Ingo Kramer

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Foto: Kruppa/BDA

Ingo Kramer

Heute

„Wirtschaftsverständnis ist wichtige Voraussetzung“

Die wirtschaftliche Grundbildung soll ein fester Bestandteil des Unterrichts an Schulen werden, fordert das Bündnis Ökonomische Bildung (BÖB), zu dessen Gründungsmitgliedern auch das Netzwerk Schule, Wirtschaft, Wissenschaft für die Region Unterweser gehört. Im Interview erläutert der scheidende Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, Ingo Kramer, warum er die Vermittlung von Wirtschaftswissen an Schulen so wichtig findet.

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Sie waren sieben Jahre lang Arbeitgeberpräsident, haben aber bedeutend länger einen guten Blick auf Wirtschaft, unter anderem als Präsident der IHK Bremerhaven. Wie hat sich über die Jahre das wirtschaftliche Grundwissen der jungen Leute verändert? Ich nehme nicht wahr, dass sich das wirtschaftliche Grundwissen junger Menschen in der letzten Zeit gravierend verbessert hat. Je nach individueller Beschäftigung mit den öffentlichen Medien – Zeitung, Rundfunk, Fernsehen – sind Kenntnisse allgemeiner Art über wirtschaftliche Zusammenhänge vorhanden, ein tieferes Verständnis über die kaufmännischen Grundlagen unternehmerischen Handelns ist eher selten zu finden.

Wo sind die größten Defizite bei Schülern und Auszubildenden?
Neben den allgemeinen Klagen von mangelnden Rechtschreibkenntnissen über fehlende Rechenkompetenzen bis zu vereinzelten Problemen im Sozialverhalten fehlt es Schulabgängern weitgehend an wirtschaftlichem Einfühlungsvermögen in Betriebsabläufen, Kostenstrukturen und die Zukunft sichernde Notwendigkeit, aus Gewinnen Eigenkapital im Unternehmen zu bilden.

Vor diesem Hintergrund ist es eine wichtige Voraussetzung für eine auch zukünftig starke deutsche Wirtschaft, die Arbeitsplätze schafft, Schulabgängern ein gutes wirtschaftliches Verständnis mitzugeben.
Ingo Kramer

Das neu gegründete Bündnis Ökonomische Bildung (BÖB), zu dem auch das Netzwerk Schule, Wirtschaft und Wissenschaft gehört, will erreichen, dass die wirtschaftliche Grundbildung ein fester Bestandteil des Unterrichts an Schulen werden soll. Was halten Sie von dem Vorstoß? Deutschlands volkswirtschaftlicher Erfolg hängt ganz wesentlich von den Dienstleistungs- und Handelsunternehmen und von mittelständischen Produktionsbetrieben ab, die teilweise Weltgeltung haben, nicht aber von Bodenschätzen. Vor diesem Hintergrund ist es eine wichtige Voraussetzung für eine auch zukünftig starke deutsche Wirtschaft, die Arbeitsplätze schafft, Schulabgängern ein gutes wirtschaftliches Verständnis mitzugeben.

Ein eigenes Fach Wirtschaft sei dazu nicht nötig, meint der BÖB. Und der Bremerhavener Schuldezernent Michael Frost sagt, dass es Möglichkeiten gebe, wirtschaftliche Themen in verschiedenen Fächern unterzubringen. Was denken Sie? Ich möchte mich nicht in die Details der Lehrplangestaltung einmischen, die zu Recht in der Verantwortung der Schulverwaltung liegt. Je nach Schwerpunktsetzung der Schule mit ihrem Fächerangebot kann ein eigenes Schwerpunktfach „Wirtschaft“ genau so sinnvoll sein, wie die Schwerpunktsetzung von Wirtschaftsthemen zum Beispiel in einem Fach wie Gemeinschaftskunde an einer musischen Oberstufe. Allerdings darf die Vermittlung von volkswirtschaftlichen und insbesondere betriebswirtschaftlichen Grundkenntnissen nicht mit sozialpolitischen Betrachtungen verwechselt werden.

Schulung der Lehrer

Wie sieht es mit den Lehrkräften aus? Müssten diese Ihrer Meinung nach auch besonders geschult werden? Wie in allen anderen Fächern und Themenbereichen auch setzt die Vermittlung von Kenntnissen selbstverständlich eine entsprechende Schulung der Lehrkräfte voraus. Hierbei ist es sicher hilfreich, wenn neben der theoretischen Wissensvermittlung an der Hochschule praxisbezogene Besuche in Firmen und Gespräche mit Meistern, Betriebsleitern und Unternehmern vertiefend wirken können.

Was müsste aus Sicht der Arbeitgeber noch passieren, um Schüler in Sachen Wirtschaft fitter zu machen? Wir brauchen ein gesellschaftliches Klima, in dem der Wert der Erwerbstätigkeit und der unternehmerischen Initiative als wirtschaftliche Grundlage menschlichen Handelns einen größeren Stellenwert bekommt. Dass dieses nachhaltig pflegsam mit allen Ressourcen und fürsorglich mit den Menschen umgehen muss, ist dabei kein Widerspruch, sondern die Zukunft sichernde Wahrnehmung von Verantwortung. Aber die Bereitschaft, sich wirtschaftliche Grundkenntnisse anzueignen, hängt von dem notwendigen Verständnis dieser Zusammenhänge ab.

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