu gekommen ist, ist die Corona-Pandemie verantwortlich. Lockdown bedeutete auch im Theater Stillstand. „Keine Proben, keine Aufführungen, Kurzarbeit. Und das quasi von heute auf morgen“, erinnert sich Severine Schabon. Ein radikaler Einschnitt sei das gewesen. Von den Proben für das Stück „Superhero“ direkt aufs Sofa. Serverine Schabon berichtet von Home-Videos, dem Versuch, in Kontakt mit den Kollegen und für das Publikum präsent zu bleiben.

Betreuung von Schülern

Dann, Ende Januar, die Anfrage von Schul- und Kulturdezernent Michael Frost an die Leitung des Stadttheaters, ob die Mitarbeiter sich ehrenamtlich an der Betreuung von Schülern beteiligen möchten. Aus vielen Bereichen hätten sich Mitarbeiter bereit erklärt, so die Sprecherin des Stadttheaters Ilka d’Alessandro. Unter ihnen: Severine Schabon.

An der Neuen Grundschule Lehe sei sie herzlich aufgenommen, ganz schnell Teil der „Muschel-Gruppe“ geworden und habe endlich wieder das Gefühl gehabt, eine Struktur im Alltag zu haben, etwas Sinnvolles zu tun.

Schulleiterin ist begeistert

„Severine Schabon trägt ein Stück der Welt außerhalb der Schule zu uns“, sagt Schulleiterin Nadine Porwoll und nennt die junge Frau „ein Geschenk“. Die Kinder bekämen durch sie die Möglichkeit, einen besonderen Bezug zum Theater zu entwickeln. „Wer weiß, was daraus entsteht?“, freut sie sich. Menschen aus verschiedenen Berufsgruppen oder Kulturen würden den Kindern ein Erfahrungsspektrum eröffnen, das ihnen Zuversicht und das Gefühl vermittelt: „Hier darf jeder so sein, wie er ist.“ Eine Philosophie, mit der sich auch Severine Schabon aufgehoben fühlt: „Das hier ist eine absolute Win-win-Situation.“

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