Drei Menschen stoßen mit Sekt und Aroniasaft an.

Marius, Liane und Wilhelm Duden (von links) stoßen auf die Aroniabeere an. Wie sollte es anders sein, mit einer Mischung aus Sekt und Apfelaroniasaft mit einem Spritzer Zitronensaft. Die Landwirtsfamilie aus Kalbe ist froh, auf die kleine Schwarze gesetzt zu haben.

Foto: Jakob Brandt

Leben

Die schwarze Wunderbeere Aronia liegt im Trend

Die kleine Schwarze ist stark im Kommen. Ursprünglich in Nordamerika beheimatet, später auch in Russland angebaut, gelangte die Aroniabeere in den 1970-Jahren in die ehemalige DDR. Heute findet sie auch hierzulande immer mehr Liebhaber. Vor allem wegen ihrer Inhaltsstoffe, die gesundheitsfördernd sein sollen. Darüber hinaus ist die herb-säuerliche Frucht auch in der Küche vielseitig einsetzbar. Ein weiterer Trumpf: Der anspruchslose Strauch ist pflegeleicht und widerstandsfähig, kennt keine Schädlinge und gedeiht auf vielen Böden. Gründe genug, um die Beere einmal anzubauen, dachte sich Familie Duden aus Kalbe in der Samtgemeinde Sittensen. Heute ist das heidelbeerähnliche Beerenobst vom Hof, auf dem auch Schweine gemästet werden, nicht mehr wegzudenken. Aroniadirektsaft ist heiß begehrt, ebenso die Fruchtaufstriche und Chutneys, die Liane Duden produziert.

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„Wir wollten uns neben der Schweinemast ein zweites Standbein schaffen“, sagt Marius Duden, der den elterlichen Hof einmal übernehmen möchte. Wegen des Gesundheitsaspekts fiel die Wahl auf die Aroniabeeree. Ihr Anbau gilt als einfach. Familie Duden weiß es heute besser. Anders als in Teilen der Literatur beschrieben, ist die kleine Schwarze doch sehr durstig und muss in heißen Sommern beregnet werden. In Kalbe kommt Tropfenbewässerung zum Einsatz, so wie im Weinbau. Dabei wird das Wasser über Leitungen direkt dem Wurzelbereich der Sträucher zugeführt. „Es wird kein Wasser verschwendet“, betont Liane Duden. „Das ist uns sehr wichtig.“

Geerntet wird im August

Ganz ohne einen Pflege- und Auslichtungsschnitt im Winter kommt die Aroniabeere auch nicht aus, Unkräuter zu ihren Füßen sind ebenfalls nicht nach ihrem Geschmack, weshalb die Hacke immer mal wieder zum Einsatz kommt. Im August sind die Früchte reif. Bei der maschinellen Ernte der Beeren mussten die Anbauer aus Kalbe Lehrgeld zahlen. Die erste Pflückmaschine kam schnell an ihre Grenzen. Ihr gelang es nicht, alle violett-schwarzen Beeren von den Sträuchern zu schütteln. Die Beerenertemaschine aus Thüringen, die Dudens heute einsetzen, aber schafft es.

Trotz aller Technik bedarf es noch viel Handarbeit: Drei bis vier Leute auf dem Vollernter sind damit beschäftigt, alle Dolden, Stiele und Blätter aus dem Sammelgut zu entfernen. Und für Konfitüre und Chutneys werden die Beeren ohnehin per Hand geerntet. Wie die Ernte der Beeren funktioniert, ist bei Facebook und Instagram zu sehen.

Menschen fahren auf einem Traktor mit und pflücken Aroniabeeren.

Trotz maschineller Ernte ist noch Handarbeit gefragt. Drei bis vier Personen auf dem Beerenvollernter sind damit beschäftigt, Dolden, Stiele und Blätter aus dem Sammelgut zu entfernen.

Foto: Jakob Brandt

Eine saure Beere, die nicht jedem schmeckt

„Heute haben wir den Anbau ganz gut im Griff“, sagt Liane Duden. „Ernte und Wasserversorgung klappen. Wir sind begeistert von der robusten Pflanze, die keine Pflanzenschutzmittel braucht.“ Begeistert sind Dudens aber auch vom Geschmack der Beere, die frisch verzehrt nicht jedermanns Sache ist. Süß ist Aronia nicht, sondern herb-säuerlich. Und adstringierend. Wie bei Schlehen zieht sich bei ihrem Verzehr alles im Mund zusammen. Die kleine Schwarze lässt sich aber gut verarbeiten, zu Direktsaft, zu Marmelade, zu Chutneys, zu Gelees und Tees. Getrocknet kann man sie auch zum Backen und Kochen verwenden.

Liane Duden liebt es, mit der Beere zu herumzuprobieren, mischt Aronia für Chutney und Fruchtaufstrich mit Birne, Apfel, Zwetschge, Erdbeere und Brombeere. „Für Marmelade sollte man die Aroniabeere mit süßem Obst kombinieren“, rät die Landwirtin. Derzeit experimentiert sie an einem Likör. Es fehlen noch ein paar Umdrehungen, weshalb er in diesem Jahr vermutlich noch nicht in den Handel kommt. Doch das alkoholische Getränk mit der tiefroten Farbe hat Potenzial.

