Diedrich Höyns, Sprecher der Kreishandwerkerschaft Elbe-Weser, hier in seiner Kfz-Werkstatt in Sittensen, wünscht sich von der Regierung eine schnellere und vor allem einfachere Abwicklung der in Aussicht gestellten Hilfen.

Diedrich Höyns, Sprecher der Kreishandwerkerschaft Elbe-Weser, hier in seiner Kfz-Werkstatt in Sittensen, wünscht sich von der Regierung eine schnellere und vor allem einfachere Abwicklung der in Aussicht gestellten Hilfen.

Foto: Baraz

Diedrich Höyns, Sprecher der Kreishandwerkerschaft Elbe-Weser, hier in seiner Kfz-Werkstatt in Sittensen, wünscht sich von der Regierung eine schnellere und vor allem einfachere Abwicklung der in Aussicht gestellten Hilfen.

Leben

Systemrelevant oder nicht? So geht es dem Handwerk in der Krise

Die Situation im Handwerk bleibt angespannt. Während Friseure bis Anfang März gar nicht arbeiten können, sind Bauhandwerker und Beschäftigte in den Baunebengewerken gefragter denn je. „Diese Pandemie stellt die Betriebe vor neue Aufgaben. Das ist eine Herausforderung, die neues Denken benötigt“, macht Diedrich Höyns deutlich. Der Sittenser ist Vorsitzender des Vorstands der Kreishandwerkerschaft Elbe-Weser und zeichnet ein Stimmungsbild über die Sorgen und Nöte der Innungsbetriebe.

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Die Pandemie trifft die Betriebe unterschiedlich hart. Während die Bäckereien, die ihre Cafés schließen mussten, auf die Situation überwiegend mit Kurzarbeitergeld reagierten, haben andere weiterhin viel zu tun, so Diedrich Höyns, der in Sittensen eine Kfz-Werkstatt betreibt. „Im Grundsatz können die meisten Handwerker arbeiten, sie sind systemrelevant. Wenn jemand einen Stromausfall hat, dann muss der Elektriker auch kommen. Der Krankenwagen braucht Winterreifen.“

Unkomplizierte Hilfe

Auch mehr als 120 Friseurbetriebe werden über die Kreishandwerkerschaft betreut. „Für die Friseurbetriebe kam es Mitte Dezember ganz Dicke, eine Schließung über jetzt bald zwei Monate greift auch gut geführte und langjährig am Markt eingeführte Betriebe an“, findet der Kreishandwerksmeister deutliche Worte. Er ist froh, dass die von der Pandemie stark gebeutelten Friseure endlich wieder eine Perspektive haben. Sie können unter strengen Hygieneauflagen am 1. März wieder ihre Salons öffnen. Gerade die Berufe und Berufsgruppen, die durch die Pandemie komplett schließen mussten, seien in ihrer Existenz bedroht. Hier fehlten seit Wochen Einnahmen. Hilfsprogramme seien noch nicht voll angekommen, Miete und sonstige Kosten liefen weiter. „Hier wünsche ich mir von der Regierung schnellere und vor allem eine einfache Abwicklung der in Aussicht gestellten Hilfen. Die Betonung liegt auf schnell und unkompliziert. Da muss das Hinhalten schnell beendet werden, sonst erkennen wir unsere Orte und Städte nicht wieder“, mahnt der Kreishandwerksmeister. Er geht davon aus, dass, ganz grob betrachtet, drei Viertel der Betriebe optimistisch in das Jahr gehen und bei rund einem Viertel aller Handwerksbetriebe der Blick in die Zukunft getrübt ist.

