Für Bestseller-Autor Klaus-Peter Wolf steht Bremerhaven ganz oben auf der Lesungsliste.

Für Bestseller-Autor Klaus-Peter Wolf steht Bremerhaven ganz oben auf der Lesungsliste.

Foto: Weßling

Für Bestseller-Autor Klaus-Peter Wolf steht Bremerhaven ganz oben auf der Lesungsliste.

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„Bremerhaven war für mich und meine Frau immer sehr wichtig“

Valentinstag, Rosenmontag – Gründe dafür, den Februar zu mögen, finden sich einige. Für die Fangemeinde der Ostfriesenkrimis jedoch vor allem den: Immer im Februar erscheint ein neuer Band von Klaus-Peter Wolf. In „Ostfriesenzorn“ nimmt der Bestsellerautor seine Leser wieder mit an die Abgründe der menschlichen Seele, hübsch inszeniert vor harmloser Nordsee-Idylle. Warum dieses Ritual gerade in Zeiten des Lockdowns Bedeutung hat, und auf welche Überraschungen sich seine Fans gefasst machen können, verrät Wolf im Interview.

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Viele Bremerhavener werden sich noch an Ostfriesenkrimi-Lesungen im Amtsgericht erinnern. Später pilgerten die Fans von Ermittlerin Ann Kathrin Klaasen in das Theater im Fischereihafen (Tif), um sich von Ihnen aus den neuesten Bänden vorlesen zu lassen. Der Lockdown macht dieser Februar-Tradition einen Strich durch die Rechnung. Gibt es Trost? Bremerhaven war für mich und meine Frau Bettina Göschl immer sehr wichtig. Hier trat ich schon auf, als die Bücher noch keine Bestseller waren, und auch in den Schulen in Bremerhaven haben wir immer wieder vorgelesen. Bettina geht mit ihren Bilderbüchern sogar in die Kindergärten. Jetzt mussten wir 64 Veranstaltungen absagen. Ich habe diese literarisch-musikalischen Krimiabende wirklich sehr geliebt und das Bremerhavener Publikum ist uns sehr zugewandt. Deswegen gibt es natürlich schon einen Ausweichtermin: den 8. September 2021 im Theater im Fischereihafen.

Ihre Fans fiebern trotz der Pandemie-Einschränkungen dem Erscheinen des neuesten Ostfriesenkrimis entgegen. Buchläden verzeichnen viele Vorbestellungen. Gibt das bewährte Ermittlerteam so etwas wie Halt in unsicheren Zeiten? Ist das Wiedersehen ein wenig wie nach Hause kommen? Ganz sicher! Wenn ein neuer Roman erscheint, erhalte ich in den ersten Wochen 250 bis 350 Leserbriefe täglich. Viele per E-Mail, Facebook, aber auch handgeschriebene Briefe, manchmal zehn Seiten und länger. Die Menschen erzählen mir, was die Romane für sie bedeuten. Gerade gestern bekam ich Post von einer Frau, die die Lektüre für sich als lebensrettend empfand. Sehr berührend schilderte sie, dass sie während ihrer Krebsbehandlung die Romane kennengelernt hat und alle nacheinander las, während die Chemo lief. In den Büchern werden ja die Figuren jeweils an ihre größte Sehnsucht, aber auch an ihre größte Angst geführt. Und zwischen den Zeilen ist die Gewissheit, dass es auch in der tiefsten Hölle eine Tür nach draußen gibt. Man darf nicht aufhören, sie zu suchen. Gerade die Globalisierung und jetzt auch noch die Pandemie tragen zur Verunsicherung der Menschen bei. Im Kriminalroman wird immer nach der Wahrheit gesucht und man versucht, eine Gerechtigkeit wiederherzustellen. Haben wir diese Sehnsucht nicht alle?

