Lernzettel und Duplosteine sind oft nützliche Utensilien bei der Therapie von Kindern, die von Formen des Autismus-Spektrums betroffen sind.

Lernzettel und Duplosteine sind oft nützliche Utensilien bei der Therapie von Kindern, die von Formen des Autismus-Spektrums betroffen sind.

Foto: Sebastian Gollnow

Lernzettel und Duplosteine sind oft nützliche Utensilien bei der Therapie von Kindern, die von Formen des Autismus-Spektrums betroffen sind.

Leben

Autismus-Zentrum in Zeven ist eine Erfolgsgeschichte

Jacqueline Klee muss derzeit wegen der Corona-Pandemie anders arbeiten, als sie es gewohnt ist. Aber ihre Arbeit als Projektleiterin und Therapeutin im neuen Autismus Therapie- und Beratungszentrum ist auch in Zeiten der Corona-Pandemie eine Erfolgsgeschichte, denn es hat sich offenbar schnell herumgesprochen, dass es in Zeven jetzt ein entsprechendes Hilfsangebot gibt.

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Seit dem 1. Januar 2020 betreibt „Die Börne“, eine gemeinnützige Gesellschaft für Soziale Dienste, an der Rhalandstraße 26 in Zeven mit großem Zuspruch ihr Autismus Therapie- und Beratungszentrum. „Eine Förderung der Aktion Mensch in Form eines Zuschusses in Höhe von 300 000 Euro ermöglicht seitdem die wohnortnahe, regionale Betreuung von Menschen mit Autismus-Spektrum-Störungen“, berichtet Stefanie Mencke, Geschäftsführerin der Börne, im Gespräch mit NORD|ERLESEN.

Möglichkeit für Informationen

Im Mittelpunkt des Angebotes stehen Menschen mit Autismus-Spektrum-Störungen, kurz ASS genannt, deren Angehörige sowie Fachkräfte aus deren Umfeld und alle Menschen, die sich mit Fragen zu diesem besonderen Störungsbild beschäftigen. Das Beratungszentrum bietet Betroffenen und Angehörigen die Möglichkeit, sich ausführlich zu informieren. „Durch das Autismus Therapie- und Beratungszentrum soll zukünftig ein am Sozialraum orientiertes und inklusives Leistungsangebot im Rahmen eines fachlich hochkompetenten, therapeutischen Angebotes entstehen sowie eine Beratungsstelle für Menschen implementiert werden, die im beruflichen oder privaten Kontext mit Fragen zum Thema ASS befasst sind. Das Angebot soll nicht nur dazu beitragen, die Chancengleichheit und die soziale Integration von Menschen mit ASS zu fördern, sondern ihnen darüber hinaus ein Höchstmaß an Unabhängigkeit und Selbstbestimmung ermöglichen und dem Alter und Entwicklungsstand entsprechende Hilfen zur Verfügung stellen“, so Mencke weiter.

Umgang mit Menschen mit ASS

Projektleiterin Jacqueline Klee hat sich seit Einrichtung des Autismus Therapie- und Beratungszentrums in Zeven um eine gute Vernetzung mit anderen Beratungsstellen gekümmert.

Projektleiterin Jacqueline Klee hat sich seit Einrichtung des Autismus Therapie- und Beratungszentrums in Zeven um eine gute Vernetzung mit anderen Beratungsstellen gekümmert.

Foto: Kurth

Außerdem soll das Angebot zur Erweiterung der fachlichen Kompetenz von Angehörigen, Fachkräften und allen Partnern des gerade entstehenden Netzwerkes beitragen, um das Alltagshandeln im Umgang mit Menschen mit ASS auf deren Bedürfnisse abzustimmen und somit perspektivisch alle Partner, die in der Region Zeven mit dieser Klientel in Kontakt sind, miteinander in Verbindung bringen.

Das Angebot richtet sich in erster Linie an Bewohner des Landkreises Rotenburg, aber laut Jacqueline Klee sind auch erste Klienten aus den Landkreisen Verden, Harburg, Cuxhaven und Osterholz dabei. „Aufgrund der guten Anbindung zur Autobahn ist das Therapiezentrum in Zeven für die Klienten aus den Landkreisen Harburg und Verden ebenso schnell erreichbar. Wir legen großen Wert darauf, die Wartezeiten auf einen Therapieplatz überschaubar zu halten, um die betroffenen Klienten und deren Angehörige möglichst schnell unterstützen zu können“, so Klee.

Zentrum an einigen Schulen vorgestellt

Der Landkreis Rotenburg biete mit verschiedenen Beratungsstelle bereits ein breit gefächertes Angebot. Das Fachpersonal in den Beratungsstellen habe bisher allerdings nur wenige Schnittpunkte mit dem Spektrum Autismus, deshalb werde zukünftig eine enge Vernetzung mit den entsprechenden Stellen angestrebt.

Bereits vor Beginn der Corona-Pandemie hat Klee das Zentrum an einigen Schulen in Zeven und Bremervörde vorgestellt. „Die Schulen begrüßen das kostenlose Beratungsangebot, da sich die Lehrkräfte aufgrund der Inklusion immer wieder darauf einstellen müssen, Kinder oder Jugendliche mit ASS in den Regelunterricht zu integrieren. Viele Lehrkräfte sind im Bereich Autismus nicht geschult und werden oft vor neue Herausforderungen gestellt, die mit einer Überforderung verbunden sein können. Bei uns haben die Schulen die Möglichkeit, interne Informationsveranstaltungen zum Thema Autismus zu buchen oder sich individuelle Beratung zu einem Kind einzuholen“, so die Projektleiterin.

Aktuell nehmen zehn Klienten die Therapie in Anspruch, die Kosten werden vom Sozial- oder Jugendamt getragen. Neben dem Landkreis Rotenburg als Kostenträger hat die die Börne auch eine Vereinbarung über die ambulante Autismus-Therapie mit dem Land Niedersachsen getroffen, sodass auch Erwachsene das Leistungsangebot wahrnehmen können. Das Beratungsangebot wird von betroffenen Familien sehr gut angenommen, viele Eltern haben eine Beratung für das häusliche Umfeld erfragt, berichtet Klee.

Einschränkungen in der Öffentlichkeitsarbeit

Aufgrund der Corona-Pandemie mussten sowohl der geplante Tag der offenen Tür als auch die Einweihungsfeier auf unbestimmte Zeit verschoben werden und es kam darüber hinaus zu Einschränkungen in der Öffentlichkeitsarbeit. So wollte sich Klee persönlich bei Kooperationspartnern wie Ärzten, Kliniken, Schulen, Kindertagesstätten, Beratungsstellen, Jobcentern oder Selbsthilfegruppen vorstellen, für das Jahr 2021 besteht hier nun deutlicher Nachholbedarf. Auch der Kontakt zu Beratungsstellen konnte bisher nur telefonisch hergestellt werden.

Mit Betroffenen in Kontakt treten

Die Projektleiterin möchte, sobald das möglich sein wird, im Zentrum an der Rhalandstraße Informationsveranstaltungen zum Thema Autismus anbieten. Dadurch sollen Angehörige die Möglichkeiten erhalten, mit anderen Betroffenen in Kontakt zu treten. Zudem soll es Informationsveranstaltungen für Fachkräfte geben, damit auch diese untereinander den Kontakt herstellen können. Außerdem erwägt Klee Gruppenangebote für Geschwisterkinder zu installieren, um ihnen eine Plattform zu bieten, wo sie verstehen lernen, was eine Autismus-Spektrum-Störung eigentlich ist, und wo sie die Möglichkeit erhalten, sich über ihre Gedanken auszutauschen.

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