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Der Hof im Hintergrund verhindert das Eigenheim: Flögelns Bürgermeister Claus Seebeck (links) und Marius Meyer können das nicht verstehen.

Der Hof im Hintergrund verhindert das Eigenheim: Flögelns Bürgermeister Claus Seebeck (links) und Marius Meyer können das nicht verstehen.

Foto: Hansen

Heute Wir vom Dorf

Wenn man auf dem Land bauen will, aber nicht darf

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Marius Meyer ist 26 Jahre jung und würde gerne bauen. Mit seiner Freundin, direkt neben dem Haus der Eltern. Sein Opa hatte das Grundstück bereitgestellt, es liegt gegenüber vom Hof der Familie. Eigentlich könnte es losgehen. Wenn da nicht die Gesetze wären. Die GIRL macht ihm einen Strich durch die Rechnung.

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Der 26-jährige kann da nur den Kopf schütteln. „Ich bin hier groß geworden. Natürlich riecht’s hier manchmal, aber mich stört das überhaupt nicht“, sagt er. Dass der Bauernhof gegenüber jetzt jegliches Bauen verhindert, kann er nicht begreifen. Aber auf die Bauvoranfrage, die er beim Landkreis gestellt hat, gab es eine klare Antwort.

Ohne ein Immissionsschutzgutachten, so hieß es, geht da gar nichts. Die Familie gab das Gutachten in Auftrag. Und das Ergebnis war eindeutig: In 17 bis 24 Prozent der Jahresstunden würden Gerüche von dem Stall in Marius Meyers Wunschhaus wahrzunehmen sein. Erlaubt sind nach der GIRL (Geruchsimmissions-Richtlinie) aber nur bis zu 15 Prozent der Jahresstunden.

Wie sollen Dörfer noch entwickelt werden?

Selbst in Dörfern, die landwirtschaftlich geprägt sind. Kurzum: Der junge Mann kann dort nicht bauen. Obgleich das Haus seiner Eltern nebenan, in dem er jetzt wohnt, sogar noch stärker mit Gerüchen belastet ist.

Nackte Tatsachen: Kühe hinterlassen mit ihrem Kot kräftige Gerüche. Weil das den Anwohnern nicht zuzumuten ist, darf mancherorts in den Bauerndörfern nicht mehr neu gebaut werden.

Nackte Tatsachen: Kühe hinterlassen mit ihrem Kot kräftige Gerüche. Weil das den Anwohnern nicht zuzumuten ist, darf mancherorts in den Bauerndörfern nicht mehr neu gebaut werden.

Foto: picture alliance/Sebastian Kah

Ortsbürgermeister Claus Seebeck kann das nicht recht fassen. „Wie sollen wir denn unsere Dörfer noch entwickeln?“, fragt der CDU-Kommunalpolitiker. In Flögeln existierten noch zwölf landwirtschaftliche Betriebe, worüber er sehr froh sei, betont er. „Aber es kann doch nicht sein, dass wir deswegen hier im Ort nicht mehr bauen können.“

Anfrage nach Bauland sei da

Die Nachfrage nach Bauland sei doch da. Er habe gleich mehrere Anfragen, sagt Seebeck. Aber Grundstücke kann er den Interessenten nicht anbieten. „Das Bauland, das wir noch haben, wird entweder landwirtschaftlich genutzt, vom Besitzer für den Bedarf der Kinder aufbewahrt oder ist wegen GIRL nicht bebaubar.“

In den kleinen Dörfern können ohnehin kaum neue Baugrundstücke ausgewiesen werden. Seit ein paar Jahren tritt der Kreis da mächtig auf die Bremse. Der Grund ist nachvollziehbar: Politik und Verwaltung setzen mit ihrem Raumordnungsplan vor allem auf die größeren Orte, in denen es auch Infrastruktur wie Schulen, Kindergärten und Läden gibt.

Landwirtschaftliche Betriebe in Flögeln

Karte: maps4news.com/©OSM,


Wird GIRL andernorts nicht so eng ausgelegt?

In den kleinen Dörfern soll nur Bauland für den dorfeigenen Nachwuchs vorgehalten werden, Neubaugebiete für eine Weiterentwicklung sind nicht vorgesehen. „Wir“, so Claus Seebeck, „sind angehalten, erst mal unsere Baulücken im Ort zu füllen.“ Aber genau das funktioniere nicht, wie das Beispiel Meyer zeige. Der CDU-Mann ist überzeugt: In anderen Landkreisen werde die GIRL-Richtlinie nicht so eng ausgelegt.

Das weist Kreisdezernentin Babette Bammann strikt zurück. „Wir haben einen regelmäßigen Austausch zwischen Verwaltungsspitzen. Kein Landkreis handelt da anders als wir“, versichert sie. Die Kreise könnten da auch gar nicht anders agieren. „Es geht bei diesen starken Gerüchen ja um den Schutz der Gesundheit der Anwohner. Das kann man nicht umgehen.“

Politik einigt sich auf neue Marschroute

Was die Ausweisung von neuem Bauland angeht, kann Bammann den Bürgermeistern der kleinen Dörfer ein wenig Hoffnung machen. Das dürfte unter anderem auch Marcus Itjen, Bürgermeister der Gemeinde Wurster Nordseeküste, interessieren, der darüber klagt, dass in Wanhöden kein Bauland ausgewiesen werden kann.

Tatsächlich haben sich Politik und Verwaltung im vergangenen Herbst darauf geeinigt, die Marschrichtung zu ändern. Nachdem der Streit um Bauland im 140-Einwohner-Dorf Hackemühlen bei Hemmoor hochgekocht war, beschloss man, die Ausweisung von Baugebieten künftig flexibler zu handhaben und der tatsächlichen Nachfrage anzupassen.

Allerdings hat es dieser Passus bislang noch nicht in die Raumordnung geschafft. Weil im Bauplanungsamt das Personal so knapp ist, konnte das noch nicht umgesetzt werden, so Bammann.

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