Kein Ostfriesenkrimi ohne perfide vorgehende Mörder vor einer Kulisse aus Watt, Dünen und Meer. Worauf dürfen sich die Leser aktuell einstellen? Insider behaupten, dass Ann-Kathrin Klaasen ein „unmoralisches Angebot“ erhält. In der Tat, genau so ist es. Sie muss den Rahmen geltender Gesetze verlassen, um tun zu können, was ihrer Meinung nach richtig ist. Sie spielt mit ganz hohem Risiko. Dr. Bernhard Sommerfeldt – der beliebteste Serienkiller Deutschlands – sitzt ja in Lingen im Gefängnis. Er bietet sich an, beim Ergreifen eines anderen Serienkillers behilflich zu sein. Dazu müsste er aber aus dem Gefängnis herauskommen. Legal ist das unmöglich. Ann Kathrin Klaasen fragt sich auch: Kann ich Sommerfeldt trauen? Will er mir wirklich helfen? Oder hat er nur draußen einen Komplizen, der ihm zur Freiheit verhelfen möchte? Die Dr.-Bernhard-Sommerfeldt-Trilogie war ja mit dem 3. Band „Todesspiel im Hafen“ abgeschlossen. Aber tausende Fans forderten von mir, dass es mit Dr. Sommerfeldt weitergehen solle. Ich konnte schlecht Teil vier der Trilogie schreiben, darum habe ich ihn in die Ostfriesenkrimi-Reihe integriert. Er ist sozusagen ein demokratisch gewählter Antagonist.

Ostfriesland ist für Bremerhaven um die Ecke. Das Morden in und um Norden ist nur einen Steinwurf entfernt. Werden die Ermittlungen Ann Kathrin Klaasen dereinst auch in die Seestadt führen? Selbstverständlich! Dr. Bernhard Sommerfeldt hat ja ein sehr gutes Verhältnis zu Bremerhaven. Der Serienkiller hat sich dort mehrfach versteckt. Er residiert gern im Hotel Haverkamp, wo auch Bettina und ich meist wohnen, wenn wir in Bremerhaven auftreten. Ann Kathrins Chef, Martin Büscher, kommt ja aus Bremerhaven und wünscht sich immer wieder dahin zurück, wenn die Ostfriesen ihm auf den Keks gehen.

Mittlerweile sind bereits einige Ostfriesenkrimis verfilmt worden. Auf welche Verfilmung dürfen sich Ihre Fans als nächstes freuen? Vermutlich im März an einem Samstag um 20.15 Uhr wird „Ostfriesenangst“ ausgestrahlt werden. Die Verfilmung ist abgeschlossen. Den genauen Sendetermin habe ich aber noch nicht. Hundert Meter von meinem Haus entfernt wird im Moment „Ostfriesensühne“ gedreht. Ein Buch mit dem Titel gibt es nicht. „Ostfriesensühne“ ist der zweite Teil aus dem Roman „Ostfriesensünde“. Diese Verfilmung wurde bereits ausgestrahlt. Im Roman „Ostfriesensünde“ sind zwei Geschichten miteinander verwoben. Ann Kathrin Klaasen jagt den „Maurer“, der Frauen lebendig einmauert und sie sucht den Mörder ihres Vaters. Dabei stellt sich ihr die Frage, ob ihr Vater zu den Guten oder den Bösen gehörte. Im Film „Ostfriesensünde“ wäre das überfrachtet gewesen. Wir wollten der Geschichte um Ann Kathrins Vater genug Raum geben, aber keinen Zweiteiler produzieren, sondern zwei eigenständige Filme. So sind aus dem Roman „Ostfriesensünde“ zwei Filme entstanden, von denen einer den Originaltitel trägt und der zweite „Ostfriesensühne“ heißt. Der Dreh findet unter Coronabedingungen statt, mit sehr strengen Sicherheitskonzepten. Aber Filmemachen war schon immer ein Abenteuer.

Für Bestseller-Autor Klaus-Peter Wolf steht Bremerhaven ganz oben auf der Lesungsliste.

Für Bestseller-Autor Klaus-Peter Wolf steht Bremerhaven ganz oben auf der Lesungsliste.

Foto: Weßling

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