Das Deich-Einmaleins

Weißt du was ein Lahnungsfeld ist? Oder wozu es Buhnen gibt? Nein? Macht nichts. Mit diesen Infos kannst du auf jeder (digitalen) Party im Norden punkten.

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Lahnungsfelder sind wichtige Bestandteile des Küstenschutzes. Sie entstehen vor ...
Lahnungsfelder sind wichtige Bestandteile des Küstenschutzes. Sie entstehen vor dem Deich. Weil das Meer eine unglaubliche Kraft hat und ständig in Bewegung ist, können solche Felder entstehen. Durch die Gezeiten werden viel Sand und andere Sedimente an die Küste gespült. Im Wasser schweben organische Reste und Sedimente, die dem Wattwasser die schmuddelige Farbe geben. Sand und Schwebeteilchen können sich vor allem da ablagern, wo die Strömung nicht zu stark ist. Damit die Flut den Sand nicht wieder ins Meer trägt, werden Pflöcke und Holzmatten im Watt verbaut. Beides sind Bestandteile der Lahnungsfelder. Sie werden quer zur Wasserlinie ins Wasser gesetzt und sehen dann aus, als hätte das Stück Küste ein Gitternetz.

© Heike Leuschner

In Wremen gibt es einen Mahlbusen. Er liegt hinter dem Kutterhafen und sieht aus...
In Wremen gibt es einen Mahlbusen. Er liegt hinter dem Kutterhafen und sieht aus wie ein See. Der Mahlbusen hat eine wichtige Funktion: Er speichert zum einen das Wasser und er hält auch den Schlick zurück. Mit der Flut läuft der Mahlbusen voll. Wenn durch die Ebbe kein Wasser mehr im Hafen ist, dann wird mit dem Öffnen des Tores der Mahlbusen geleert. Und zwar mit Schmackes. Das Wasser kommt mit einem Schwall in Richtung Hafen. Dabei soll so viel Schlick wie möglich aus dem Wremer Hafen gespült werden. Durch ein Sperrwerk im Vorfluter hinter dem Mahlbusen wird verhindert, dass Salzwasser ins Landesinnere eindringt. Der Landkreis Cuxhaven hat den Wremer Mahlbusen in die Liste der gesetzlich geschützten Biotope aufgenommen.

© Arnd Hartmann

Die Luneplate im Süden von Bremerhaven und das Weserwatt vor dem Fischereihafen ...
Die Luneplate im Süden von Bremerhaven und das Weserwatt vor dem Fischereihafen bilden zusammen das größte Naturschutzgebiet im Land Bremen. Auf der Luneplate findet sich ein Sturmflutsperrwerk, ein Tideschöpfwerk und ein 220 Hektar großer Tidepolder: ein eingedeichtes Gelände, das von Ebbe und Flut beeinflusst wird. Im Gegensatz zum Mahlbusen füllt sich dieser mit Brackwasser – eine Mischung aus Salz- und Süßwasser. 1,3 Millionen Kubikmeter Wasser werden mit jeder Tide in den Polder gespült. Die Renaturierung der Luneplate ist ein Ausgleich für den Ausbau des Containerterminals IV. Diese Kompensationsmaßnahme hat rund 30 Millionen Euro gekostet. Das Sturmflutsperrwerk war der größte Brocken mit 17,5 Millionen Euro.

Deichbehörden und -Verbände legen fest, welche Abmessungen ein Deich haben muss....
Deichbehörden und -Verbände legen fest, welche Abmessungen ein Deich haben muss. Diese Festsetzung wird Bestick genannt. Dieser Begriff rührt noch aus der Zeit, als Stroh und Reet zum Uferschutz verwendet wurde. Zu diesem sogenannten Besticken wurde eine „Deichnadel“ genommen: ein etwa 60 Zentimeter langer Holzstiel mit einer flachen Eisenspitze mit stumpfer Schneide und einem stempelförmigen Kopf. Mit der Deichnadel wurde Stroh und Reet in die Grassode eingedrückt. Die Höhe der Deiche wird bemessen nach dem am höchsten zu erwarteten Hochwasserstand plus einer dazu gerechneten Reserve. Der Weserdeich in Bremerhaven wurde deshalb ab 2013 von der Seebäderkaje bis zum Strandbad um zwei Meter auf 8,60 Meter erhöht.

Viele kennen Buhnen auch von den Nordseeinseln. Es gibt sie aber auch an unserer...
Viele kennen Buhnen auch von den Nordseeinseln. Es gibt sie aber auch an unserer Nordseeküste. Eine Buhne ist ein Bauwerk aus Holz oder Steinen. Es dient der Uferbefestigung, weil sie die Strömungsgeschwindigkeit des Meeres verlangsamt. Buhnen können aber auch gebaut werden, damit Strömungen im Watt geleitet werden, so dass das Fahrwasser tief genug bleibt. Buhnen werden in einem rechten Winkel zum Küstenverlauf ins Meer gebaut. Der Bereich zwischen zwei Buhnen wird Buhnenfeld genannt. Früher hielten die Buhnen rund 50 Jahre, doch dann kam in den 90er Jahren die Schiffsbohrmuschel, die das Holz zerstörte. Seitdem werden Pfähle aus Tropenhölzer oder Eukalyptus verwendet. Das wird von den Muscheln nicht angegriffen.

© Lili Maffiotte

„Umgedrehte Besen“, die im Watt stecken, heißen Pricken. Diese speziellen Baken ...
„Umgedrehte Besen“, die im Watt stecken, heißen Pricken. Diese speziellen Baken stehen an den Rändern der Priele und Wattströme. Sie kommen da zum Einsatz, wo sich Tonnen und andere Seezeichen nicht lohnen. Diese fünf bis sieben Meter hohen Birken markieren die Fahrrinne, damit kleinere Schiffe sicher in oder aus dem Hafen kommen. Auch der Weg Cuxhaven nach Neuwerk ist mit Pricken gesteckt. Alle 50 bis 150 Meter steckt eine Pricke im Watt. Jedes Jahr müssen sie neu gesetzt werden, weil der Wattboden immer in Bewegung ist. Das heißt, dass sich der Zulauf von Prielen permanent verändert und sich neue Wege sucht. Außerdem halten die Pricken nicht ewig: Der Winter mit Schnee, Eis oder Stürmen zerrt an ihnen und nicht alle bleiben im Boden.

© dpa

Die Sträucher, die wie Matten zwischen den Holzpflöcken in einem Lahnungsfeld li...
Die Sträucher, die wie Matten zwischen den Holzpflöcken in einem Lahnungsfeld liegen, haben einen Fachbegriff: Faschinen. Es sind Reisig- und Rutenbündel von einigen Metern Länge. Sie sollen Erosionen sowie Böschungsabbrüche verhindern, werden aber auch eingesetzt, damit der Sand am Strand liegen bleibt. Diese Bündel aus Nadelholz- oder Laubholzreisig sind zwischen 3 und 6 Meter lang und aus Weidenruten oder Bindedraht. Die Pfähle werden an den Steinwällen in Zweierreihe gesetzt. Die Senkmatten aus Ästen und Zweigen werden zwischen die Pflöcke gelegt und anschließend mit Steinen beschwert. Zwischen den Lahnungen verliert das Meer seine Kraft, die Sedimentteile bleiben liegen. Noch ein Effekt: Der Wellenstrom wird verlangsamt.

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