Mann in einem Anzug steht an einem Eisenbahngleis.

Noch hält kein Zug am Bahnhof Zeven-Süd, aber Samtgemeinde-Bürgermeister Henning Fricke möchte, dass sich das bald ändert.

Foto: Fricke

Noch hält kein Zug am Bahnhof Zeven-Süd, aber Samtgemeinde-Bürgermeister Henning Fricke möchte, dass sich das bald ändert.

Heute

Zevener wollen wieder mit der Bahn fahren können

Das Thema Bahn ist Bürgermeister Henning Fricke offenbar wichtig. Er hat gemeinsam mit seinem Kollegen Jörn Keller aus Sittensen einen Vorstoß zur Reaktivierung der Strecke Zeven-Tostedt unternommen. Und nun hat seine Verwaltung eine Resolution ausgearbeitet, um sich auch für die Strecke Bremervörde-Rotenburg einzusetzen. Der Samtgemeinderat hat den Aufruf zur Reaktivierung von beiden Strecken einstimmig beschlossen.

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Dem Rathauschef ist die Sache so wichtig, dass er die Resolution in der Ratssitzung persönlich verlesen hat. Der erste Satz umfasst gleich den politischen Willen, der zum Ausdruck kommen soll: „Die Mitglieder des Rates der Samtgemeinde Zeven sprechen sich mit Nachdruck für die Reaktivierung der Bahnstrecken Tostedt–Zeven und Bremervörde–Rotenburg aus. Zur Erreichung der Ziele des Klimaschutzes und zur besseren Anbindung des ländlichen Raums werden Aktivitäten für den Ausbau von SPNV (Bahn) und ÖPNV (Bus) ausdrücklich begrüßt. Der Rat der Samtgemeinde Zeven unterstützt daher nachhaltig mögliche Initiativen des Landes Niedersachsen zur Reaktivierung von Bahnstrecken für den Schienenpersonennahverkehr.“

Mit einem erneuten Bewertungsverfahren soll die bauliche Ertüchtigung und Reaktivierung beider Strecken vom Land geprüft und aus den von Bund und Land für Klimaschutzzwecke bereitgestellten Haushaltsmitteln finanziert werden.

„Der Samtgemeinderat fordert die niedersächsische Landesregierung auf: a) die Hindernisse, die einer Reaktivierung der betreffenden Bahnstrecken entgegenstehen, zu ermitteln und zu benennen und b) zu prüfen, mit welchen Maßnahmen diese überwunden werden können.“

Bahnanschluss als Entwicklungspol für die Region

Zur Begründung heißt es in der Resolution, die Reaktivierung der Bahnstrecken habe im Landkreis hohe Priorität. Klimaschutz und die Verkehrswende seien in aller Munde und genießen inzwischen auf allen europäischen und staatlichen Ebenen Priorität. Angekommen sei das auch in der Gesellschaft. Die Forderungen seitens der Bewegung „Fridays for Future“ sprächen hier für sich. Neben dem Einsparen von CO2 solle die Mobilität moderne und akzeptable Veränderungen erfahren. „Vor diesem Hintergrund hat die Bundesregierung ein Klimapaket 2019 verabschiedet, in dem die Attraktivität des SPNV (Schienenverkehr) und des ÖPNV gestärkt werden soll. Mobilität wird sich daher zukünftig anders gestalten müssen. Der bessere Anschluss unserer Region Zeven an das Bahnnetz ist und bleibt daher für die Samtgemeinde Zeven ein wichtiges Anliegen. Die Schienentrassen mit ihren Bahnhöfen könnten so, wie schon vielfach andernorts passiert, zu Entwicklungspolen in der hiesigen Region werden.“

Die Samtgemeinde Zeven sei im Landkreis Rotenburg die Verwaltungseinheit mit der höchsten Einwohnerzahl und der stärksten Wirtschaftskraft, heißt es in der Resolution weiter. „Zeven ist eines der wenigen Mittelzentren in Niedersachsen und Deutschland, das über keinen Bahnanschluss verfügt. Unter den sich nun abzeichnenden gesellschaftlichen Veränderungen und den neuen politischen Zielsetzungen stellt dies ein Entwicklungshemmnis als Lebens- und Arbeitsstandort für die gesamte Region dar. Dies gilt es nachhaltig zu verändern.“

Reaktivierung der Bahnstrecken ist bereits länger ein Thema

Die niedersächsische Landesregierung hatte 2013 und 2015 bereits ein Auswahlverfahren zur Reaktivierung von Bahnstrecken durchgeführt. Beide für die Samtgemeinde Zeven wichtigen Strecken, Tostedt–Zeven und Bremervörde–Rotenburg waren vertreten. Bei der damaligen Bewertung kam die Strecke Tostedt–Zeven auf Platz 9, die Strecke Bremervörde–Rotenburg auf Platz 20. „Vor dem Hintergrund der immensen Herausforderungen, die in den kommenden Jahren in Sachen Klimaschutz auch auf den ländlichen Raum zukommen, ist dies ein wichtiger Beitrag für moderne Mobilität. Die aktuelle Klimaschutz-Diskussion verleiht diesem Ansinnen noch mehr Nachdruck. Die Bahnstrecken ermöglichen eine umweltfreundliche Verkehrsanbindung alter und neuer Siedlungsschwerpunkte im Landkreis. Darüber hinaus sind sie Erschließungsachsen für eine mögliche weitere Wohngebietsentwicklung und geeignet, eine Steigerung des motorisierten Individualverkehrs zu begrenzen oder diesen sogar zu reduzieren.“

Eine Reaktivierung der Bahn verbessere die Vernetzung der Samtgemeinde Zeven in der Region und in die beiden Metropolregionen Hamburg und Nordwest. Berufspendler, Studierende und Auszubildende hätten so klima- und umweltschonende sowie leistungsfähige Alternativen.

Im Zuge des von der Bundesregierung beschlossenen Klimapakets wurde angekündigt, die Attraktivität des ÖPNV/SPNV zu stärken und hierfür mehrere Milliarden Euro bereitzustellen. Aus diesen Absichtserklärungen speise sich die Hoffnung, dass auch Klima-Gelder für eine Reaktivierung von Bahnstrecken des SPNV bereitgestellt werden.

„Lasst uns also gemeinsam Dampf auf den Kessel bringen“

Lob für den Bürgermeister und seine Mitarbeiter in der Verwaltung gab es vor allem von Elsdorfer Christdemokraten Jens Behrens. Er begrüßte, dass Fricke davon Abstand genommen habe, die Strecke Zeven-Tostedt zu priorisieren. Behrens referierte alte Beschlüsse und das Raumordnungsprogramm, um dann aber ein optimistisches Fazit zu ziehen: „Wenn wir heute dieser Vorlage einstimmig – und das ist wichtig – zustimmen, dann bin ich mir sicher, dass wir die richtige Weichenstellung vorgenommen haben. Durch die Resolution des Kreistags im April, das Raumordnungsprogramm und durch unsere heutige Forderung erhält Hannover ein deutliches Signal aus dieser Region, zur Anbindung der Samtgemeinde Zeven an den SPNV. Lasst uns also gemeinsam Dampf auf den Kessel bringen!“ Seine Ratskollegen folgten dem Wunsch von Behrens dann einstimmig.

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