KfW-Programme werden hauptsächlich beim Neubau, nicht aber bei Bestandsimmobilien genutzt.

KfW-Programme werden hauptsächlich beim Neubau, nicht aber bei Bestandsimmobilien genutzt.

Foto: picture alliance/dpa

KfW-Programme werden hauptsächlich beim Neubau, nicht aber bei Bestandsimmobilien genutzt.

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Warum kaum Interesse an KfW-Programm besteht

Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) fördert unter anderem Investitionen in die Energieeffizienz von Gebäuden. „Leider haben sich die sehr guten Fördermöglichkeiten aus unserer Sicht im Bereich Bremerhaven/Bremen bei Privatkunden noch nicht überall herumgesprochen“, bedauert Lars Müller, Filialdirektor der Deutschen Bank in Bremerhaven. Zwei der drei weiteren großen Finanzinstitute in der Seestadt können das auch aus ihrer Sicht bestätigen.

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„Nachhaltigkeit könnte eine noch größere Rolle spielen, auch bei Bestandsgebäuden“, meint Müller und verweist auf eine Auswertung aus seinem Geschäftsgebiet. Demnach wird bei Bestandsgebäuden derzeit von etwa zehn Prozent der Kunden ein KfW-Programm in diesem Bereich nachgefragt, bei gebraucht gekauften Gebäuden sind es etwa 25 Prozent. „Der Schwerpunkt liegt bei Neubauten. Da nehmen 75 Prozent der Kunden ein KfW-Programm in Anspruch“, berichtet Müller.

Ganz anders sieht dagegen die Lage bei den professionellen Investoren aus. „Hier nutzen fast 100 Prozent die KfW-Programme – und dann auch richtig: Der KfW-Standard 55 ist Minimum“, weiß Müller.

Energetische Sanierung steigert den Wert

Er bedauert, dass die KfW-Programme von Privatpersonen so selten in Anspruch genommen werden. „Wir versuchen, da entgegenzuwirken, indem wir unsere Kunden auf die Programme hinweisen und sie zu 100 Prozent empfehlen“, betont Müller. Und das nicht nur, weil sich die Deutsche Bank Nachhaltigkeit auf die Agenda geschrieben habe. Zwar müsse bei diesen Programmen auch selber etwas mehr Geld in die Hand genommen werden, das zahle sich aber aus. Zum einen gebe es bei den KfW-Krediten günstige Zinsen, zum anderen mache sich eine energetische Sanierung auch positiv bei den Nebenkosten bemerkbar – und steigere den Wert der Immobilie. „Das ist besonders bei solchen Gebäuden von Vorteil, die man vermieten möchte“, gibt Müller zu bedenken.

Das Programm „Energieeffizient Sanieren“ wird auch nach Beobachtungen der Weser-Elbe Sparkasse (Wespa) eher selten in Anspruch genommen. Dabei sei es egal, ob eine Immobilie neu erworben werde oder schon lange im Bestand des Kunden sei, meint Wespa-Sprecherin Ninia Siebke: „Kunden scheuen unserer Erfahrung nach häufig die Einbindung eines Energieberaters. Gegebenenfalls wird es sich aber mit den Neuerungen ab 2021 ändern.“

Darum werden KfW-Kredite selten in Anspruch genommen

Eher beantragt werde im Programm „Energieefizient Bauen“. „Da die Baukosten in der Regel deutlich höher sind, wägen die Kunden aber sehr genau nach Kosten/Nutzen ab“, sagt Siebke. Die Wespa geht davon aus, dass maximal 50 bis 60 Prozent der Neubauvorhaben über dieses Programm abgewickelt werden.

Gewerbliche Vermieter und Investoren nutzten dagegen häufig die KfW-Programme, bestätigt die Wespa die Beobachtungen der Deutschen Bank. Das gelte sowohl für Sanierungen als auch für Neubauten. Den Anteil schätzt die Wespa auf zwei Drittel.

„Als Immobiliensparkasse haben wir den Wunsch nach der Einbindung öffentlicher Mittel explizit in unser Beratungskonzept aufgenommen“, betont Siebke. Auf die KfW-Mittel werde in jedem Kundengespräch hingewiesen. Die Wespa setze die Darlehen der KfW überall dort ein, wo es als Baustein sinnvoll und gewollt sei.

Auch die Volksbank Bremerhaven-Cuxland bestätigt die Beobachtungen der Deutschen Bank und der Wespa: „Die Tendenz ist bei uns ähnlich“, sagt Sprecherin Julia Przybilowski. „Bei Sanierung von Bestandsimmobilien oder gekauften Gebrauchtimmobilien werden KfW-Kredite eher selten in Anspruch genommen, die Zuschuss-Variante wird dagegen bevorzugt.“ Bei Neubauten von Einfamilienhäusern liege der Anteil der KfW-Finanzierungen bei 60 bis 70 bis Prozent, bei Mehrfamilienhäusern bei nahezu 100 Prozent.

Volksbank: Energie-Effizienz wird weiter an Bedeutung gewinnen

Die Volksbank geht aber davon aus, dass die Energie-Effezienz für Gebäude weiter an Bedeutung gewinnen wird. Przybilowski verweist dazu auf die Erweiterung der Förderkredite und Zuschüsse durch die KfW. Auch die Volksbank bespreche in Finanzierungsgesprächen grundsätzlich die Möglichkeit einer KfW-Förderung – sei es durch Kredite oder durch Zuschuss, betont die Volksbank-Sprecherin.

Im Gegensatz zu den anderen drei Finanzinstituten kann die Commerzbank die Beobachtungen hinsichtlich der KfW-Programme nicht bestätigen. „Das ist bei uns anders. Insbesondere für Neubauten, aber zum großen Teil auch für Altbestände, werden bei unseren Finanzierungsprogrammen die verschiedenen KfW-Effizienz-Varianten mit einbezogen und durchfinanziert“, sagt Ingo Schmidt, Leiter des Immobiliencenters in der Commerzbank-Niederlassung Bremen. Er verweist auf den Vorteilsrechner der KfW, bei dem die Vorteile schnell klar würden.

„Natürlich ist der Aufwand des Antragsweges viel größer, und wir müssen hier motivieren“, meint Schmidt. Oftmals sehe der Kunde seinen Vorteil auch nicht sofort: „Er schaut auf den Nominalzins, der derzeit oftmals bei einer Bank günstiger ist als der KfW-Zinssatz, vergisst aber, dass er einen beachtlichen Teil des KfW-Kredites vom Staat nicht zurückzahlen muss“, berichtet er. Auf die Förderprogramme werde immer hingewiesen, das sähen die Finanzierungsprogramme der Commerzbank auch so vor.

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