Die kleine Kleiderkammer des „Lebensraumes“ an der Bremerhavener Rickmersstraße ist Anlaufstelle für Bedürftige. Die Ehrenamtlichen der evangelisch-freikirchlichen Gemeinde, Jutta Hoyer (links) und Angela Hühne, lassen Menschen in Not nicht in der Kälte stehen und stellen Wärmendes zum Mitnehmen draußen vor die Tür. Es ist ruck, zuck weg. Foto: Hartmann

Die kleine Kleiderkammer des „Lebensraumes“ an der Bremerhavener Rickmersstraße ist Anlaufstelle für Bedürftige. Die Ehrenamtlichen der evangelisch-freikirchlichen Gemeinde, Jutta Hoyer (links) und Angela Hühne, lassen Menschen in Not nicht in der Kälte stehen und stellen Wärmendes zum Mitnehmen draußen vor die Tür. Es ist ruck, zuck weg. Foto: Hartmann

Foto: Arnd Hartmann

Die kleine Kleiderkammer des „Lebensraumes“ an der Bremerhavener Rickmersstraße ist Anlaufstelle für Bedürftige. Die Ehrenamtlichen der evangelisch-freikirchlichen Gemeinde, Jutta Hoyer (links) und Angela Hühne, lassen Menschen in Not nicht in der Kälte stehen und stellen Wärmendes zum Mitnehmen draußen vor die Tür. Es ist ruck, zuck weg. Foto: Hartmann

Leben

Gebrauchte Klamotten „to go“ gegen die Kälte

Mit der Kälte wächst die Not. In jedem Winter. Aber in diesem ganz besonders. Immer mehr Menschen in der Stadt und Region rutschen während der Pandemie in die Bedürftigkeit. Kinderreiche Familien, Rentner, Arbeitslose, sozial Abgehängte brauchen gerade jetzt, in diesen eisigen Tagen, Lebensnotwendiges: Etwas zu essen. Etwas Warmes anzuziehen. Essen gibt es. Aber fast alle zehn, elf größeren und kleineren Kleiderkammern in Stadt und Umland haben aus Angst vor Ansteckung geschlossen. Abholen? Nein. Gebrauchtes bringen? Nein. Anders der kleine „Lebensraum“ in Lehe. Dienstags stehen Kartons voll warmer Kleidung vor der Tür. Zum Mitnehmen. Kostenlos.

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Mit rot gefrosteten Fingern angelt Nicole (40), die es beim Vornamen belassen möchte, aus einem Karton ein paar braune Winterstiefel. „Ich bekomme keine Stütze, war lange im Frauenhaus, auch obdachlos“, erzählt sie durch den OP-Mundschutz – der auch vor der Tür verpflichtend ist. „Jetzt wohne ich bei Freunden, aber ich bin auf Gebrauchtes angewiesen und dankbar, dass es hier etwas gibt.“ Hier – das ist ein überdachter Hauseingang an der Rickmersstraße im bevölkerungsreichsten Stadtteil Lehe. Ein Milieu, in dem rund 48 Prozent der Kinder unter 15 Jahren von Hartz IV leben, mehr als ein Drittel davon hat ausländische Wurzeln. Die Anlaufstelle „Lebensraum“ gehört der evangelisch-freikirchlichen Gemeinde, deren Ehrenamtsteam – fast alle im Rentenalter – jeden Tag von 10 bis 12 Uhr jeweils zu zweit hier Suppen kochen und im Stadtpark austeilen. Und alles, was das Secondhand-Lager hergibt, in Kartons und auf Ständern vor die Tür räumen. Und gegen 13 Uhr wieder reinholen – falls was übrig ist. „Meistens nicht“, sagt Angela Hühne vom Team. Eine junge Frau durchforstet einen Karton mit warmer Kinderwäsche. „Ich hab das neulich im Vorbeifahren entdeckt“, sagt Jana, Mitte 30. „Ich lebe mit meinen beiden Kindern von Hartz IV, arbeite aber morgens, als Haushaltshilfe. Ohne Secondhand geht es nicht. Das hier ist so wichtig für uns.“ Man könne auch anrufen oder spontan Zettel mit Benötigtem reinreichen, „wir suchen das zum Abholen raus“, erklärt Mitstreiterin Jutta Hoyer. Zurzeit sei das Lebensraum-Team froh über Kleiderspenden – gut gereinigt natürlich: Damensachen in kleineren Größen, warme Herrenjacken, Kindersachen, „und dringend warme Schuhe und Stiefel“.

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