Im Kraftfahrzeuggewerbe ist die Kombination zwischen Werkstatt und Kfz-Handel üblich. Hier sei es wichtig, dass zum Frühjahr die Autohäuser wieder öffnen können, fordert Diedrich Höyns. Ganz allgemein ist er der Meinung, dass die Corona-Pandemie den Handwerksberuf aufgewertet hat. „Die Handwerker sind in der Krise da und lösen weiterhin die Probleme. Und das Handwerk macht dies mit richtig viel Power, rund fünf Millionen Menschen arbeiten in Deutschland im Handwerk.“

Viele Fragen zu Förderprogrammen

Trotz Krise halten die Innungsbetriebe zusammen. „Das zeigt sich auch daran, dass es keine verstärkten Austritte aus der Kreishandwerkerschaft gibt“, so Diedrich Höyns weiter.

Die Kreishandwerkerschaft Elbe-Weser repräsentiert die Interessen von mehr als 1400 Betrieben, unter anderem die Kfz-Branche, der Elektrobereich und das Sanitärhandwerk seien stark vertreten. Durch die Mitgliedschaft in der Innung profitieren die Handwerksbetriebe von vielen Vorteilen, wie günstigere Prüfungsgebühren, effiziente Einkaufsgemeinschaften, Erfahrungsaustausch auf Augenhöhe oder auch viele kostenlose Tarif- und Rechtsauskünfte. Auch über Fördermöglichkeiten passend zugeschnitten auf das jeweilige Gewerk wird informiert. Gerade in diesem Punkt gab es in den vergangenen Wochen viel Informationsbedarf seitens der Innungsmitglieder.

Dazu sagt Diedrich Höyns: „Welches Förderprogramm passt, wer kann wo welche Mittel abfordern? Da muss jemand die Übersicht behalten. Die jeweiligen Innungen und davon haben wir 49 an der Zahl, sind alle im Ehrenamt organisiert. Die Kreishandwerkerschaft übernimmt die ganze Organisationsarbeit für das Prüfungswesen, die Finanzen oder die Eintragungen in die Handwerksrolle. Da braucht das Handwerk Profis und wir sind froh, trotz der Pandemie immer erreichbar gewesen zu sein.“

Neue Selbstständigkeiten?

Dazu lobt Höyns die vielen guten Ideen untereinander, um durch die Krise zu kommen. In der Praxis haben die Handwerksbetriebe ihre internen Abläufe überprüft, auch verstärkt Online-Konferenzen und Schulungen genutzt. „Sicher ist man im Handwerk auch immer Wettbewerber zu den Betrieben des gleichen Handwerks. Trotzdem ist der Austausch gerade in der Pandemie wichtig und trotz des Wettbewerbs über die Innung oder das Gespräch untereinander möglich“, hebt Höyns hervor. „Diese gegenseitige Unterstützung wird im Handwerk gerade jetzt gelebt. Da wird sicher auch einiges bleiben.“

Auch den digitalen Schub werde das Handwerk nutzen, ist der Sittenser zuversichtlich. Immer mehr Betriebe bauen zudem ihr Online-Angebot aus und wagen den Schritt in die sozialen Medien, um auf sich aufmerksam zu machen. Als positiv wertet Höyns außerdem, dass sich aus dem Handwerk in die Industrie abgewanderte, gut ausgebildete Gesellen und Meister wieder dem Handwerk zuwenden. Ihn würde es nicht wundern, wenn es durch die Kurzarbeit beim einen oder anderen Handwerker vielleicht die nötige Ruhe gab, um über eine Selbstständigkeit nachzudenken.

Auch im eigenen Kfz-Betrieb in Sittensen haben sich die Arbeitsabläufe verändert. „Wir haben uns genau angeschaut, wie wir unsere Arbeitsplätze coronakonform gestalten können, denn die Sorge um die Gesundheit ist immer dabei. Die geliebte gemeinsame Tasse Kaffee muss dann eben entfallen. Und es ist gut für die Mitarbeiter und mich, in dieser Zeit arbeiten zu können. Bisher sind wir ohne Corona-Infektionen durch diese Krise gekommen und das soll auch so bleiben.“

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