Eine Hauskatze, die gut gefüttert wird und kastriert ist, neigt erheblich weniger zur Jagd als ihre frei lebenden Artgenossen.

Eine Hauskatze, die gut gefüttert wird und kastriert ist, neigt erheblich weniger zur Jagd als ihre frei lebenden Artgenossen.

Foto: Pleul/dpa

Eine Hauskatze, die gut gefüttert wird und kastriert ist, neigt erheblich weniger zur Jagd als ihre frei lebenden Artgenossen.

Heute

Was Katzen-Halter tun können, um Vögel zu schüzen

Wenn es ein Geräusch gibt, das den Frühling verkündet, dann ist es das Singen der Vögel. Das lässt nicht nur Menschen frohlocken, sondern ruft auch eine Spezies auf den Plan, die die gefiederten Tiere zum Fressen gern hat: Katzen. Das Jagen der in der Kulturlandschaft ohnehin dezimierten Vögel liegt in ihrer Natur. Doch Katzen-Halter können einiges tun, um ihre Lieblinge auf andere Pfade zu lenken. Was, das erläutert Francesco-Hellmut Secci vom Naturschutzbund (Nabu) im Interview.

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Gerade zur Brutzeit geraten Katzenhalter und Vogelfreunde sich zuweilen in die Haare. Die einen halten das Jagen für einen naturgegebenen Vorgang, den man in Kauf nehmen müsse. Die anderen erkennen in den Samtpfoten Schädlinge. Wie beurteilen Naturschützer diesen Grabenkrieg? Katzenfreunde sind in aller Regel auch Naturfreunde, lieben gerade das Wilde, Anarchische ihrer Haustiere, das sie mit Freiheit und Natur gleichsetzen. Unsere Vögel leiden auf vielfältige Weise am Menschen, da haben wir alle einiges zu ändern und jeder kann für sich den Anfang machen, etwas zu verbessern.

Wie massiv ist der Schaden, den Katzen hierzulande der Singvogel-Population zufügen? Da gehen die Zahlen, auch die renommierter Quellen, weit auseinander. Sicher sind Hauskatzen ein weiterer, wichtiger Faktor neben der monotonen Kultur- und Agrarlandschaft, dem Insektensterben, dem Straßenverkehr, den modischen Glasfassaden, um nur einige zu nennen. Die Auswirkung hängt ferner von der Anzahl der Katzen vor Ort und der jeweiligen Vogelart ab.

Gibt es bestimmte Vogelarten, die es besonders häufig triff? Je häufiger die Vogelart vorkommt, desto öfter werden sie Opfer. Vogelarten, die in der Gruppe aufeinander achten, machen es Fressfeinden schwerer, Größe und Wehrhaftigkeit – auch der Kolkrabe ist ein Singvogel – schützen, aber selbst ein rechtlich hoch geschützter Greifvogel kann durch Stubentiger getötet werden. Bodenbrüter sind durch Katzen bedrohter als die Bewohner gut installierter Nistkästen.

„Vögel leiden in vielerlei Hinsicht“, sagt Francesco-Hellmut Secci vom Naturschutzbund.

„Vögel leiden in vielerlei Hinsicht“, sagt Francesco-Hellmut Secci vom Naturschutzbund.

Foto: privat

Gibt es etwas, das Katzenhalter tun können, um ihre Fellnasen zu „entschärfen“? Da kommt häufig das „Glöckchen“ ins Spiel, ob es die Katze schädigt oder „nur“ unangenehm ist, vermag ich nicht zu sagen, aber es hilft nur erfahrenen Altvögeln. Küken, Nestlinge und tollpatschige Jungvögel profitieren davon nicht. Um diese zu schützen, sollten Hauskatzen ab April bis Mitte Juni im Haus verbleiben. Katzenhalter, die dies nicht umsetzen können, sehe ich in der Verantwortung, ihre Haustiere zumindest in den frühen Morgenstunden vom Jagen abzuhalten, sich viel und ausgiebig mit der Katze zu beschäftigen, um durch intensives Spielen den Jagdtrieb auszuleben. Die Kastration und Sterilisation von Freigängern mindert den Jagd- und Beutetrieb der Tiere ebenfalls deutlich.

Und wie kann ich meinen Garten zu einer Schutzzone für Vögel umgestalten? Oha, da bräuchten wir jetzt viel Zeit. In aller Kürze gilt: Heimische Pflanzen und nochmals heimische Pflanzen wählen. Sie nähren Insekten, bilden das Fundament für alles, was kreucht und fleucht, wovon auch die Singvögel profitieren. Nehmen wir als Beispiel nur die heimischen Sträucher: Diese bieten Nistgelegenheit, Nahrung, die dornenbewehrten schützen ihre Bewohner auch vor Katzen. Leider ist es oftmals nicht einfach, diese Sträucher überhaupt zu kaufen, weshalb der Nabu regelmäßig Sammelbestellungen organisieren muss, damit diese ökologisch sinnvollen Pflanzen in die Gärten kommen.

Wie kann man Brutvögel unterstützen? Das kann man durchaus. Nistkästen beispielsweise sollten in mindestens zwei Metern Höhe montiert werden. Nester in Bäumen können durch glatte, den Stamm umschließende Manschetten von gut 50 Zentimetern Länge geschützt werden. Die Umgebung von Futter- und Wasserstellen sollte für den Vogel gut einsehbar sein und auf drei Metern einer lauernden Katze keine Deckung bieten.

Und welchen Umgang empfehlen Sie rivalisierenden Nachbarschaftsfraktionen, um zu einem Zaun-Frieden zu gelangen? Eifer schadet, Informationen und Gesprächsbereitschaft helfen da deutlich weiter. Statt Energie in Streit und Schuldzuweisungen zu vergeuden, rate ich zu gemeinschaftlichem Bemühen, um die Situation der Vögel, Kleinsäuger, Reptilien und Amphibien vor Ort zu verbessern. Ich unterstelle keinem Katzenhalter bösen Willen. Allerdings sehe ich sie in moralischer Verantwortung für die Tiere.

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