Adrian Breitlauch blickt auf vier ereignisreiche Jahre bei den Eisbären zurück. Jetzt zieht es den Bremerhavener dem Vernehmen nach zu den Artland Dragons nach Quakenbrück.

Adrian Breitlauch blickt auf vier ereignisreiche Jahre bei den Eisbären zurück. Jetzt zieht es den Bremerhavener dem Vernehmen nach zu den Artland Dragons nach Quakenbrück.

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Breitlauch sucht berufliche Perspektive neben dem Basketball

Hinter Adrian Breitlauch liegen einige Wochen des Grübelns und des Abwägens. Am Ende dieses Denkprozesses stand für den Kapitän der Eisbären die schwere Entscheidung, seinen Heimatverein zu verlassen. „Es war sehr hart, zu diesem Schluss zu kommen. Ich hatte hier eine schöne Zeit, das lässt man nicht einfach so liegen“, bedauert das Eigengewächs seinen Abgang. Breitlauch hat das Angebot eines anderen Basketball-Zweitligisten angenommen, der dem studierten Betriebswirt neben dem Profisport eine berufliche Perspektive bieten kann - dem Vernehmen nach soll es sich um die Artland Dragons aus Quakenbrück handeln.

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Dass sich der Wechsel vom Vizemeister der ProA, der sich noch Chancen auf die Erstliga-Rückkehr ausrechnen darf, zu einem Konkurrenten aus den unteren Tabellenregionen nicht auf den ersten Blick erschließt, ist dem gebürtigen Bremerhavener klar. „Ich kann mir vorstellen, dass das für viele Leute sehr überraschend kommt“, erklärt Breitlauch, der den Namen seines neuen Clubs noch nicht verraten mag. Für ihn sei ausschlaggebend gewesen, sich ein zweites Standbein aufbauen zu können: „In meinen Augen wird die Corona-Krise großen Einfluss auf die Spieler haben, vor allem finanziell. Daher war es mir wichtig, eine Tätigkeit neben dem Feld auszuüben. Mein zukünftiger Club ist sehr frühzeitig auf mich zugekommen, ist auf meine Wünsche eingegangen und hat mir ein sehr, sehr spannendes Angebot gerade neben dem Feld gemacht.“ Der 26-Jährige betont, beruflich den nächsten Schritt machen zu wollen: „Es ist eine Tätigkeit, die auf meinem Studium aufbaut.“

Ihre Wege trennen sich: Trainer Michael Mai (rechts) muss einen neuen Kapitän finden, Adrian Breitlauch verlässt die Eisbären.

Ihre Wege trennen sich: Trainer Michael Mai (rechts) muss einen neuen Kapitän finden, Adrian Breitlauch verlässt die Eisbären.

Foto: Archiv

Frühzeitig eine Entscheidung getroffen

Paradoxerweise hat die Tatsache, dass sich die Eisbären um den Wiederaufstieg in die Basketball-Bundesliga (BBL) bemühen, den Abgang des „Local Heroes“ eher befördert als verhindert. „Ich hatte frühzeitig die Entscheidung getroffen, mich mehr auf Belange neben dem Feld zu konzentrieren. Das ist mit der BBL deutlich schwerer kombinierbar. Der Grat für Spieler ist dort sehr schmal: Wenn es gut läuft, können es 20 Minuten Spielzeit sein, wenn es schlecht läuft fünf. Von daher war für mich früh klar, dass die BBL eher nicht in Frage kommt.“ In der ProA kann Breitlauch dagegen zuversichtlich sein, trotz beruflicher Belastung eine führende Rolle zu spielen zu können - in der vergangenen Saison stand „Addi“ im Schnitt mehr als 24 Minuten auf dem Parkett und brachte es dabei im Schnitt auf 10,1 Punkte, 1,9 Assists und 3,9 Rebounds pro Partie.

In der vergangenen Saison absolvierte "Addi" Breitlauch sein 100. Pflichtspiel für die Eisbären. Das Eigengewächs war auf dem besten Weg, Jan Lipke als Rekordspieler (129 Einsätze) abzulösen.

In der vergangenen Saison absolvierte "Addi" Breitlauch sein 100. Pflichtspiel für die Eisbären. Das Eigengewächs war auf dem besten Weg, Jan Lipke als Rekordspieler (129 Einsätze) abzulösen.

Foto: Ralf Masorat

Eine einmalige Chance

Obwohl Breitlauch einräumt, dass ihm der „Tapetenwechsel“ guttun werde, versichert er, dass sich seine Entscheidung nicht im Geringsten gegen seinen Heimatverein richtet. Die Eisbären hätten sich ebenfalls bemüht, ihm als Kapitän ein attraktives Paket zu bieten - letztlich sei sein neuer Club in den Planungen aber weiter gewesen. Und so eine Hängepartie wie im vergangenen Jahr, als Breitlauch nach dem Erstliga-Abstieg bis Ende Juli warten musste, eher er einen neuen Einjahresvertrag für die ProA unterschreiben konnte, habe er dieses Mal vermeiden wollen. „Wer mich kennt, kennt meine Loyalität den Eisbären gegenüber. Die wird auch mit Sicherheit bestehen bleiben, aber ich musste diese Chance, die ich da habe, einfach annehmen“, sagt Breitlauch. Die Vizemeisterschaft in der ProA sei ein schöner Abschluss für die vier Jahre, die er nach seiner Rückkehr von den Itzehoe Eagles im Jahr 2016 erlebt habe: „Als Kapitän sportlich den Wiederaufstieg zu schaffen, ist ein schöner Moment, um mit gutem Gewissen eine Schleife um die Zeit bei den Eisbären zu machen.“

In der kommenden Saison wird Adrian Breitlauch seine Körbe nicht mehr in der Stadthalle werfen.

In der kommenden Saison wird Adrian Breitlauch seine Körbe nicht mehr in der Stadthalle werfen.

Foto: Archiv

Eine beeindruckende Persönlichkeit

Das sieht auch Nils Ruttmann so, der den Verlust des Leistungsträgers bedauert: „Wir schätzen Adrian als Person und Basketballspieler, der jahrelang auf und neben dem Feld alles für die Eisbären gegeben hat. Seine beeindruckendePersönlichkeit hat sich nicht zuletzt darin gezeigt, dass er nach dem Abstieg nicht das Weite gesucht hat, sondern den Umbruch unseres Clubs in der ProA mitgestaltet hat.“ Der Geschäftsführer der Eisbären betont, dass für den ehemaligen deutschen U19-Vizemeister die Türen in Bremerhaven immer offenstehen werden. Auch Breitlauch, der in der nächsten Saison Jan Lipke (129 Einsätze) als Rekordspieler abgelöst hätte und wegen seines unermüdlichen Kampfgeists der Publikumsliebling war, stimmt der Abschied wehmütig: „Es war als Kind immer mein Traum, für die Eisbären auf dem Feld stehen zu dürfen. Was ich letztendlich erleben durfte, ging noch weit darüber hinaus.“

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