Als Sektschorle gefragt

Genauso wie Apelaroniasaft. Gemischt wird mit heimischem Qualitätsobst aus dem Alten Land. „Wir schauen genau, welcher Apfel zur Beere passt. Und das kann von Jahr zu Jahr sehr unterschiedlich sein“, erläutert Liane Duden. Ihren Worten zufolge kommt Apfelaroniasaft in der Gastronomie gut an: „Mit Wasser oder Sekt gemischt, mit einem Spritzer Zitrone und einem Eiswürfel ergibt es ein herrlich erfrischendes Getränk. Ideal auch für laue Sommernächte.“

Ein bekennender Fan der Aroniabeere ist die Diplom-Oecotrophologin und Kochbuchautorin Elke Kuhlmann. Verliebt in die kleine Schwarze bietet sie spezielle Aronia-Kochkurse an. „Vielen Gerichten gibt Aronia erst den richtigen Kick“, sagt die Dozentin. Einfach zu handeln seit das farbintensive Beerenobst aber nicht. „Die säuerliche Aroniabeere ist in der Küche schon eine Herausforderung“ räumt Kuhlmann ein. „Man muss ein bisschen experimentierfreudig sein, um herauszufinden, zu welchen Gerichten sie am besten passt.“ Überall, wo man säuerliches Obst einsetze, sei auch die Aroniabeere eine gute Wahl.

Reife Aroniabeeren hängen am Zweig.

Die Aroniabeere ähnelt der Heidelbeere. Alle Früchte reifen im August auf einmal, weshalb man die Sträucher nicht jede Woche nachernten muss.

Foto: Jakob Brandt

Aronia verbessert die Blutwerte

Der Direktsaft, dem weder Zucker noch Zusatzstoffe zugesetzt werden, wird in einer Mosterei in Cadenberge produziert. Er ist auch leicht herb, schmeckt wie ein trockener Rotwein, ist aber einen Tick süßer. Ein kleines Gläschen pro Tag soll reichen, der Gesundheit auf die Sprünge zu helfen. „Kunden bestätigen uns, dass sie sich jetzt wohler fühlen und sich ihre Blut- und Hämoglobinwerte gebessert haben“, sagt Liane Duden. Das Geschäft mit der kleinen Schwarzen laufe gut, die Nachfrage nach Aroniaprodukten steige. Dudens beliefern vor allem Supermärkte, Hofläden und zunehmend auch die Gastronomie. Die Direktvermarktung ist sehr zeitaufwendig. Weil mittlerweile viele Läden zwischen Hamburg und Bremen angefahren werden müssen, sind die Aroniaanbauer aus Kalbe viel auf den Straßen unterwegs. Doch das Klinkenputzen hat sich geloht: Heute gehen über das Internet sogar Bestellungen aus Süddeutschland ein. „So kann es weitergehen“, sagt Liane Duden - und lächelt. „Aronia war die richtige Entscheidung.“

Reich an Inhaltsstoffen

Die Apfelbeere gilt als Gesundheitsbeere. Sie enthält die Vitamine B2, K und C sowie das Provitamin A und viele Mineralstoffe wie Eisen, Calcium, Kalium, Zink und Jod. Sie hat zudem einen hohen Anteil an Flavonoiden. Ihnen wird eine antioxidative Wirkung zugesprochen, heißt: Sie schützen die Körperzellen vor schädlichen Radikalen. Regelmäßig in kleinen Mengen getrunken soll Aroniasaft den Zellschutz im menschlichen Organismus ankurbeln und auch das Immunsystem im Körper positiv beeinflussen.

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Was sich aus der Wunderbeere zaubern lässt

Aronia-Punsch

  • 300 ml Aroniadirektsaft
  • 400 ml Apfeldirektsaft
  • 300 ml Wasser
  • Schale einer halben Zitrone
  • Saft einer Zitrone
  • eine halbe Stange Zimt
  • eventuell ein kleines Stück Ingwer
  • brauner Zucker nach Belieben
  • Zubereitung: Das Wasser in einem Kochtopf geben, Zitrone schälen und zusammen mit der Zimtstange dem Wasser zufügen. Die Flüssigkeit aufkochen und die Gewürze beim Erkalten etwas ziehen lassen.
  • Aronia- und Apfeldirektsaft in den Topf geben und erhitzen. Mit Zucker und Zitronensaft abschmecken. Dann durch ein Sieb geben und genießen. Je nach Belieben und Geschmack kann man den Punsch auch mit Amaretto oder Wodka ergänzen.

Aronia-Erdbeer-Fruchtaufstrich

  • 375 ml Aroniasaft
  • 500 Gramm Erdbeeren
  • 1 Vanillezucker
  • Saft einer halben Zitrone
  • 500 Gramm Gelierzucker 1:2
  • Zubereitung: Die Erdbeeren waschen, putzen und zusammen mit dem Aroniadirektsaft in einen Topf geben. Gelierzucker, Vanillezucker und Zitrone hinzufügen, kurz verrühren und bei starker Hitze aufkochen. Dann die Temperatur drosseln und zugedekt vier Minuten sprudelnd kochen lassen. Die Beeren pürieren und nochmal erhitzen. In Gläser füllen und sofort mit Schraubverschluss verschließen.